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Indiegames: Mantel und Degen im Stil von Guybrush und Sekiro

Charmant-humorvolle Gefechte in En Garde!, düstere Action mit dem Hellboy und mehr: Golem.de stellt neue Indiegames vor.
/ Rainer Sigl
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Artwork von En Garde! (Bild: Fireplace Games)
Artwork von En Garde! Bild: Fireplace Games

Bis zum wichtigen Jahresendgeschäft dauert es noch ein wenig. Während wir als Computerspielefreunde auf die noch fehlenden Blockbuster des Restjahres warten, kann man sich die Zeit mit diesen kleinen, aber feinen Games vertreiben.

Von Action bis Strategie, von surreal bis Slapstick: Viel Spaß mit der Herbstauswahl an empfehlenswerten Indiegames.

En Garde!: Action mit Mantel und Degen

Als Musketier oder maskierter Rächer Zorro schwingen Leinwandhelden traditionell den schmalen Degen. In En Garde!(öffnet im neuen Fenster) dürfen endlich auch wir die akrobatische Fechtkunst ausleben.

Als abenteuerlustige Heldin Adalia de Volador kämpfen wir im Spanien des 17. Jahrhunderts mit viel Elan und frechen Sprüchen gegen die Soldaten eines bösen Grafen.

Dabei kommen – wie in den Mantel-und-Degen-Filmen – auch allerhand herumstehende Requisiten zum Einsatz: Vom Mobiliar bis hin zu Kronleuchtern, Bomben und Eimern taugt fast alles auf recht slapstickhafte Weise zur Verteidigung.

Die blitzschnellen Degengefechte gegen eine Überzahl an Schurken wirken dabei im Idealfall spektakulär choreografiert.

En Garde! war eigentlich ein Studentenprojekt, das seinen Weg hin zum "richtigen" Spiel gemacht hat.

Mit seiner freundlichen Cartoongrafik, seinem Humor und seinem auf Konter und Gegenangriffe setzenden Gameplay wirkt es wie die quirlige Tochter von Guybrush Threepwood und Sekiro. Ein gelungenes Action-Häppchen mit viel Charme und Charakter.

Erhältlich für Windows-PC, rund 20 Euro.

Witchfire: Im Auftrag des Papstes

Als düsterer Hexenjäger des Papstes im Kampf gegen Zombies, Ghoule und eine übermächtige, körperlose Hexe: Das ist die Idee hinter Witchfire(öffnet im neuen Fenster) . Der First-Person-Shooter verbindet rasante Action mit dem motivierenden Spielgerüst des Multiplayer-Phänomens Escape from Tarkov sowie Rogue-like-Elementen.

Bei jedem Besuch des Missionsgebiets werden Monster und Schätze neu verteilt. Erfahrungspunkte und Beute gibt es nur, wenn man lebend zurückkehrt. In der Basis darf man Waffen, Zauber und Eigenschaften aufleveln, zugleich werden mit jedem Levelaufstieg aber auch die Monster und Fallen empfindlich stärker.

Die polnischen Macher von Bulletstorm und The Vanishing of Ethan Carter haben mit ihrem herausfordernden Genremix ein wunderbar stilvolles und teuflisch motivierendes Singleplayer-Spiel in den Early Access gebracht.

Wer sich von der anfänglichen Härte nicht abschrecken lässt, darf exklusiv im Epic Games Store die bisher verfügbaren zwei Missionsgebiete erkunden. Je nach Geschick ist man damit schon jetzt an die 20 Stunden gut beschäftigt.

Erhältlich für Windows-PC, rund 36 Euro (Early Access).

Cocoon: Eine ganz andere Dimension

Fans von Indiegames kennen den dänischen Spieledesigner Jeppe Carlsen von seinen vorigen Spielen mit dem Studio Playdead: Sowohl Limbo als auch Inside zählen zu den ganz Großen ihrer Genrenische.

Das neue Werk von Carlsen ist ganz anders geworden: In Cocoon(öffnet im neuen Fenster) steuern wir ein seltsames Mischwesen aus Mensch und Insekt durch eine fantastisch-surreale Welt. Dabei lösen wir Rätsel, die uns ständige Dimensionswechsel abverlangen.

Cocoon kommt ganz ohne Worte aus und versetzt uns ins Staunen: So seltsame Mechanismen, Wesen und Puzzles begegnen einem nur selten in Computerspielen. Großartiges Sounddesign und ungewöhnliche Grafik machen Cocoon zum Rätselabenteuer für Jung und Alt.

Meistens geht es linear und entspannt zur Sache. In seltenen Bosskämpfen zählt nicht nur unsere Auffassungsgabe, sondern auch ein gewisses Grundgeschick. Ein außergewöhnliches Spiel!

Erhältlich für Windows-PC, Nintendo Switch, Playstation 4 und 5 sowie für Xbox One und Series X/S; rund 23 Euro.

El Paso Elsewhere, Hellboy, The Lamplighters League und Gunbrella

El Paso Elsewhere: Blutsauger treffen Schusswaffen

In El Paso Elsewhere(öffnet im neuen Fenster) fahren wir mit unserem Helden per Aufzug in ein surreales Labyrinth hinab, in dem unsere Exfreundin, eine mächtige Vampirin, das Ende der Welt heraufbeschwört.

