''Wir sind Ziele'' – Konsequenzen eines schon 2022 überfallenen Influencers
Owen Simonin, ein unter dem Namen Hasheur bekannter französischer Youtube-Influencer und Unternehmer, wurde bereits im Januar 2022 von einem Bewaffneten zu Hause überfallen. Schwer war es für den Täter nicht, Simonins Anschrift ausfindig zu machen, denn seine Wohnadresse war auch die auf Business-Seiten angegebene Geschäftsadresse.
Ein paar Tage lang wurde Hasheur beobachtet, bevor der Täter zuschlug. Simonin hatte aber Glück, denn der Mann, der wohl ursprünglich ein Fan seines Youtube-Channels gewesen war, verlor danach den Mut und flüchtete. Einige Tage später stellte der Täter sich der Polizei, die Waffe erwies sich als nicht echt.
Simonin zog umgehend Konsequenzen aus dem Vorfall. Er suchte sich eine neue Wohnstätte, deren Adresse er strikt geheim hält, das Haus wurde zudem gut gesichert. Zu offiziellen Anlässen lässt er sich seither von einem Bodyguard begleiten und achtet penibel darauf, auf Social Media keine Hinweise und private Details zu posten, die potenzielle Täter ausnutzen könnten.
Nach Bekanntwerden der Entführungswelle in Frankreich sagte er der Zeitung Paris Match: "Wir sind Ziele" – eigentlich habe er das immer gewusst, allerdings erst Konsequenzen gezogen, nachdem er zum Opfer geworden war.
Profaner Ratschlag für Influencer: nicht angeben
Die Webseite Binance.com rät Investoren und Influencern zu Vorsichtsmaßnahmen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wie eben nicht mit Reichtum zu protzen und Privates privat zu halten.
In vielen Fällen gelang es den Ermittlern, Tatverdächtige festzunehmen – häufig handelte es sich um Gruppen mit mehreren Beteiligten, darunter auch sehr junge Täter. Zugleich deutet vieles darauf hin, dass die Ausführenden nicht immer die eigentlichen Drahtzieher sind, sondern teilweise im Auftrag von im Ausland ansässigen Hintermännern handeln.
Laut Le Monde handelt es sich dabei nicht nur um lose verbundene Gruppen. Djelloul C., der an der Entführung des ersten Opfers Bruno D. beteiligt war und gefasst wurde, soll aus seiner Gefängniszelle heraus als Logistikkoordinator an der Organisation weiterer Entführungen wie dem Kidnapping von David Balland beteiligt gewesen sein. Das ging aus der Untersuchung eines in seiner Zelle gefundenen iPhones hervor. Die Kombination aus externer Steuerung und interner Organisation deutet auf arbeitsteilig aufgebaute Täterstrukturen hin.
Daneben handelten aber auch manche, vor allem sehr junge Täter, in Eigeninitiative, nachdem sie ein potenzielles Opfer im Internet fanden. Sie hatten aber wohl nur wenig Ahnung vom Wesen der Kryptowährungen und wussten etwa nicht, dass Übertragungen von Wallet zu Wallet nachvollziehbar sind. Entsprechend schnell kamen Ermittler ihnen auf die Spur.
Was zunächst wie eine Serie spektakulärer Einzelfälle wirkte, erscheint heute zunehmend als strukturiertes kriminelles Phänomen mit arbeitsteilig organisierten Tätern(öffnet im neuen Fenster).
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