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Industrie-Supermacht: Chinas Robo-Revolution

Die Automatisierung soll eine wichtige Rolle beim weiteren Aufstieg der Volksrepublik spielen. Deutsche Produzenten wittern die große Chance. Aber gerade chinesische Anbieter wollen sich einen möglichst großen Anteil vom Wachstumsmarkt sichern.

Artikel von Stephan Scheuer/Handelsblatt und Axel Höpner veröffentlicht am
Industrieroboter (Symbolbild): China will Industrie-Supermacht werden.
Industrieroboter (Symbolbild): China will Industrie-Supermacht werden. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Nackte Mauern, ein blank polierter Boden und eine große Maschine: Die Arbeiterin in der Fabrikhalle hat sich ihren Mundschutz zurechtgerückt. Stumm beobachtet sie, wie die weißen Reiskörner aus einem Rohr in einen weißen Plastiksack gepresst werden. In Sekundenschnelle näht die Maschine das Paket zu. Eine Rollbahn lässt den prall gefüllten Sack durch die Halle gleiten, bis er von einem Roboterarm aufgehoben und auf eine Palette geschichtet wird.

Chinas Entwicklung kommt an ihre Grenzen

Inhalt:
  1. Industrie-Supermacht: Chinas Robo-Revolution
  2. Was für die einen Risiko ist, ist für die anderen Chance

China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, entwickelt sich von der Werkbank der Welt zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Automatisierungstechnik. "Das klassische Industrialisierungsmodell, das dem chinesischen Entwicklungsprozess der vergangenen 25 Jahre zugrunde lag, ist an seinen Grenzen angekommen", sagt Georg Stieler, der mit seiner Unternehmensberatung Stieler Enterprise Management Consulting die Entwicklung in der Volksrepublik analysiert hat.

Automatisierung ist eines der wichtigsten Schlagworte in der Reformagenda Made in China 2025. Der Pekinger Staatsrat hat darin einen Fahrplan für die Modernisierung der chinesischen Industrie entworfen. China will etablierte Nationen wie Deutschland in Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit einholen. In drei Phasen möchte die Volksrepublik bis zu ihrem 100. Geburtstag 2049 zur Industrie-Supermacht aufsteigen. Deutschlands Industrie 4.0 war Vorbild für einige Reformvorhaben, sagt ein hochrangiger Regierungsbeamter, der nicht öffentlich genannt werden möchte.

Wer alles große Chancen wittert

Nun wittern deutsche Produzenten von Automatisierungstechnik große Chancen. "Überall, wo Präzision, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit ausschlaggebende Kriterien sind, verfügen deutsche und europäische Hersteller über Wettbewerbsvorteile", sagt Stieler. "Wir erwarten, dass sich der Absatz von Robotern in China in den nächsten fünf Jahren noch einmal mehr als verdoppeln wird", prognostiziert der Berater. Gerade bei hochpräzisen, schnellen Roboterbewegungen seien internationale Hersteller führend. Zudem werde die Nachfrage nach Sensoren stark zunehmen. "Von etwa 20.000 weltweit bekannten Sensortypen können in China nur etwa 3.000 hergestellt werden", rechnet Stieler vor.

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Beim Roboterbauer Kuka, der schon lange in China aktiv ist, glaubt man an das große, langfristige Potenzial des Automatisierungsmarktes. Allein in der Elektronikbranche arbeiteten acht Millionen Menschen, ein Viertel davon beschäftige sich mit sich wiederholenden Aufgaben. Allein die asiatische Elektronikindustrie biete damit ein Potenzial von 500.000 bis 800.000 Robotern.

Chinas Wachstum wird schwächer

Dennoch sind auch die Augsburger vorsichtig. "Wir rechnen in China nicht mit den Wachstumsraten der vergangenen Jahre", sagte Kuka-Chef Till Reuter. "Aber die Automatisierung hat dort Potenzial, denn die Regierung hat Robotik im Wirtschaftsplan 2025 als wichtige Schlüsselbranche gesetzt." Das schaffe Chancen für Kuka.

Es sei faszinierend, wie schnell China in der Entwicklung sei, sagte Reuter. Derzeit entstünden dort viele Robotik-Firmen. "Das beobachten wir bei Kuka genau." Kuka habe mit 40 Jahren Erfahrung ein tiefes Fachwissen, das für die Kunden wertvoll sei. "Aber natürlich dürfen wir uns auf diesem Vorsprung nicht ausruhen."

China ist wichtigster Robotermarkt

China hat die Industrieroboter-Branche enorm angetrieben. 2014 war China zum zweiten Mal in Folge der wichtigste Markt. Der Absatz legte nochmals um 56 Prozent auf 57.000 verkaufte Roboter zu. In den vergangenen fünf Jahren lag das durchschnittliche Wachstum laut dem Weltbranchenverband International Federation of Robotics (IFR) bei 59 Prozent.

Der Verband sieht in China weiterhin immensen Nachholbedarf. "Das Potenzial bleibt trotz der jüngsten Konjunkturschwäche enorm." Die chinesische Wirtschaft verzeichne derzeit nur eine Roboterdichte von 36 Stück pro 10.000 Beschäftigte. In Südkorea liegt dieser Wert bei 478, in Deutschland bei 292. Prognosen des Verbands gehen daher davon aus, dass 2018 mehr als jeder dritte neue Roboter in China installiert wird.

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Was für die einen Risiko ist, ist für die anderen Chance 
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