Gekämpft wird mit Schusswaffen, gegen Schmerzen gibt es Pillen und per Knopfdruck laufen die rasanten Schießereien in Zeitlupe ab. Klingt vertraut? Kein Wunder, El Paso Elsewhere ist vom Kugelballett bis zum Noir-Voice-over aus dem Off eine Liebeserklärung an Max Payne, auch wenn es inhaltlich eher an Control erinnert.

Es braucht kein großes Budget, um ein spannendes Spiel zu entwickeln – vor allem, wenn man ein Gefühl für Stil hat. Das ist hier zweifellos der Fall: Von den perfekt in Szene gesetzten Zwischensequenzen bis zum tollen Hiphop-Soundtrack passt hier alles.

El Paso Elsewhere bietet dichte Atmosphäre und solides Gameplay. Es ist aber vor allem die Inszenierung, die dieses kleine und schicke Spiel so empfehlenswert macht.

Erhältlich für Windows-PC und Xbox Series X/S; rund 20 Euro.

Hellboy – Web of Wyrd: Comic-Held in zufallsgenerierten Umgebungen

Der Kult-Comic-Held Hellboy aus der Feder des US-Illustrators Mike Mignola ist seit 30 Jahren populär. Der rote Dämon, der an der Seite der Menschheit für das Gute kämpft, ist den meisten wohl aus den Filmen mit Ron Perlman bekannt.

Die bisherigen Versuche, den sarkastischen Monsterdetektiv auch spielbar zu machen, waren eher mau. In Hellboy – Web of Wyrd(öffnet im neuen Fenster) steuern wir den Titelhelden nun durch ein Third-Person-Prügelspiel mit Rogue-like-Struktur.

Sprich: Wir steigen von unserer Basis immer wieder in die zufallsgenerierte Paralleldimension des Wyrd hinab, bis wir den Boss des jeweiligen Gebiets besiegt haben.

Die größte Freude werden Comicfans an der endlich einmal gelungenen grafischen Umsetzung haben: Web of Wyrd sieht genauso einzigartig aus wie das Vorbild auf Papier. Starke Kontraste, tiefe schwarze Schatten und charakteristische Farben geben uns das Gefühl, wirklich den Comic zu spielen.

Dazu kommen ein befriedigend wuchtiges Nahkampf-Gameplay und eine überzeugende Vertonung. Nicht nur für Hellboy-Fans ist das sehr unterhaltsam und eine klare Empfehlung.

Erhältlich für Windows, Playstation 4 und 5, Xbox One und Series X/S sowie Nintendo Switch; rund 25 Euro.

The Lamplighters League: Charmante Taktik

Jordan Weisman hat das Strategie-Tabletopgame Battletech und die Rollenspielwelt von Shadowrun miterfunden. Seit einigen Jahren macht er mit seinem Studio Harebrained Schemes auch Videospiele.

In The Lamplighters League(öffnet im neuen Fenster) geht es aber weder um riesige Kampfroboter noch um Cyberpunk-Fantasy. Stattdessen trifft hier Indiana Jones auf das Gameplay der Strategiespielserie Xcom. Als kleines Häufchen Abenteurer sollen wir in der Zwischenkriegszeit einen finsteren Pakt aus Geheimbünden in die Schranken weisen, und das in Rundentaktik-Einsätzen.

Die Heldinnen und Helden der Lamplighters League sind raubeinige Originale mit allerhand Spezialfähigkeiten. Ihnen gegenüber stehen Supersoldaten, Okkultisten und finstere übernatürliche Mächte. Die wendungsreiche Story führt an exotische Schauplätze auf der ganzen Welt.

Bevor es in den Missionen zur Sache geht, ist vorsichtiges Schleichen in Echtzeit angesagt. Wie in Xcom gibt es auch hier einen Globalstrategie-Part, in dem Einsatzziele und Ressourcen verwaltet werden.

The Lamplighters League ist ein überaus abwechslungsreiches und charmantes Rundentaktikspiel – für Genrefreunde gibt es dieses Jahr nichts Vergleichbares.

Erhältlich für Windows-PC und Xbox Series X/S; rund 50 Euro.

Gunbrella: Mit magischem Schirm

Der Indie-Publisher Devolver Digital steht für Qualität im hippen Pixelkleid. So ist das auch in Gunbrella(öffnet im neuen Fenster) : Der Action-Plattformer erinnert ästhetisch an die 16-Bit-Ära, ist aber spielerisch eigenständig und auf der Höhe der Zeit.

Als Held auf Rachefeldzug sind wir auf die titelgebende Waffe angewiesen: eine Mischung aus Schusswaffe und Regenschirm, die uns nicht nur bei Angriff und Verteidigung gute Dienste leistet, sondern uns auch rasant durch die Luft flitzen lässt.

Dem seltsamen Accessoire ist auch das Tempo von Gunbrella zu verdanken: Nur wer sich akrobatisch den Gegnern und gelegentlichen Bosskämpfen stellt, hat gegen die Übermacht eine Chance.

Die geradlinige Story wird in kurzen Zwischensequenzen und Dialogen erzählt, die Figuren sind schräg und der Humor schwarz bis überdreht. Die Entwickler haben bereits zuvor mit dem Katzenroboter-Metroidvania Gato Roboto ein Händchen für cooles modernes Retro-Gamedesign bewiesen. Auch Gunbrella ist diesbezüglich ein gelungenes Einzelstück.

Erhältlich für Window-PC und Nintendo Switch; rund 15 Euro.


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