Soda und Kalk sorgen für schwer vermeidbare Prozessemissionen

Die Schmelzenergie auf Ökostrom oder Wasserstoff umzustellen, würde der Glasindustrie bereits einen Großteil ihrer Treibhausgasemissionen ersparen. Doch es gibt noch eine weitere Quelle von Kohlendioxid bei der Glasherstellung: den Einsatz von Karbonaten wie Soda und Kalk als Rohstoff.

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Soda und Kalkstein werden bei der Herstellung von Glas hinzugefügt und während des Schmelzprozesses jeweils in Natriumoxid und Calciumoxid umgewandelt. Beide Ausgangschemikalien enthalten Kohlenstoff, der in dem Prozess in Form von Kohlenstoffdioxid entweicht.

Diese chemischen Emissionen werden auch als Prozessemissionen bezeichnet, sie sind für etwa ein Viertel der Emissionen der Glasschmelzöfen verantwortlich. Bislang gibt es keine Konzepte, um diese Emissionen völlig zu verhindern.

Theoretisch wäre es möglich, die Prozessemissionen mittels CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) zu reduzieren, sprich das Kohlendioxid abzufangen und dauerhaft unterirdisch zu lagern. In anderen Branchen mit ähnlichen Prozessemissionen - am größten ist das Problem in der Zementindustrie - gilt das als Option.

Mehr Glasscherben als Rohstoff

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Doch Fabrice Rivet vom Glasindustrieverband FEVE ist skeptisch - CCS sei für die vergleichsweise geringen Mengen an Kohlendioxid, das durch die Prozessemissionen entsteht, zu teuer. "Der vielversprechendste Weg ist die Erhöhung der Glasrecyclingrate", sagt Rivet.

Wenn Glasscherben als Ausgangsmaterial genutzt werden, entstehen diese Prozessemissionen nicht, da darin bereits Natriumoxid und Calciumoxid enthalten sind. Schon heute ist recyceltes Glas der wichtigste Rohstoff der Branche, doch gänzlich wird sich das Problem damit wohl nicht lösen lassen. Hundertprozentiges Recycling ist nicht realistisch, es wird daher immer einen gewissen Bedarf für neues Glas geben.

In einem Forschungsprojekt mit dem Namen ZeroCO2Glas soll neben der Verwendung von Wasserstoff als Energiequelle auch getestet werden, inwieweit man auf die kohlenstoffhaltigen Rohstoffe wie Soda oder Kalk verzichten kann. Geleitet wird das Projekt von Forschungsinstituten an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, beteiligt ist daran auch die erwähnte Firma Wiegand-Glas.

Weniger Soda erfordert schnellere Glasverarbeitung

"Wir werden schrittweise einige Rohstoffe reduzieren, um zu schauen, welchen Spielraum wir da überhaupt haben", erläuterte Winfried Willenborg von Wiegand-Glas die Pläne im Gespräch mit Golem.de. Das würde die chemische Zusammensetzung des Glases ändern, und damit gibt es bislang kaum Erfahrungen.

"Das Kritische ist die Soda. Wenn man Soda rausnimmt, hat das eine enorme Auswirkung auf die Formgebung", sagt Willenborg. Denn das Weglassen oder Reduzieren von Soda führt dazu, dass das Glas schneller erhärtet. "Das heißt, wir müssen dort wesentlich schneller sein."

Am Ende wird es wohl schwierig werden, die Kohlendioxid-Emissionen der Glasindustrie komplett zu vermeiden. In dem Fall müssten die Restemissionen langfristig ausgeglichen werden, beispielsweise durch Direct-Air-Capture-Technologien, die Kohlendioxid aus der Luft filtern.

Nachtrag vom 20. Juni 2022, 8:44 Uhr

Wir haben einen Hinweis hinzugefügt, dass es bei der Firma Ardagh Pläne gibt, die geplante Hybridglaswanne in Eigenregie zu bauen.

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 Die Glasschmelze der Zukunft scheiterte zunächst
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ronda-melmag 21. Jun 2022 / Themenstart

. Solarwirkungsgrad = ca 200W/qm für Strom ca 700w Wärme - angekommen sind so 1000 W von...

Meister 20. Jun 2022 / Themenstart

Und trinken ihr Bier aus den Plastikflaschen vom Aldi.

viethansel 18. Jun 2022 / Themenstart

Das beste wird sein, wir exportieren alle Produkte aus China, die haben genug Energie.

Chevarez 17. Jun 2022 / Themenstart

Wahrscheinlich ist hier vom CO2-Bedarf beim Bau der Anlagen und der Herstellung der...

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