In einigen Jahren: Elon Musk erwartet Rechenzentren im All mit 1 Terawatt
Elon Musk hat im Podcast Cheeky Pint über seine Erwartungen bezüglich KI-Rechenzentren im All gesprochen(öffnet im neuen Fenster). In weniger als drei Jahren, so Musk, werde es günstiger sein, dort ein Rechenzentrum zu bauen als auf der Erde. In fünf Jahren rechnet er mit einem Zubau von mehreren Hundert Gigawatt jährlich, dafür seien rund 10.000 Starts des Starship erforderlich. Bis zu 1 Terawatt pro Jahr hält Musk für machbar, dann werde es schwierig, Treibstoff zu bekommen.
Die Hosts Dwarkesh Patel und Stripe-Mitgründer John Collison fragten hier kritisch nach. Auf Patels Frage, wo denn die Chips herkommen sollen, die sich mit so viel Energie betreiben ließen, antwortete Musk: "Ich denke, wir werden einige sehr große Halbleiterfabriken brauchen". Wer die bauen soll, wird nicht ganz klar, Musk scheint sie aber grundsätzlich selbst bauen zu wollen, wie bereits einmal erwähnt.
Er sagte, dass das auch ohne einen Partner wie TSMC funktionieren könne. Wichtiger seien die Maschinen, den Rest werde man schon austüfteln. Er glaube nicht, dass es dafür einen Doktorgrad brauche. Patel und Collison hätten schließlich auch keinen und dennoch einiges geschafft.
Auf der Erde dauert alles zu lange
Musks Kernargument und das anderer Befürworter von Rechenzentren im All ist, dass dort die Energieversorgung einfacher und günstiger sei. Musk betonte das mehrmals, durch ein Verlassen der Erde lasse sich zudem mehr Sonnenenergie nutzen als auf der Erde allein.
Auf einer sonnensynchronen Umlaufbahn(öffnet im neuen Fenster) können Satelliten permanent durch Solarzellen mit Strom versorgt werden, mit höherer Ausbeute als auf der Erde und ohne Bedarf für Stromspeicher. Laut Musk lässt sich auf der Erde nicht so viel Energie bereitstellen, wie er an Rechenzentrumskapazität plant. Gasturbinen seien auf Jahre ausverkauft.
Auf Patels Nachfrage, warum die Solarzellen nicht einfach auf der Erde installiert werden können, nannte Musk Donald Trumps "gigantische" Zölle als Problem. Die würden den Import von Modulen aus China verteuern. Musk sprach aber noch einen anderen Punkt an: Der Bauprozess auf der Erde dauere ihm schlicht zu lang. Im All hingegen müsse weder Land gekauft noch eine Baugenehmigung eingeholt werden.
Doch Musks Prognose beruht auf optimistischen Angaben.
Der Autor meint: Musks Träume sind abgehoben, Rechenzentren bleiben am Boden
Um sich vor Augen zu führen, wie abgehoben Musks Aussagen sind, lohnt ein Blick auf die Zahlen: 2025 hat SpaceX 167 Raketen gestartet(öffnet im neuen Fenster), innerhalb von fünf Jahren soll diese Zahl nach Musks Vorstellung auf das 61-fache steigen. Die Anzahl der Starts ist in den vergangenen Jahren zwar konstant gestiegen, die Steigerungsrate mit jedem Jahr aber zurückgegangen: 2023 starteten im Vergleich zum Vorjahr 57 Prozent mehr Raketen, 2024 40 Prozent mehr, 2025 lag die Steigerung bei 23 Prozent.
In absoluten Zahlen lag das Plus über die vergangenen vier Jahre zwischen 31 und 38 zusätzlichen Starts pro Jahr. Größter Kunde ist übrigens Starlink, für das Starship soll x.AI dessen Rolle übernehmen.
Um in fünf Jahren auf 10.000 Starts zu kommen, wäre eine jährliche Steigerung der Startzahlen um rund 228 Prozent erforderlich. Zusätzlich soll die Flüge ein Raumschiff absolvieren, das bislang lediglich einen erfolgreichen Start vorweisen kann und noch nie wiederverwendet wurde. Elon Musk geht jedoch bereits davon aus, ein gelandetes Starship binnen 30 Stunden für den nächsten Start vorbereiten zu können.
Ein Starship ist eigentlich nur ein Flugzeug?
Er zieht hier den Vergleich zu Flugzeugen, die noch häufiger starten. Doch die müssen nicht nach jeder Landung umfangreich gewartet werden, die Belastungen der Komponenten und damit die Austauschzyklen sind geringer. Wie die erforderliche Infrastruktur skaliert werden soll, erklärte Musk nicht.
Auch hier ergeben sich die gleichen Engpässe, die Musk etwa bei Gasturbinen nannte: SpaceX ist auf Lieferketten angewiesen, die sich nicht so schnell skalieren lassen, wie Musk es gern hätte. Musk sieht nur das Ende, das ihn betrifft.
Die Rechnung ist zu optimistisch
Ohne die enorme Skalierung der Startzahlen, durch die Frachtkosten deutlich sinken könnten, geht die Rechnung zum Kostenvorteil der Weltraumrechenzentren nicht auf. Hinzu kommen ungelöste Probleme wie Kühlung oder die immense Größe von Rechenzentren im All.
Die Weltraumrechenzentren sind für Musk eigentlich nur Mittel zum Zweck, wie Patel herausstellte: Sie sollen die vielen Starts wirtschaftlich möglich machen, die für Musks Traum von der Besiedelung des Mars erforderlich sind.
Und auch wenn für das Platzieren von Rechenzentren im All aktuell keine Genehmigung erforderlich ist – Musk braucht die für den Bau von Startrampen und Raketenstarts. Seine Vorstellungen sind zudem oft näher an Science-Fiction als an aktuell realistischer Technik, etwa wenn er sich vorstellt, wie ein Massentreiber(öffnet im neuen Fenster) auf dem Mond einen KI-Satelliten nach dem anderen startet.
Der reine Fokus auf die Energieversorgung verdeckt die wahren Herausforderungen von Weltraumrechenzentren. Die werden die hochfliegenden Pläne in der Praxis unweigerlich auf den Boden der Tatsachen holen – was bei Musk nicht das erste Mal wäre.
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