Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Indiegame-Tipps: Doppelt zugkräftige Strategiespiele

Überlebenskampf in Last Train Home, eine Wildwest-Eisenbahn in Steamworld Build: Golem.de stellt tolle neue Strategiespiele vor.
/ Rainer Sigl
13 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork von Last Train Home (Bild: Ashborne Games)
Artwork von Last Train Home Bild: Ashborne Games

Grübeln, planen, taktieren und sich dann so richtig freuen, wenn ein Plan aufgeht: Fans von Strategiespielen hatten in diesem Jahr viel zu tun, obwohl ein außergewöhnlicher, übergroßer Genreerfolg ausblieb. Die folgenden Tipps liefern nochmal Nachschub. Viel Spaß mit unseren Empfehlungen aktueller Strategiespiele!

Last Train Home: Überleben in Russland

Strategiespiele mit historischem Hintergrund gibt es so einige, die turbulente Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war bislang eher selten Thema.

Als versprengter Rest der Tschechoslowakischen Legion bahnen sich die Spieler in Last Train Home(öffnet im neuen Fenster) einen abenteuerlichen Weg durch ein in den Bürgerkrieg zwischen Roter und Weißer Armee versinkendes Russland. Der führt paradoxerweise nach Osten: 10.000 Kilometer Zugstrecke bis nach Sibirien, auf denen ständig Gefahr droht.

Last Train Home ist eine originelle Mischung aus verschiedenen Genres. Es gibt Echtzeit-Taktik-Einsätze, Survival-Strategie und ganz schön haariges Ressourcenmanagement mit Soldaten, Zivilisten und Material an Bord des rollenden Hauptquartiers.

Das alles verbindet sich zu einer spannenden Herausforderung im bedrückenden, aber unverbrauchten historischen Szenario. Last Train Home ist ein Unikat – und ein Strategie-Geheimtipp 2023.

Erhältlich für Windows-PC; rund 40 Euro

Microcivilization: Civ für Zwischendurch

Der Klassiker Civilization ist die große Strategiespielikone, er hat nur einen Nachteil: Für zwischendurch ist der Globalstrategiegigant nichts. Genau da haken zunehmend kleine, handliche Titel ein: Wie schon Slipways oder Ozymandias verspricht auch Microcivilization(öffnet im neuen Fenster) eine Art kleines Civ für Zwischendurch.

Das clevere Werk des tschechischen Soloentwicklers Ondrej Homola kommt mit wenigen Bildschirmen aus, bietet aber mehrere Jahrhunderte umspannende Aufbaustrategie.

Vieles läuft automatisch ab, dennoch ist Microcivilization kein seichter Clicker. Neben Ressourcenmanagement sind immer wieder taktische Entscheidungen und Spezialisierungen auf dem umfangreichen Technologiebaum gefragt.

Besonders wenn Naturkatastrophen oder Krieg drohen, wird aus dem scheinbar harmlosen Mini-Civ ein herrlich motivierendes Strategiespiel, das den Begriff "für Zwischendurch" auf ganze Nächte ausweitet. Noch im Early Access, aber schon jetzt empfehlenswert.

Erhältlich für Windows-PC; rund 18 Euro (Early Access)

Steamworld Build: Bunte Bahn

In der bunten Steampunk-Wildwest-Roboterwelt der Steamworld(öffnet im neuen Fenster) -Reihe gab es bisher Crafting-, Rundentaktik- und Deckbuilding-Rollenspiele zu erleben. Jetzt gesellt sich ein Aufbaustrategiespiel im gleichen, sehr eigenständigen Stil dazu.

In Steamworld Build wird der von Siedler & Co. bekannte genretypische Städtebau um eine Unterwelt bereichert, in der die benötigten Ressourcen abgebaut werden. Im Grunde bedeutet das auch eine inhaltliche Rückkehr zu den ursprünglichen Bergbauabenteuern in Steamworld Dig.

An der Planetenoberfläche darf dabei sehr gemütlich geplant, gebaut und verwaltet werden, unter der Erde geht's ein wenig abenteuerlicher zu. Je tiefer gegraben wird, desto mehr muss auch in die Verteidigung von Minenrobotern und Infrastruktur investiert werden.

Auch ein wenig Tower Defense sorgt für Spannung. Alles in allem ist Steamworld Build aber ein herrlich unaufgeregter, höchst sympathischer Aufbaumix für viele Stunden.

Erhältlich für Windows-PC, Nintendo Switch, Playstation 4 und 5 sowie für Xbox One und Series X/S; rund 30 Euro

For the King 2, Endless Dungeon, Cobalt Core und Cyber Knights Flashpoint

For The King 2: PC-Brettspiel für bis zu vier Teilnehmer

Nicht zuletzt die Corona-Lockdowns haben den ersten Teil von For The King zum Erfolg gemacht. Mit dreiköpfiger Freundesrunde durfte man hier eine Mischung aus Brett- und Pen-and-Paper-Rollenspiel aus pandemisch sicherer Distanz erleben.

