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STMicroelectronics: besserer Umsatz, aber noch niedrige Profitabilität

STMicroelectronics hat ein anderes Profil. Das Unternehmen ist breiter aufgestellt und stärker in Mikrocontrollern, Sensorik, Analogtechnik, Leistungshalbleitern sowie Funk- und optischen Kommunikationsbausteinen vertreten. Im ersten Quartal 2026 erzielte ST einen Umsatz von 3,10 Milliarden US-Dollar – 23 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis nach US-GAAP (Generally Accepted Accounting Principles; US-amerikanische Rechnungslegungsstandards) lag jedoch nur bei 70 Millionen US-Dollar, die operative Marge bei 2,3 Prozent(öffnet im neuen Fenster).

Die Zahlen zeigen damit beides: eine Umsatzbelebung und noch begrenzte Ertragskraft. Auf bereinigter Basis lag die operative Marge bei 5,5 Prozent. Das ist für einen Halbleiterhersteller kein hohes Niveau. Die Erholung ist also operativ noch nicht ausgereift.

Positiv ist, dass ST für das zweite Quartal einen Umsatz von 3,45 Milliarden US-Dollar in Aussicht stellte – ein sequenzielles Wachstum von 11,6 Prozent und ein Zuwachs von 24,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

STMicroelectronics Kennzahlen (Q1 2026) und Einordnung
Umsatz3,10 Milliarden US-Dollar – plus 23 Prozent gegenüber Q1 2025
Bruttomarge33,8 Prozent – leicht über Vorjahr, aber noch nicht auf Zyklushoch
operative Marge (US-GAAP)2,3 Prozent – deutlich niedriger als bei Infineon
Ausblick Q2 20263,45 Milliarden US-Dollar Umsatz – plus 24,9 Prozent gegenüber Vorjahr
erwarteter Rechenzentrumsumsatzdeutlich über 500 Millionen US-Dollar 2026; 2027 klar über 1 Milliarde US-Dollar

Strategisch wichtig ist der Ausbau des Rechenzentrumsgeschäfts. ST bestätigte, dass es 2026 deutlich über 500 Millionen US-Dollar Umsatz mit Datacenter-Anwendungen erwartet. Für 2027 soll die Marke von einer Milliarde US-Dollar klar überschritten werden.

Dazu kommt eine im Februar 2026 angekündigte mehrjährige, mehrere Milliarden US-Dollar schwere kommerzielle Vereinbarung mit Amazon Web Services – sie soll Halbleiterlösungen für Hochleistungsrechenzentren und KI-Infrastruktur abdecken.

Auch die Übernahme des MEMS-Sensorgeschäfts (Micro-Electro-Mechanical Systems – mikroelektromechanische Systeme) von NXP ist in diesem Kontext relevant. Sie erweitert STMs Sensorikkompetenz in Automobil- und Industrieanwendungen.

Im ersten Quartal 2026 trug das erworbene Geschäft rund 40 Millionen US-Dollar Umsatz bei. Für die Investmentthese ist das nicht wegen der kurzfristigen Umsatzgröße entscheidend, sondern wegen der technologischen Breite.

Leistungselektronik wird zur Infrastrukturfrage

Der Boom bei KI-Rechenzentren ist nicht nur ein Software- oder Prozessorzyklus. Er ist auch ein Energiezyklus. Die Marktforscher von Yole erwarten, dass der Markt für Stromversorgungseinheiten in Rechenzentren bis 2030 auf 14 Milliarden US-Dollar wachsen kann. Der Bericht beschreibt den Übergang zu höheren Spannungsarchitekturen und neue Anforderungen an Leistungsdichte und Effizienz(öffnet im neuen Fenster).

Für Infineon und ST ist diese Entwicklung relevant, weil sie in Bauteilen aktiv sind, die Stromverluste reduzieren und Energieflüsse steuern. Das betrifft klassische Silizium-MOSFETs, SiC- und GaN-Bauelemente, Treiber-ICs, Sensorik, Mikrocontroller und optische Kommunikationslösungen. Die großen KI-Investitionen der Hyperscaler erzeugen damit eine zweite Reihe von Gewinnern, die nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.

Diese These ist plausibel, aber nicht risikofrei. Der Aufbau von Rechenzentren stößt zunehmend auf Engpässe bei Stromnetzen, Genehmigungen und lokaler Energieversorgung. Wird der Ausbau von KI-Infrastruktur durch Stromverfügbarkeit begrenzt, kann sich auch die Nachfrage nach Leistungshalbleitern verschieben. Umgekehrt steigt der wirtschaftliche Wert effizienterer Stromversorgung gerade dann, wenn Energie knapp oder teuer ist.

Europa erhält politischen Rückenwind

Ein zusätzlicher Faktor ist die Industriepolitik. Der European Chips Act ist seit September 2023 in Kraft und soll Europas technologische Souveränität im Halbleiterbereich stärken. Die EU nennt als Ziel, den europäischen Anteil am weltweiten Halbleitermarkt bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln(öffnet im neuen Fenster). Das Programm unterstützt unter anderem Produktionskapazitäten, Pilotlinien, Forschung und Maßnahmen zur Versorgungssicherheit.

In der EU-Übersicht zu staatlich unterstützten Projekten finden sich mehrere Vorhaben mit direktem Bezug zu Infineon und ST. Dazu gehören ST-Projekte in Catania, ein ST-Globalfoundries-Projekt in Crolles, das ESMC-Joint-Venture in Dresden mit TSMC, Bosch, Infineon und NXP sowie ein Infineon-Projekt in Dresden. Politischer Rückenwind ersetzt keine Nachfrage, er kann aber Investitionsrisiken senken und Kapazitätsaufbau in Europa erleichtern.

Für Anleger ist das ambivalent. Subventionen und strategische Projekte stärken die Standortbasis. Gleichzeitig erhöhen sie die Kapitalintensität. Chipfabriken, Pilotlinien und neue Packaging-Kapazitäten benötigen hohe Vorleistungen. Wenn die Nachfrage später schwächer ausfällt als erwartet, können Fixkosten auf die Margen drücken. Europäische Halbleiterpolitik ist daher ein Stabilisator, aber kein Schutz vor einer zyklischen Branche.


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