Infineons Radarsensor im Hands on: So werden smarte Lautsprecher intelligenter
Die Nutzung smarter Lautsprecher könnte sich schon bald grundlegend verändern. Dafür hat Infineon einen Xensiv-Radarsensor mit Fernfeldmikrofonen verknüpft. Auf dem Mobile World Congress 2018 zeigt Infineon eine erste Entwicklungsstufe der Technik. Wir haben sie ausprobiert.
Smarte Lautsprecher können das Radar nutzen, um zu bemerken, wenn sich jemand dem Lautsprecher nähert. Dieser kann sich dann aktivieren, ohne dass ein Signalwort gesagt werden muss. Das Ziel ist es, die Interaktion mit einem smarten Lautsprecher menschlicher zu machen. Wenn sich der Nutzer im Radarbereich des smarten Lautsprechers befindet, kann er sich mit dem Gerät unterhalten, ohne immer wieder das Aktivierungswort sagen zu müssen.
Radar vs. Kamera
Außerdem könnte der smarte Lautsprecher von sich aus aktiv werden und würde nicht erst auf eine Aktion des Nutzers warten – wenn dies gewünscht ist. Infineon hat sich bewusst gegen eine herkömmliche Kamera und für Radar entschieden. Das Radarverfahren benötigt keinen Cloud-Zugriff, die benötigten Daten können lokal gespeichert werden. Außerdem werden damit Datenschutzfragen wie bei einer Kameranutzung umgangen.
Das Radar könnte so programmiert werden, dass es etwa aufgrund der Körpergröße Kinder von Erwachsenen unterscheiden könnte. Aber auch aufgrund der Gangart könnten Anwender unterschieden werden, so dass der smarte Lautsprecher Kindern andere Musik vorschlägt als einem Erwachsenen. Allerdings würde das System keine enorm hohe Genauigkeit erreichen, so dass Käufe oder Geldtransaktionen darüber nicht autorisiert werden sollten, rät der Hersteller.
Radar kann konfiguriert werden
Infineon verspricht, dass alle Parameter der Radarerkennung angepasst werden können. So ließe sich festlegen, wie groß der Radarbereich ausfällt. Im Testaufbau auf der Messe war der Radar auf etwas mehr als einen Meter beschränkt, damit falsche Erkennungen ausgeschlossen werden. Prinzipiell soll damit aber auch ein großes Wohnzimmer abgedeckt werden können. Allerdings ist es möglicherweise in der Praxis nicht unbedingt erwünscht, dass der smarte Lautsprecher auf alle Bewegungen im Raum reagiert.
Daher muss sich der Nutzer stärker mit der Technik eines smarten Lautsprechers befassen.
Smarte Lautsprecher mit Radar brauchen mehr Anpassungen
Idealerweise wird der Nutzer den aktiven Radarbereich selbst bestimmen können. Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Konfiguration der Geräte komplexer wird. Sobald bisherige smarte Lautsprecher mit dem Internet verbunden sind, ist keine weitere Konfiguration erforderlich. Das würde sich bei einer Radarsteuerung wohl ändern – der Nutzer müsste sich stärker mit den technischen Möglichkeiten des smarten Lautsprechers befassen.
Der Testaufbau auf dem Messegelände in Barcelona deckte einen Radarbereich von 180 Grad ab. Prinzipiell ist aber auch eine Radarabdeckung von bis zu 360 Grad möglich. Hier hängt es davon ab, welchen Bereich der Gerätehersteller abdecken will. Für die meisten Einsatzzwecke wird aber wohl ein 180-Grad-Bereich ausreichen.
Technik mit beliebigen digitalen Assistenten nutzbar
Die Radartechnik von Infineon kann prinzipiell mit allen am Markt verfügbaren digitalen Assistenten verwendet werden. In Barcelona wurde das System mit Alexa vorgeführt. Es kann aber auch mit dem Google Assistant, Siri, Cortana oder beliebigen anderen digitalen Assistenten genutzt werden. Der Hersteller sieht vor allem viel Potenzial im asiatischen Sprachraum, wo digitale Assistenten zum Einsatz kommen, die in anderen Regionen nicht vertreten sind.
Infineon geht davon aus, dass der Radarsensor zusammen mit Fernfeldmikrofonen im Laufe des Jahres fertig entwickelt ist. Es wird also noch dauern, bis die Technik Einzug in smarte Lautsprecher hält, die der Kunde kaufen kann. Es ist offen, ob Hersteller wie Amazon, Apple oder Google die Technik nutzen werden, um diese in ihre künftigen Produkte zu integrieren.
Fazit
Radartechnik hat das Potenzial, die Nutzung smarter Lautsprecher komfortabler zu machen. Im Sichtbereich des Radars wäre eine Unterhaltung möglich, ohne für jede neue Interaktion das Signalwort zur Aktivierung des digitalen Assistenten sagen zu müssen. Der Nutzer könnte sich mit dem Gerät eher so unterhalten wie mit einem Menschen – der Umgang mit dem Gerät würde natürlicher werden.
Jetzt liegt es vor allem an Amazon und Google, ob sie die Infineon-Technik in ihren Geräten verwenden. Beide führen derzeit den Markt digitaler Assistenten an, was Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit betrifft. Zwar bieten sowohl Amazon als auch Google Drittherstellern die Möglichkeit, Alexa und Google Assistant in eigene Produkte einzubauen. Wenn dann die Radartechnik vom Assistenten jedoch nicht unterstützt wird, haben es Dritthersteller sehr schwer, diese in ihren Geräten zu verwenden.
- Anzeige Hier geht es zu Philips Hue Produkten bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.