Mewgenics, Pathologic 3 und mehr: Sieben tolle Indiegames zum Jahresstart
Die ersten Indie-Erfolge des Jahres setzen ein Ausrufezeichen: In den vergangenen Wochen sind ungewöhnlich viele spannende Produktionen von unabhängigen Entwicklerstudios erschienen, die mit Ideenreichtum, eigenständiger Ästhetik und ungewöhnlichen Spielkonzepten überraschen.
Golem stellt sieben dieser aktuellen Titel vor – Spiele, die den Jahresauftakt prägen und zeigen, wie wichtig kreative Projekte jenseits großer Publisher weiterhin für die Branche sind und welche Impulse sie dem Medium zu Beginn des Jahres geben.
Mewgenics: Kämpfende Katzen
Der Spieleentwickler Ed McMillen gilt als eine Art Indie-Superstar: Er ist Schöpfer der Klassiker Super Meat Boy und The Binding of Isaac. Jetzt ist sein neues Spiel nach sechs Jahren Entwicklungszeit erschienen, und es ist auf Anhieb ein Verkaufserfolg.
Laut McMillen hat Mewgenics(öffnet im neuen Fenster) innerhalb von drei Stunden nach der Veröffentlichung seine gesamten Produktionskosten schon wieder eingespielt und sich an die Spitze der Steam-Charts katapultiert.
Das in einem räudig anmutenden Cartoonstil gehaltene Roguelike lässt uns Katzen züchten und mit ihnen in rundentaktische Kämpfe ziehen. Abwechslung ist dabei Trumpf, denn nach jedem Run müssen wir neue Miezen mit jeweils anderen Talenten losschicken.
Unzählige Gegenstände und fantasievolle Gegner bringen Langzeitmotivation und taktische Tiefe. McMillen selbst spricht von 250 Stunden Inhalt – das dürfte hinkommen. Ein umwerfendes Einzelstück mit Ausnahmequalität!
Erhältlich für Windows-PC (Steam), rund 28 Euro.
Cairn: Abenteuer in den Bergen
Das französische Entwicklerstudio The Game Bakers führt uns in Cairn(öffnet im neuen Fenster) aufs Dach der Welt. Als hartgesottene Free-Climberin besteigen wir Schritt für Schritt, Meter für Meter eine furchterregende Bergspitze.
Dafür brauchen wir Geschick und Köpfchen, weil wir bei der Klettertour jeden Fußtritt und jeden Handgriff einzeln setzen und dabei die richtige Route im schroffen Gelände finden müssen. Außerdem müssen wir auch mit unseren Ressourcen haushalten: Kletteranker, Proviant, Medizin und Hilfsmittel sind begrenzt.
Mit 300.000 verkauften Exemplaren in zwei Wochen ist Cairn ein Überraschungserfolg. Der Celshading-Grafikstil wirkt atmosphärisch, die Klettersimulation originell und die erzählte Geschichte geht ans Herz.
Auch im niedrigsten der drei frei wählbaren Schwierigkeitsgrade ist diese Bergtour eine motivierende Herausforderung. Wer irgendwann tatsächlich am Gipfel des Kami steht, vergisst diese virtuelle Bergtour nicht so schnell.
Erhältlich für Windows-PC (Steam, Gog, Epic Games Store) und Playstation 5; rund 30 Euro.
Menace: Strategie mit Soldaten
Nicht vom generischen Military-Style abschrecken lassen: Menace(öffnet im neuen Fenster) ist eines der spannendsten Strategiespiele des Jahres. Die Hamburger Overhype Studios haben 2015 in ihrem Erstling Battle Brothers knifflige Rundentaktikkämpfe und das Management einer Söldnertruppe in einer offenen Spielwelt vermischt.
Ihr zweites Spiel Menace tauscht Fantasy gegen ein Science-Fiction-Universum, wir nehmen aber auch hier als Mietsoldaten gefährliche Kampfmissionen an.
Hier treffen Einflüsse klassischer Genregrößen aufeinander: Der Mix aus Xcom, Jagged Alliance und Battletech fesselt durch Komplexität und Härte. Aber Achtung: Als Early Access-Titel fehlen Menace sowohl vorne als auch hinten raus noch wichtige Elemente.
Es gibt aktuell weder ein vernünftiges Tutorial noch ein befriedigendes Endgame. Wenn der Einstieg geschafft ist, hat man aber schon jetzt viele Stunden Beschäftigung auf hohem Niveau vor sich.
Erhältlich für Windows-PC (Steam, Gog, Epic Games Store, Microsoft Store) sowie über PC Game Pass; rund 40 Euro (Early Access).
