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Bereits in zwei Jahren sollen 80 Prozent der Neuwagen vernetzt sein.
Bereits in zwei Jahren sollen 80 Prozent der Neuwagen vernetzt sein. (Bild: Philippe Huguen/Getty Images)

Industrie 4.0: Brüssel, höre die digitalen Signale!

Bereits in zwei Jahren sollen 80 Prozent der Neuwagen vernetzt sein.
Bereits in zwei Jahren sollen 80 Prozent der Neuwagen vernetzt sein. (Bild: Philippe Huguen/Getty Images)

Die digitale Vernetzung von Produktion und Produkten bietet enormes Potenzial für die deutsche Industrie. Forderungen nach sinnvoller Regulierung werden laut. Dabei geht es auch um Unabhängigkeit von Konzernen wie Apple.
Von Thomas Ludwig

Dass die deutsche Industrie nach Regulierung aus Brüssel ruft, ist so wahrscheinlich wie ein Meteoriteneinschlag an einem verregneten Donnerstag neben dem Bundeskanzleramt. Im Fall von Industrie 4.0 ist das anders.

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"Wir rufen nicht nach einer Regulierung, die uns an die Kette legt. Aber wir brauchen europaweit gemeinsame Spielregeln bei der Datensicherheit und beim Haftungsrecht, um die digitale Vernetzung der Industrieproduktion voranzutreiben", sagte Reinhold Festge, Präsident des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), dem Handelsblatt.

Ähnlich argumentiert der Chef des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann: "Es ist eine europäische Leitaufgabe, in den Bereichen Daten und Haftung für eine gemeinsame Rechtsentwicklung zu sorgen", sagte er bei einem Besuch in Brüssel.

Industrie 4.0 bedeutet die enge Verzahnung von Produktion und Produkten mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik. Derzeit geben sich Industrievertreter bei der EU-Kommission die Klinke in die Hand, um bei Digitalkommissar Günther Oettinger und Industriekommissarin Elzbieta Bieńkowska auf die Dringlichkeit des Themas hinzuweisen.

Sicherheit von Daten ist eine große Herausforderung

Die Autobranche steht infolge der Verschmelzung von Fahr- und IT-Technik vor dramatischen Veränderungen. "Bereits 2016/2017 werden bis zu 80 Prozent der Neuwagen vernetzt sein", sagt Wissmann. Das vollautomatisierte Fahren sei längst kein Hirngespinst mehr. Da sei es beispielsweise nicht sinnvoll, wenn der Insasse, der seinen Wagen selbst steuern lässt, das Zeitunglesen einstellen müsste, wenn er die Grenze nach Frankreich überquert, weil dort ein anderes Haftungsrecht als in Deutschland gelte.

Zudem müssten einheitliche Regeln zum Schutz der beim Fahren aufgezeichneten Daten den Schutz der Privatsphäre garantieren.

Für die zweite große deutsche Vorzeigebranche, den Maschinenbau, drehen sich die Herausforderungen vor allem um die Sicherheit von Daten, beispielsweise dann, wenn Maschinen über Ländergrenzen hinweg zu Fernwartung und Datenanalyse via Internet miteinander kommunizieren. Derzeit läuft derlei über die Cloud-Dienste großer amerikanischer IT-Konzerne wie Apple.

Vor allem Mittelständler sind dadurch verunsichert und stellen sich die Frage: Wie sicher ist mein Know-how, wenn immer mehr Daten bei immer mehr Nutzungsmöglichkeiten durch die Netze fließen? "Die EU müsste hier eine Sicherheitsarchitektur gewährleisten", betont VDMA-Präsident Festge. Eine europäische Datenplattform respektive Cloud sei wünschenswert: "Europa sollte in dieser Richtung weitergehen. Europa darf nicht abhängig werden von großen US-Konzernen der IT-Industrie."

Enorme Potenziale für deutsche Industrie

Von Haftungsfragen bis hin zu neu entstehenden Ausbildungsberufen, die digitale Vernetzung von Produkten wird Konsequenzen nach sich ziehen, die nur schwer absehbar sind. Damit wird Industrie 4.0 auch zur Nagelprobe für die Kommission unter Jean-Claude Juncker. "Die Kommission steht im Wort, die wichtigen und nötigen Rahmenbedingungen für die Erhöhung von Europas Wettbewerbsfähigkeit zu setzen und sich vom Klein-Klein des regulierten Duschkopfes zu verabschieden. Bei der Industrie 4.0 hat die Behörde die Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen", sagte Festge.

Laut einer Studie der Beratungsfirmen PwC und Strategy & arbeiten bereits zwei Drittel der deutschen Unternehmen aktiv an der Digitalisierung und Vernetzung ihrer Wertschöpfungsketten. Die befragten Firmen gehen davon aus, dass sie die Effizienz ihrer Produktion um durchschnittlich 3,3 Prozent steigern können. Gleichzeitig erhoffen sie sich Kosteneinsparungen von 2,6 Prozent im Jahr. Die Produkte sollen dabei auch noch besser und flexibler werden, um individuelle Wünsche der Kunden zu erfüllen.

Das Potenzial allein für die deutsche Industrie ist enorm. Eine Studie von Fraunhofer und dem Branchenverband Bitkom kommt zu dem Schluss, dass allein im Maschinen- und Autobau, in der Elektrotechnik, Chemie, Landwirtschaft und in der Kommunikationsbranche bis 2025 ein zusätzliches Potenzial von 78 Milliarden Euro erwartet werden kann. "Die Zeit läuft. Von einem beherzten Vorgehen auf europäischer Ebene hängt die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in Europa ab", mahnt VDMA-Chef Festge.


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Eheran 02. Mär 2015

Ich denke ebenso, also wie der TO.



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