Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Indiana Jones & Der Große Kreis im Test: Schlapphut trifft Superspiel

Archäologische Entdeckungen, Boxkämpfe mit Nazis: Indiana Jones und Der Große Kreis schickt uns in ein tolles Abenteuer rund um den Erdball.
/ Peter Steinlechner
63 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork von Indiana Jones und Der Große Kreis (Bild: Bethesda)
Artwork von Indiana Jones und Der Große Kreis Bild: Bethesda

Ob das wohl klappt und wir als Indiana Jones ohne größere Probleme über einen Innenhof des Vatikans gelangen? Auf dem sich ein paar Dutzend ebenso feindliche wie faschistische Soldaten befinden? Das kann doch nicht gut gehen – obwohl wir uns immerhin als katholischer Priester verkleidet haben!

Wie die Sache ausgeht, verraten wir hier natürlich nicht. Als kleiner Hinweis soll genügen, dass sich die Szene recht früh am Anfang von Indiana Jones und Der Große Kreis abspielt und wir danach natürlich noch jede Menge weitere Abenteuer erleben.

Das Action-Adventure des zu Bethesda gehörenden Entwicklerstudios Machine Games(öffnet im neuen Fenster) (Wolfenstein) schickt uns im Jahr 1937 als Indy fast unmittelbar nach den Ereignissen von Jäger des Verlorenen Schatzes erneut in die große weite Welt, um gegen italienische Faschisten und deutsche Nazis zu kämpfen.

So etwas wie der Haupt-Gegenspieler von Indiana Jones ist ein Archäologe namens Emmerich Voss. Der ist ein hervorragend in Szene gesetzter, durchaus mit Humor und Geist ausgestatteter Sadist.

Uns hat die Figur (obwohl sie sehr anders aussieht) an den von Christoph Waltz gespielten SS-Standartenführer Hans Landa in Inglourious Basterds erinnert.

Voss sehen wir fast nur in Zwischensequenzen, und auch Indy bekommen wir in Der Große Kreis gar nicht so oft zu Gesicht: Wir steuern ihn nämlich aus der Ich-Perspektive, abgesehen von Kletterpartien und ähnlichem.

Die Sache mit der Ego-Kamera hat im Vorfeld für Kritik von Spielern gesorgt. Tatsächlich klappt es aber hervorragend. Wir hatten nie ernsthafte Probleme mit der Steuerung, sondern haben uns durch die Ich-Sicht sogar etwas mehr wie der berühmte Schlapphutträger gefühlt.

Etwa dann, wenn wir uns in Höhlen auf dem Bauch durch enge Passagen gequetscht oder uns einen der vielen Boxkämpfe mit Faschisten und anderen Schurken geliefert haben – Auge in Auge.

Tatsächlich hauen wir die meisten Nazis schlicht mit unseren Fäusten aus den Soldatenstiefeln. Etwas einfacher schaffen wir das als Indy mit Schlagstöcken, Bratpfannen, Gitarren, Schaufeln oder ähnlichen Gegenständen – die nach ein oder zwei Einsätzen leider meist kaputtgehen.

Mit der Peitsche kann Indy manche Gegner zu sich ziehen oder sie entwaffnen. Ab und zu gibt es Schusswechsel, aber oft hat der sonst so wehrhafte Schatzjäger nicht mal eine Pistole im Inventar. Die meisten Feinde haben selbst kein Gewehr, das wir aufheben könnten – also lassen wir eben meist die Fäuste sprechen.

Anzeige

Indiana Jones und der grosse Kreis: Standard Edition (Xbox Series X)

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Das macht Spaß und ist gut umgesetzt, wird auf Dauer allerdings minimal eintönig. Im Spielverlauf gibt es ein paar besondere Kämpfe mit Oberbossen, die für besondere Herausforderungen sorgen.

Neben den Kämpfen müssen wir uns in Denksportaufgaben bewähren. In Der Große Kreis gibt es fast keine komplexen Maschinen, an denen wir lange herumbasteln – in Tomb Raider und Uncharted gehört das ja meist dazu.

Stattdessen gibt es immer wieder kleinere Rätsel, etwa mit Spiegeln und Lichtstrahlen. Wir finden die Herausforderungen fast durchgehend gelungen.

Rätsel und Schwierigkeitsgrade

Außerdem müssen wir als Indiana Jones Gegenstände suchen und bei Auftraggebern vorbeibringen. Das klingt simpel und ist es oft auch, aber es ist schön unterhaltsam verpackt.

Wir treffen interessante Figuren, machen historische (fiktive) Entdeckungen, müssen durch dunkle Gruselhöhlen und Tempel, die seit Jahrhunderten kein Mensch lebendig verlassen hat.

Der Titel Der Große Kreis bezieht sich auf eine ringförmige Anordnung von mythischen Orten rund um die Erde, entsprechend kommen wir mit Indiana und später mit der leider etwas blassen Reporterin Gina als Begleitung gut herum auf der Welt.

Wichtige Orte sind unter anderem die Heimat-Universität von Indiana Jones in den USA, der Vatikan, das Gebiet rund um die Pyramiden von Gizeh in Ägypten und der Himalaya.

Einige (längst nicht alle) Umgebungen sind größer, als wir bei Ankunft vermutet haben. Im Vatikan etwa entdecken wir als Indy im Priestergewand immer neue Innenhöfe, Dächer, unterirdische Keller, Bibliotheken und so weiter. Ein Großteil ist frei begehbar – nicht direkt, aber wenn wir die nötigen Schlüssel gefunden haben.