Bladesong, TR-49, Pathologic 3 und Reanimal
Bladesong: Schwerter schmieden
Wer immer schon das coolste Fantasy-Schwert schmieden wollte, hat in diesem Spiel des deutschen Entwicklerstudios Sun and Serpent die Gelegenheit dazu. Anders als im Mittelalter-Rollenspiel Kingdom Come Deliverance 2 geht es in Bladesong(öffnet im neuen Fenster) aber nicht darum, in diversen Minispielen das heiße Eisen zu hämmern, um etwa ein simples Schwert herstellen.
Stattdessen dürfen wir in einem Editor unsere Wunschklinge bis in kleinste Details gestalten, von der Dicke des Stahls bis hin zu Krümmung, Bewehrung und Verzierung.
Das spielmechanische Drumherum macht Bladesong zu mehr als einem schicken 3D-Editor-Tool: In der Kampagne müssen wir mit begrenzten Ressourcen Schmiedeaufträge für eine Fantasy-Kundschaft ausführen und dabei unsere Fähigkeiten erweitern und eine überraschend toll erzählte Handlung in Form eines Visual-Novel-Rollenspiels voranbringen.
Der Mix motiviert ebenso wie das Designen der Klingen. Wer mag, darf seine Lieblingskreation als Modell für den 3D-Druck exportieren. Das ist schon im Early Access eine Empfehlung!
Erhältlich für Windows-PC (Steam, Epic Games Store); rund 20 Euro.
TR-49: Packende Ermittlungen
Das britische Indiestudio Inkle steht wie kaum ein anderer Spielemacher für narrative Experimente. Nach früheren Games wie 80 Days, Heaven's Vault und A Highland Song erzählt auch TR-49(öffnet im neuen Fenster) eine spannende Geschichte.
Und das auf außergewöhnliche Art und Weise: Der Mix aus Audio-Drama und Detektivspiel lässt uns eine seltsame Bibliotheksdatenbank durchsuchen. In dieser führen Kürzel wie jenes im Titel des Spiels zu immer neuen Einträgen, die nach und nach eine komplexe Science-Fiction-Story ergeben.
Das nur etwa vier Stunden kurze, aber packende Ermittlungsspiel ist auch wegen seines kleinen Preises ein perfektes Spiel für einen Abend. Dank eines vorbildlichen automatischen Notiz-Systems bleibt der Überblick über das Zettel-Labyrinth stets erhalten. Ein weiteres gelungenes Erzähl-Experiment.
Erhältlich für Windows-PC und MacOS (Steam) sowie iOS; rund 6,50 Euro.
Pathologic 3
Man muss Teil 1 und 2 nicht gespielt haben, um den dritten Teil der außergewöhnlichen Spieleserie Pathologic zu würdigen. Immerhin arbeitet das russische Entwicklerstudio Icepick Lodge gewissermaßen seit dem Erscheinen des ersten Teils 2005 immer mit derselben Grundidee.
Und die geht so: In einer abgelegenen Stadt irgendwo inmitten der endlosen russischen Steppe bricht eine tödliche Krankheit aus, die nur wir in Gestalt eines zugereisten Arztes bekämpfen können.
Pathologic 3(öffnet im neuen Fenster) ist ein faszinierender wilder Haufen an Ideen, Spielmechaniken und Einflüssen aus Literatur, Theater und Psychoanalyse. Zeitdruck gehört zum Konzept, denn wir haben hier nur zwölf Tage, bis Krankheit und Chaos alles vernichten.
Zentraler und neuer Gameplay-Clou ist die Fähigkeit, in der Zeit zurückzureisen und die Ereignisse in unserem Sinn zu verändern. Aus der First-Person-Perspektive durchqueren wir die Stadt, untersuchen Patienten und versuchen, alle losen Fäden sinnvoll zu verknüpfen. Ein Videospiel für Fortgeschrittene.
Erhältlich für Windows-PC (Steam), Playstation 5 und Xbox Series X/S; rund 38 Euro.
Reanimal
Ende 2025 erschien der dritte Teil von Little Nightmares – ohne Beteiligung der Serienschöpfer Tarsier Studios. Vielleicht war das der Grund, warum der Titel eher enttäuschend ausfiel.
Mit dem soeben erschienenen Reanimal(öffnet im neuen Fenster) liefern die Schweden nun jedenfalls das bessere Spiel ab. Auch hier wartet verstörender Knuddel-Horror mit beeindruckender Produktionsqualität. Allein oder zu zweit im Koop – hier sogar lokal vor demselben Bildschirm möglich – durchqueren wir eine atmosphärische Welt, lösen Physikrätsel und entkommen grotesken Monstern.
Wer Little Nightmares kennt, findet hier einen kompetenten, aber kaum originellen neuen Horrortrip exakt derselben Art. Dass sich auch Reanimal trotz kindlicher Helden und vermeintlicher Niedlichkeit absolut nicht als Spiel für Kinder eignet, sei zur Sicherheit noch einmal erwähnt.
Erhältlich für Windows-PC (Steam, Epic Games Store), Playstation 5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2; rund 40 Euro.

