In eigener Sache: Golem.de führt kostenpflichtige Links ein

Da das europäische Leistungsschutzrecht zu scheitern droht, müssen Medien andere Einnahmequellen finden. Golem.de schafft daher die kostenlose Verlinkung von Inhalten ab. Allerdings bieten wir Möglichkeiten an, weiterhin ohne Gebühr Links anzuklicken.

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Golem.de führt kostenpflichtige Links ein.
Golem.de führt kostenpflichtige Links ein. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Droht das Vermächtnis des früheren EU-Digitalkommissars Günther Oettinger an uneinsichtigen EU-Abgeordneten zu scheitern? Derzeit sieht es so aus, als werde das von ihm mit viel Herzblut verteidigte europäische Leistungsschutzrecht für Presseverleger keine Mehrheit im EU-Parlament finden. Wie seit Jahren gewohnt, werden Suchmaschinen wie Google auch künftig an den Links auf qualitativ hochwertige Medienprodukte verdienen, ohne dafür zu bezahlen. Aus diesem Grund sieht Golem.de sich gezwungen, langfristig neue Einnahmequellen zu erschließen.

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Anlässlich des 20-jährigen Bestehens von Golem.de am 23. Juni 2017 wird daher eine jahrzehntelange Tradition beendet. Seit den Anfängen des WWW verschenken Medien nicht nur ihre Inhalte an die Leser, sondern liefern gratis zusätzliche Dienste. Dazu gehört auch, auf Originalquellen und wichtige Hintergrundberichte zu verlinken. Falls sich der Leser dafür interessiert, spart er viel Zeit an eigener Recherche. Warum sollen Medien diese Leistung verschenken?

Faires Zahlungsmodell: Golem Link

Golem.de macht diesen Service daher kostenpflichtig. Dazu haben wir uns ein ausgewogenes und faires Zahlungsmodell überlegt. Von Juni an werden die URLs zu externen verlinkten Inhalten grundsätzlich obfuskiert. Wenn ein Leser die Verlinkung nutzen will, kann er sich bei unserem neuen Dienst Linkerpay anmelden. Dabei kann man beispielsweise ein monatliches Abo abschließen: Golem Link. Für fünf Euro im Monat dürfen Leser so viele Links anklicken, wie sie wollen. Ebenfalls soll es die Möglichkeit geben, ein bestehendes Golem-Pur-Abo für zwei Euro zusätzlich im Monat auf ein sogenanntes Golem-Total-Abo hochzustufen.

Neben der Monatspauschale gibt es auch ein Prepaid-Modell. Hierbei können Benutzer ein Guthaben freigeben, das in einem unbegrenzten Zeitraum weggeklickt werden kann. Pro externem Link fallen dabei fünf Cent an. Das Besondere an dem Modell: Links auf interne Artikel werden dem Konto mit einem Cent gutgeschrieben. Das heißt, wer regelmäßig und intensiv Golem.de-Artikel anklickt, kann kostenlos auch andere Seiten aufrufen. Allerdings gibt es keinen Anspruch auf Auszahlung eines Klickguthabens. Zudem ist es nicht übertragbar.

Linkpatenschaften möglich

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Nach reiflichem Überlegen haben wir uns außerdem dazu entschieden, nicht nur unsere Nutzer für die Verlinkung zahlen zu lassen. Firmen, Behörden oder Verbände, auf die Golem.de häufig verlinkt, können Linkpatenschaften übernehmen. Sie können ein Budget freischalten, in dessen Rahmen die Golem.de-Leser kostenlos Links anklicken können. Wenn Suchmaschinen wie Google oder Bing mit Sponsored Links Geld verdienen können, wollen wir das auch tun. Was unsere Links so wertvoll macht: Sie führen genau zu den Inhalten, die die Leser wirklich interessieren.

In Brüsseler Parlamentskreisen wurden die Pläne mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen. "Wir finden es auf der einen Seite gut, dass das europäische Leistungsschutzrecht hoffentlich nicht kommen wird", sagte eine Abgeordnete, die wegen der laufenden Verhandlungen zur Urheberrechtsreform nicht namentlich genannt werden wollte. Wenn nun Medien ihre Links selbst kostenpflichtig machten, sei das allerdings nicht im Interesse der Verbraucher, gab sie zu bedenken. Zudem sei zu befürchten, dass die Nutzer nun vermehrt auf Suchmaschinen ausweichen würden, um Geld zu sparen und die Links selbst zu finden. "Es ist wie beim Leistungsschutzrecht: Am Ende gewinnt immer nur Google", sagte die Abgeordnete.

Verlage sind skeptisch

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) war für eine Anfrage zunächst nicht zu erreichen. "Den Verlagen gehen damit immense Reichweiten und Werbeeinnahmen verloren", hieß es jedoch in einem automatisierten Antwortschreiben auf unsere Mail. Verlage, die an der VG Media beteiligt sind, äußerten sich unter der Hand kritisch. Sollte sich das Modell von Golem.de durchsetzen, wolle man sich auf deutscher oder europäischer Ebene dafür einsetzen, dass die Medien an den Einnahmen der kostenpflichtigen Links beteiligt würden. Das Leistungsschutzrecht müsse so erweitert werden, dass es keinem Unternehmen möglich sei, an einer Verlinkung auf urheberrechtlich geschützte Inhalte zu verdienen, ohne die Rechteinhaber an den Einnahmen zu beteiligen. Einem EuGH-Urteil zufolge können Hyperlinks bislang ohne Zustimmung der Rechteinhaber gesetzt werden.

Da allerdings die bisherigen Pläne von Oettinger schon am Widerstand von EU-Abgeordneten und Mitgliedstaaten scheitern dürften, ist mit einem zusätzlich erweiterten Leistungsschutzrecht wohl nicht zu rechnen. Golem.de schließt aber nicht aus, bis zum Start des Projekts im Juni mit anderen Verlagen für Linkerpay zu kooperieren und Artikel untereinander kostenlos zu verlinken. Entscheidend dafür ist, auch in den kommenden 20 Jahren noch qualitativ hochwertigen Journalismus liefern zu können, ohne unsere Inhalte hinter einer Bezahlschranke zu verstecken.

Nachtrag vom 2. April 2017

April! April!



dark_matter 09. Apr 2017

Vielleicht ist das ja eine Lösung: https://www.mozilla.org/en-US/technology...

Neuro-Chef 03. Apr 2017

+1

Dwalinn 03. Apr 2017

Gab diesmal aber 2 :)

YoungManKlaus 03. Apr 2017

... am 23. Juni macht Golem dann mit der Begründung "wir habens eh angekündigt und es gab...

ikso 02. Apr 2017

Vielleicht gehört ja auch mal diese Medienlandschaft ausgemistet, wofür braucht es 1000...



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