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Industrie: China weckt Hoffnung in der Nexperia-Chipkrise

Chinas Regierung stellt wieder Ausfuhren von Nexperia-Chips in Aussicht. Was bedeutet das für die Produktion in der Autoindustrie?
/ Peter Steinlechner , dpa
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Autoproduktion bei VW in Zwickau (Bild: Jens Schlueter/Getty Images)
Autoproduktion bei VW in Zwickau Bild: Jens Schlueter/Getty Images

Im Streit um die Lieferprobleme beim wichtigen Chiphersteller Nexperia(öffnet im neuen Fenster) hoffen Bundesregierung und Industrie nach neuen Aussagen aus China auf einen Ausweg aus der Krise. Zuvor hatte die Regierung in Peking die Ausfuhr dringend benötigter Halbleiter in Aussicht gestellt.

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin teilte daraufhin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit: "Die jüngsten Meldungen aus China sind positive erste Signale der Entspannung."

In einer Mitteilung des chinesischen Handelsministeriums hieß es, betroffene Firmen sollten sich an das Ministerium wenden. Die Behörde werde die Lage prüfen und Exporte zulassen, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt seien.

Zugleich gab die chinesische Führung der niederländischen Regierung die Schuld an den aktuellen Lieferproblemen. "Die unzulässige Intervention der niederländischen Regierung in interne Unternehmensangelegenheiten hat zum derzeitigen Chaos der globalen Produktions- und Lieferketten geführt" , betonte das Handelsministerium in Peking.

"Die Bundesregierung beobachtet die Lage sehr genau" , hieß es weiter aus Berlin. "Wir nehmen die Situation der betroffenen Unternehmen sehr ernst und stehen zum Sachverhalt mit den Unternehmen sowie den niederländischen und europäischen Partnern in verschiedenen Formaten im Austausch." Eine abschließende Bewertung sei derzeit aber nicht möglich.

Aufatmen für die Hersteller?

In Deutschland hatten die Lieferprobleme vor allem in der Automobilindustrie für große Sorgen gesorgt. Die Situation könne schon bald zu erheblichen Produktionseinschränkungen, gegebenenfalls sogar zu Produktionsstopps führen, hieß es vom Verband der Automobilindustrie (VDA).

Ob die neue Ankündigung aus China den Firmen nun mehr Sicherheit gibt, bleibt abzuwarten. Viele Fragen ließ die Behörde offen. So machte Peking keine Angaben dazu, ob sich nur chinesische Firmen beim Handelsministerium melden sollen oder auch ausländische Unternehmen.

Ebenso ist unklar, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die Behörde den Export von Chips prüft und genehmigt.

Nexperia China sieht Schuld bei der Zentrale

Auch die chinesische Sparte von Nexperia machte hierzu keine konkreten Angaben. Man habe genügend Vorräte, um Kundenaufträge bis zum Jahresende und darüber hinaus zu bedienen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Lieferkette sei stabil, und es würden neue Wafer-Lieferanten geprüft, um die Versorgung künftig sicherzustellen. Nexperia China machte die Entscheidungen der niederländischen Zentrale für die Lage verantwortlich.

Nach Informationen der dpa setzte Nexperia in den Niederlanden die Lieferung von Vorprodukten, sogenannten Wafern, an sein chinesisches Montagewerk aus. Halbleiter-Wafer sind für die Chipproduktion von zentraler Bedeutung. Das Unternehmen bestätigte, dass Kunden über den Schritt informiert worden seien, lehnte aber weitere Angaben ab.

Wofür sind die Teile überhaupt wichtig?

Nexperia ist ein bedeutender Anbieter sogenannter diskreter Halbleiter – eher einfacher Bauteile, die jedoch für die Wirtschaft unverzichtbar sind. Nach internen VW-Angaben entfallen rund 40 Prozent des weltweiten Angebots an Standardchips für die Automobilindustrie auf Nexperia.

Die Halbleiter kommen häufig in elektronischen Steuergeräten von Fahrzeugelektroniksystemen zum Einsatz. In einem modernen Auto stecken Dutzende solcher Komponenten.

Der Auslöser der Krise

Die Lieferprobleme bei Nexperia begannen, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle über die von einer chinesischen Konzernmutter geführte Firma mit Sitz in Nimwegen übernommen hatte. China stoppte daraufhin die Ausfuhr von Nexperia-Produkten, darunter Chips für die Autoindustrie.

Grund für den Konflikt ist laut den Niederländern Missmanagement der chinesischen Unternehmensführung. Der Eingriff der Regierung bei Nexperia sei keine Maßnahme gegen China, hieß es. Chinas Handelsminister Wang Wentao hatte das Vorgehen laut Angaben aus Peking in einem Telefonat mit der niederländischen Seite kritisiert.

Dies habe die Stabilität der globalen Lieferketten ernsthaft beeinträchtigt, sagte er. China fordere von den Niederlanden, die Angelegenheit schnellstmöglich zu lösen.

Ankündigung aus den USA?

Unterdessen berichteten mehrere Medien unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass die US-Regierung ankündigen wolle, Nexperias Niederlassung in China werde wieder Chips liefern. Das Wall Street Journal führte die geplante Bekanntmachung auf Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping zurück.

Beide Seiten hätten demnach eine Rahmenvereinbarung getroffen. Xi und Trump hatten sich am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im südkoreanischen Gyeongju getroffen.

Was wird aus der EU?

Sollte China wieder erlauben, Nexperia-Chips in die USA zu liefern, bleibt die Frage, ob es auch Zugeständnisse an Europa geben könnte. Laut EU-Handelskommissar Maros Sefcovic sprachen Vertreter Brüssels und hohe Beamte des chinesischen Handelsministeriums miteinander, wie der Slowake auf der Plattform X schrieb. China habe dabei bestätigt, dass die Aussetzung der Exportkontrollen auf seltene Erden auch für Europa gelte.

"Beide Seiten bekräftigten ihre Entschlossenheit, sich weiterhin für eine Verbesserung der Umsetzung der Exportkontrollpolitik einzusetzen" , schrieb Sefcovic weiter. Auf den Fall Nexperia ging er allerdings nicht ein. Das Handelsministerium in Peking machte zunächst keine Angaben zu den Gesprächen in Brüssel.


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