Infineon, Siemens und Co: Wie deutsche Top-Tech-Firmen mit Homeoffice umgehen
Kaum haben sich Angestellte an die Vorzüge der Vollzeit-Heimarbeit gewöhnt, berufen viele Firmen ihre Mitarbeiter wieder in die Büros. Ist 100 Prozent Homeoffice in Deutschland noch ein Ding?
Als Tesla-Chef Elon Musk im Juni 2022 eine Mail mit dem Betreff "Remote-Arbeit ist nicht mehr akzeptabel" an seine Belegschaft schickt, ist er mit seiner Meinung nicht allein. Milliardenschwere US-Konzerne – auch die in der Öffentlichkeit als progressiv und liberal geltenden Big-Tech-Firmen – denken schon länger mehr oder weniger laut darüber nach, ihre Angestellten zurück in ihre teuren Büros zu holen.
Obwohl die flächendeckende Einführung des Homeoffice als eine der wenigen positiven Errungenschaften der Coronapandemie gilt, ist Chefs nach dem Rückgang der gemeldeten Coronainfektionen die Vor-Ort-Präsenz entgegen früheren Versprechen wieder wichtiger geworden.
Apple, Meta, Google, aber auch JPMorgan, Disney oder IBM limitierten die ehemals oft unbeschränkte Heimarbeit im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahre wieder auf ein bis drei Tage pro Woche. Die Investmentbank Goldman Sachs strich ihre Homeoffice-Option im März 2022 sogar komplett.
Und die Ironie, dass sogar eine derart von der Pandemie profitierende Firma wie Zoom seine Beschäftigten ab August 2023 wieder für mindestens zwei Tage die Woche ins Büro beordert, scheint an der Chefetage vorbeizugehen. Aus Heim- wird also bei großen börsennotierten Firmen mehr und mehr Hybrid-Arbeit. Das gilt nicht nur für die USA. Golem.de hat bei zehn der umsatzstärksten deutschen Firmen aus dem Tech- und E-Commerce-Bereich nachgehakt und ein schlaglichtartiges Lagebild skizziert.
Die Mischung macht's
Eines direkt vorweg: Keine der von Golem.de kontaktierten Firmen bietet ein Komplett-Remote-Modell für ihre Beschäftigten an, sei es der Chiphersteller Infineon, der Softwarekonzern SAP oder die Deutsche Telekom. Dennoch lassen sich bei den sieben Firmen, die auf den Fragenkatalog von Golem.de geantwortet haben, gewisse Gemeinsamkeiten herauslesen.
Siemens-Konzernsprecher Wolfram Trost bestätigt beispielsweise, dass alle Angestellten weltweit zwei bis drei Tage pro Woche mobil arbeiten können, "wenn es sinnvoll und machbar ist". Zalando strebt eine Büropräsenz von 40 Prozent an und möchte laut Head of Culture, New Work und Diversity & Inclusion Veronica Schilling "ein gutes Gleichgewicht zwischen Flexibilität und dem regelmäßigen Austausch mit Kollegen vor Ort ermöglichen".
SAP, die Telekom, Infineon, Mister Spex pendeln sich ebenfalls bei zwei bis drei Tagen Homeoffice oder mobilem Arbeiten pro Woche ein. Lediglich Telefónica Deutschland setzt keine Büroquote und vertraut darauf, dass die entsprechenden Teams für sich passende Lösungen finden.
Dass Remote-Arbeit in der Belegschaft positiv angenommen wird, bestätigen ebenso nahezu alle befragten Unternehmen. "Hybrides Arbeiten ist für uns das 'New Normal' und kommt sehr gut in der Belegschaft an", sagt SAP-Sprecher Hilmar Schepp. "Über 80 Prozent der SAP-Führungskräfte und -Mitarbeitenden berichten, dass sie durch unser hybrides Arbeitsmodell mindestens genauso produktiv oder sogar produktiver sind."
Gregor Rodehueser von Infineon erläutert die Vorteile hybriden Arbeitens so: "Konzeptionelles Arbeiten ist in einer ruhigen Umgebung der eigenen Wahl oft einfacher. Wenn es aber um Kreativität, innovative Lösungen oder die Einführung neuer Mitarbeiter geht, ist auch die persönliche Interaktion gefragt."
Auch Telefónica Deutschland ist von einer Mischform überzeugt. "Zu hybrid gehört das Homeoffice ebenso wie die soziale Interaktion im Büro. In manchen Situationen ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden als Teams zusammenkommen, um sich beispielsweise kreativ auszutauschen", so das Unternehmen.