Der zweite Teil(öffnet im neuen Fenster) vergrößert die Multiplayer-Runde nun auf vier Personen. Der Rest ist, bis auf eine neue Kampagne, gleich geblieben. Also befreit ein vierköpfiger Trupp aus Abenteurern ein Fantasy-Königreich vom Bösen.

Der Clou: Jeder einzelne der Helden wird separat auf der Hexfeld-Karte bewegt und verwaltet – wer allein ins Spiel startet, muss folglich alle vier Figuren managen.

Solider Rundentaktikkampf und Zufallsgenerierung sorgen für Langzeitmotivation. Die umfangreiche Kampagne kann in sechs jeweils mehr als abendfüllenden Kapiteln gespielt werden.

Beim Tod aller Helden geht's zurück an den Start. For The King 2 ist trotz niedlicher Grafik ein herausforderndes Spiel, das natürlich besonders zu viert viel Spaß macht.

Erhältlich für Windows-PC; rund 25 Euro

Endless Dungeon: Nie aufhören!

Die Spiele der Endless(öffnet im neuen Fenster) -Reihe entführen abwechselnd in Fantasy- und Science-Fiction-Welten. Endless Dungeon spielt trotz seines Titels in einem Zukunftsszenario: In einer Art kosmischem Bermudadreieck kämpfen gestrandete Astronauten gegen Roboter und Aliens.

Wie im inoffiziellen Vorgänger Dungeon of the Endless aus dem Jahr 2014 verbinden sich hier Rogue-like und Tower Defense zu einer interessanten Mischung. Allein oder im Onlineteam zu dritt geht es darum, verlassene Raumstationen zu erforschen und immer wieder Wellen von Angreifern abzuwehren.

Die strategische Platzierung und kluge Aufrüstung der Verteidigungsanlagen ist entscheidend, allerdings ist im Gegensatz zum Vorgänger auch Twin-Stick-Action gefragt.

Das gefällt den Fans des Originals möglicherweise weniger, alle anderen finden hier eine gefällige Mischung aus Koop-Action mit Elementen aus Tower Defense, Ressourcenmanagement und ein bisschen Hero-Shooter.

Erhältlich für Windows-PC, Playstation 4 und 5 sowie Xbox One und Series X/S; rund 30 Euro

Cobalt Core: Allein durchs All

Das großartige FTL – Faster Than Light hat 2012 im Alleingang eine eigene taktische Rogue-lite-Nische erfunden. Cobalt Core(öffnet im neuen Fenster) übernimmt so einiges vom Klassiker, nicht zuletzt das Szenario: Als Kapitän eines einsamen Raumschiffs geht es auch hier darum, seinen Weg durch eine zufallsgenerierte Galaxis zu finden und erbitterte Raumschlachten zu führen.

Der größte Unterschied: In Cobalt Core werden die Kämpfe gegen andere Raumschiffe oder seltsame kosmische Anomalien per strategischem Deckbuilding-Kartenspiel absolviert. Wer den Indie-Kulthit Slay the Spire kennt, weiß, was ihn erwartet.

Die Mischung in Cobalt Core funktioniert hervorragend. Die nette Cartoon-Optik und viel Humor machen das Spiel sympathisch, seine taktischen Kartenduelle werden durch zusätzliche Schiffsmanöver noch ein bisschen kniffliger. Ein grundsolides Deckbuilding-Abenteuer mit taktischem Tiefgang, zum Immer-wieder-Spielen.

Erhältlich für Windows-PC und Nintendo Switch; rund 20 Euro

Cyber Knights Flashpoint: Agenten in leiser Mission

Das Rundentaktik-Gameplay des Klassikers Xcom ist nicht totzukriegen, hier wird ein beeindruckend detailliertes Cyberpunk-Rollenspiel-Setting obendraufgesetzt. Cyber Knights Flashpoint(öffnet im neuen Fenster) konzentriert sich aber nicht so sehr auf militärische Einsätze.

Stattdessen gibt es knifflige Stealth-Missionen, in denen das leise und clevere Zusammenspiel von Agenten mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten wichtiger ist als Feuerkraft. So gesehen ist es so etwas wie ein später Erbe des Schleich-Rundentaktikspiels Invisible Inc.

Die Entwickler von Cyber Knights Flashpoint sind Indie-Strategie-Fans. Die etwas ältere Weltraumoper namens Star Traders Frontiers dürfte einigen Fans ein Begriff sein, gleichzeitig zeigt das Spiel eine vorbildliche Early-Access-Entwicklung.

Momentan bietet Cyber Knights Flashpoint noch wenig Inhalt, dafür aber großes Potenzial – vor allem mit seinem angekündigten Fokus auf narrative Charakterentwicklung.

Erhältlich für Windows-PC; rund 29 Euro (Early Access)


Relevante Themen