Die Hauptmissionen schicken uns eine Zeitlang kreuz und quer durch die Vatikanstadt, später können wir dann noch relativ viele Herausforderungen und Nebenaufgaben absolvieren, einige in durchaus nette Geschichtchen verpackt.

Der Umfang der Kampagne liegt bei rund 15 bis 20 Stunden, mit den Zusatzmissionen dürfte geschätzt noch mal so viel dazukommen.

Natürlich hängt das auch von den gewählten Schwierigkeitsstufen ab. Der Plural ist kein Fehler: Indy abenteuert sich in mehreren Herausforderungsgraden durch die Story. Es gibt zwei für die Adventure-Elemente und sogar vier für die Action, zusätzlich können wir individuelle Anpassungen vornehmen.

Wer mag, kann etwa viele Fernkämpfer und mittelgroße Mengen an Nahkämpfern zulassen und dann dafür sorgen, dass Indy bei Treffern wahlweise wenig oder sehr viel Schaden nimmt.

Bei den Adventure-Elementen verändert der Schwierigkeitsgrad nicht die Rätsel an sich, sondern die Art der Hinweise. Auch hier kann man weitergehende Einstellungen vornehmen. Wir haben etwa die Zielmarkierung aktiviert, was uns mit einem meist sichtbaren Symbol zum nächsten Ort geleitet hat.

Das ist allerdings nicht immer sichtbar, so dass wir im Nahbereich dann in jedem Fall noch selbst aktiv suchen müssen. Der Große Kreis ist in diesem Punkt also längst nicht so idiotensicher wie etwa das letzte Dragon Age, was wir sehr positiv finden.

Anzeige

Indiana Jones und der grosse Kreis: Standard Edition (Xbox Series X)

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Technisch macht Indiana Jones und Der Große Kreis einen guten Eindruck. Der Titel basiert auf der id-Tech-Engine, er punktet unter anderem mit schönen Lichteffekten. Immer wieder mal sehen wir Indys Schatten inklusive Schlapphut dramatisch an Wänden und auf dem Boden.

Dazu kommen viele schöne Umgebungen, insbesondere die teils marmorgetäfelten Räumlichkeiten im Vatikan (speziell die Sixtinische Kapelle haben wir, was die Proportionen angeht, von einem Besuch vor vielen Jahren aber kompakter in Erinnerung – im Spiel befindet sich das berühmte Fresko Erschaffung Adams von Michelangelo sehr weit entfernt oben).

Das Programm wirkt sehr ausgereift, uns sind nicht mal kleinere Fehler aufgefallen, Abstürze oder Ruckler (Test auf Xbox Series X) hatten wir schlicht nicht. Details zu den Spezifikationen auf PC und Konsole sind in unserer separaten Meldung zu finden.

Indiana Jones und Der Große Kreis: Verfügbarkeit und Fazit

Indiana Jones und Der Große Kreis erscheint am 9. Dezember 2024 für Xbox Series X/S und Windows-PC, der Preis beträgt rund 70 Euro. Vorbesteller der Premium Edition (rund 100 Euro) können ab dem 6. Dezember 2024 loslegen.

Alternativ gibt es das Spiel ab dem 9. Dezember 2024 in den Spieleabos PC Game Pass (rund 12 Euro/Monat) und Xbox Game Pass Ultimate (rund 18 Euro/Monat).

Eine Version für die Playstation 5 soll im Frühjahr 2025 folgen, bislang gibt es keinen konkreten Termin.

Das Spiel bietet eine sehr gute deutsche Sprachausgabe, die deutsche Stimme von Indiana Jones klingt trotz neuem Sprecher (Florian Clyde statt Wolfgang Pampel) wie in den Kinofilmen.

Mikrotransaktionen und Multiplayer sind nicht enthalten, irgendwann später soll eine Erweiterung namens The Order of Giants erscheinen. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahre erteilt.

Fazit

Wie schön, dass Indiana Jones auf seine alten Tage noch so ein tolles Spiel bekommt! Uns hat Der Große Kreis fast von Anfang an gepackt und dann über viele Stunden nicht mehr losgelassen. Atmosphäre, Handlung, Rätsel, Bedienung – für uns stimmt hier nahezu alles.

Hervorheben möchten wir die gelungene Mischung aus Denksportaufgaben und Kämpfen. Wir sind ohne große Probleme durch die spannende Handlung gekommen und haben uns durchgehend abwechslungsreich unterhalten und beschäftigt gefühlt, also weder unter- noch überfordert. Der "Nur noch fünf Minuten"-Effekt stellte sich für ein Spiel dieser Art überraschend stark ein.

Dazu kommt eine schöne, teils erstaunlich offene Welt. Insbesondere einige Abschnitte im Vatikan sowie die sehr authentisch wirkenden Anlagen rund um die Pyramiden von Gizeh sind Hingucker.

Anzeige

Indiana Jones und der grosse Kreis: Standard Edition (Xbox Series X)

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Die Handlung erzählt trotz aller Übertreibungen und Erfindungen eine ernst zu nehmende Geschichte mit glaubwürdigen Figuren. Natürlich gibt es auch Ironie und Humor, und die Schurken rund um Voss sind natürlich krass überzeichnet. Aber eben keine Witzfiguren – sondern ernsthaft böse Gegner, die wir zusammen mit Indy stoppen wollen.

Eher keine Empfehlung ist dieses Abenteuer nur für Gamer, die hohes Tempo und knallige bis schräge Effekte möchten. Das will dieses Spiel offensichtlich gar nicht bieten, stellenweise geht es recht ruhig zu. Für alle anderen, insbesondere natürlich für Fans von Indiana Jones, ist Der Große Kreis ein echtes Highlight.


Relevante Themen