In Zahlen: Wie gefährlich sind Asteroiden für die Erde tatsächlich?
In den Schlagzeilen ist oft die Rede von gefährlich großen Asteroiden, die der Erde nahekommen. Es sind Gesteinsbrocken, die bei der Entstehung unseres Sonnensystems übrig geblieben sind. Etwa eine halbe Milliarde Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als vier Metern umkreisen die Sonne und bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Kilometern pro Sekunde durch unser Sonnensystem – das entspricht in etwa der Geschwindigkeit der Erde.
Doch wie hoch sind die Risiken in Zahlen ausgedrückt? Wie viele Asteroiden treffen die Erde und wie viele werden voraussichtlich an uns vorbeiziehen?
Es gibt viel mehr kleine als große Asteroiden, und kleine Asteroiden verursachen viel weniger Schaden als große Asteroiden. Daher kommt es auf der Erde häufig zu Kollisionen mit kleinen Asteroiden, die jedoch nur geringe Auswirkungen haben. In den meisten Fällen zerbrechen die kleinsten Asteroiden, wenn sie auf die Erdatmosphäre treffen, und erreichen nicht einmal die Erdoberfläche.
Kleine und große Asteroiden – und wie wahrscheinlich ein Einschlag ist
Wenn ein kleiner Asteroid oder Meteoroid (ein Objekt, das kleiner als ein Asteroid ist) auf die Erdatmosphäre trifft, erzeugt er einen spektakulären Feuerball – eine sehr lang anhaltende und helle Version einer Sternschnuppe oder eines Meteors. Die Teile des Himmelskörpers, die nicht in der Atmosphäre vergehen und auf die Erde treffen, werden schließlich als Meteoriten bezeichnet. Auch wenn die meisten kleinen Meteoriten keinen zerstörerischen Einfluss auf die Erde haben: Selbst ein vier Meter großes Objekt, das sich mit einer relativen Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Sekunde fortbewegt, hat eine gewaltige Wirkung.
Viel seltener sind Zusammenstöße mit großen Asteroiden, die jedoch große Auswirkungen haben. Vor etwa 65 Millionen Jahren wurde das Leben auf der Erde fast komplett ausgelöscht – und das durch den wahrscheinlichen Einschlag eines großen Asteroiden. Die meisten Dinosaurier wurden dabei ausgelöscht.
Die obige Grafik von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa stellt die verschiedenen Asteroiden und ihre allgemeinen Risiken zusammen. Zudem zeigt sie, wie viele Asteroiden die Erde statistisch gesehen wie häufig treffen. Vermutlich wird die Erde einmal im Jahr von einem Asteroiden mit einem Durchmesser von bis zu vier Metern getroffen. Himmelskörper mit einer Größe von bis zu 25 Metern treffen die Erde bereits nur alle 100 Jahre. Der Einschlag eines 140 Meter großen Asteroiden wird wohl nur alle 20.000 Jahre erfolgen, der eines 1.000 Meter großen Asteroiden nur alle 500.000 Jahre und ein 10.000 Meter großer Asteroid wird die Erde vermutlich nur alle 100 bis 200 Millionen Jahre treffen.
Es gibt viele Asteroiden, doch nur die erdnahen Objekte könnten eine Bedrohung sein
Tatsächlich nähern sich einige Asteroiden der Erde und fallen damit unter die Kategorie der erdnahen Objekte NEO (near-earth objects). Diese Himmelskörper bewegen sich meistens im Bereich der inneren Planeten (Merkur, Venus, Erde und Mars). Doch das können einige Tausend Kilometer sein – ein ziemlich großer Abstand für ein relativ kleines Objekt. Astronomen betrachten alles, was näher als der Mond ist (circa 300.000 km), als nahe Annäherung. Für die astronomische Fachwelt ist nah im Allgemeinen nicht das, was ein Laie als nah bezeichnen würde.
Die meisten Objekte in Medienberichten sind von der Erde jedoch noch viel weiter als 300.000 Kilometer entfernt. Im Jahr 2022(öffnet im neuen Fenster) gab es 126 nahe Annäherungen und im Jahr 2023(öffnet im neuen Fenster) waren es bisher 50. Für das Jahr 2029 wird der Vorbeiflug eines NEO mit einem Durchmesser von schätzungsweise 700 bis 1.500 Metern erwartet. Der Asteroid 153814 (2001 WN5)(öffnet im neuen Fenster) soll in einer Entfernung von etwa 248.700 Kilometern an der Erde vorbeifliegen.
Bedrohung nur halb so schlimm
Schätzungsweise 95 Prozent der Asteroiden mit einer Größe von mehr als einem Kilometer wurden bereits entdeckt – das sind immerhin über 1,299 Millionen Asteroiden. Zudem wird der Himmel ständig nach den restlichen 5 Prozent abgesucht(öffnet im neuen Fenster) . Wenn ein neuer Asteroid gefunden wird, führen die Astronomen umfangreiche Beobachtungen durch, um eine mögliche Bedrohung für die Erde zu ermitteln.
Die Torino-Skala kategorisiert die voraussichtlichen Bedrohungen bis zu 100 Jahre in die Zukunft. Dabei werden die Asteroiden in einer Skala von 0 (keine Gefahr) bis 10 (sicherer Zusammenstoß mit einem großen Objekt) eingeteilt. Derzeit haben alle bekannten Objekte eine Bewertung von null. Kein bisher bekanntes Objekt hat eine Bewertung über 4 (eine nahe Begegnung, die die Aufmerksamkeit der Astronomen verdient).
Mittlerweile werden auch Möglichkeiten zur Asteroiden-Umlenkung oder -Abwehr erprobt. Allen voran die Dart-Mission der Nasa (Double Asteroid Redirection Test, doppelter Asteroiden-Umleitungstest). Hierbei schlug die Raumsonde am 22. September 2022 erfolgreich auf den Asteroiden Dimorphos vom Doppel-Asteroidensystem Didymos ein und konnte damit seine Umlaufbahn verändertn. Jedoch ist dies nur ein Anfang und könnte bei einer tatsächlichen Gefahr – die uns lange noch nicht bevorsteht – kaum eine Hilfe sein.
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