Zum Hauptinhalt Zur Navigation

In-Car-Gaming: Spielhalle mit Rädern

Immer mehr Autohersteller bieten Spiele im Auto an. Das Angebot reicht vom Quiz bis zu Endless-Runner-Games. Auch bei der Spielsteuerung herrscht Vielfalt.
/ Dirk Kunde
17 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Familienspaß während der Ladepause: mit dem Smartphone gemeinsam eine Runde Uno im Auto spielen (Bild: BMW)
Familienspaß während der Ladepause: mit dem Smartphone gemeinsam eine Runde Uno im Auto spielen Bild: BMW

Mit dem Finger auf dem zentralen Bildschirm steuert man den Affen auf seiner Reise durch die Kanalisation. Auf ihrem Weg müssen Spieler Gegenstände einsammeln und Hindernissen ausweichen. Das Endless-Runner-Game Dookey Dash: Unclogged ist der jüngste Zugang im BMW-App-Store. Es stammt von Yuga Labs, den Schöpfern des Bored App Yacht Clubs (BAYC).

Während die Steuerung der Spielfigur auf dem Smartphone gut funktioniert, ist es mit ausgestrecktem Arm und Finger auf dem Fahrzeugbildschirm etwas schwieriger, den richtigen Weg zu erwischen. BMW bietet mit Air Console bei anderen Spielen eine Alternative.

Das Unternehmen N-Dream aus Zürich nutzt Smartphones als Controller. Bis zu sieben Spieler können im Auto während der Ladepause eine Runde Wer wird Millionär oder Uno spielen, Schiffe versenken oder mit einem Strandbuggy Rennen fahren. Per QR-Code oder einer sechsstelligen Zahl stellt man eine Verbindung zwischen Smartphone und Spielgeschehen auf dem Monitor her.

"Man benötigt eine Datenverbindung mit dem Smartphone," sagt Rutger Besterveld, Produktmanager In Car Gaming bei BMW. Je besser die Mobilfunkverbindung, desto geringer die Latenz im Spielgeschehen. Beim Strandrennen oder Neighbours, einem Angry-Bird-Klon, macht das den Unterschied zwischen Spielspaß und Spielfrust.

Kein Apple- oder Google-App-Store

Spielen im Auto wird nach Konsole und Smartphone eine weitere Option. Vor allem in E-Autos hat man mit den Ladestopps regelmäßig Zeit, die sich mit einem Spiel überbrücken lässt.

Audi, BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz, Porsche und Tesla bieten in ihren Fahrzeugen Spiele an. Was sie alle eint: Gespielt wird aus Sicherheitsgründen nur in geparkten Fahrzeugen. Bei der Auswahl der Apps setzen die Anbieter nicht zwingend auf die beiden Anbieter Google und Apple. BMW nutzt den App-Store des Automobilzulieferers Faurecia.

Etliche Hersteller wollen sich bei den Themen Konnektivität und Vernetzung nicht in die Abhängigkeit der US-Unternehmen begeben. Darum existiert ein Zusammenschluss für Connected Vehicle Systems unter dem Namen Covesa. Hier fanden BMW und Faurecia zueinander.

Der französische Zulieferer hat seine Entwicklungsarbeit beim Tochterunternehmen Faurecia Aptoide mit Sitz in Lissabon gebündelt. Neben BMW nutzen auch Mini, Mercedes-Benz, Dacia, Smart und Lotus den White Label App-Store von Faurecia Aptoide. Aktuell sind es rund 20 Automarken. Bis Ende kommenden Jahres sollen 20 Millionen Fahrzeuge mit dem App-Store ausgestattet sein.

Tesla: Kabellose Controller mitbringen

"Wir sorgen für Sicherheit auf der Seite der Fahrzeughersteller und für eine große Verbreitung für Spiele-Entwickler," sagt Sérgio Sousa von Faurecia Aptoide zum Ansatz des Zulieferers. Die Spiele werden vorab geprüft, so dass sie auf keine Fahrzeugfunktionen zugreifen und keine Hintertüren enthalten. Faurecia Aptoide bietet demnächst auch die Abwicklung von In-App-Zahlungen an.

Das ist allerdings erst der zweite Schritt für BMW. Zunächst sind die Spiele neben erweiterter Navigation und Sprachassistenz Teil des BMW Premium Digital Abos für 9,98 Euro pro Monat oder 99 Euro pro Jahr. Aktuell werden 60 Apps in fünf Kategorien angeboten. Da sind neben Spielen auch Nachrichten-, Audio-, Reise- und Routenplanungs-Apps dabei.

Der App-Store ist in allen BMW-Modellen mit dem Betriebssystem OS 9 verfügbar. Langfristig stellt Rutger Besterveld in Aussicht, dass Spieler ihre kabellosen Konsolen-Controller mit ins Auto nehmen können und so die Spielfiguren steuern.

Bei Tesla funktioniert das bereits heute. Bis zu zwei Controller können gleichzeitig per Bluetooth mit dem Model 3 verbunden werden. Bei Modellen vor November 2011 kann man allerdings nur Controller mit Kabel und USB-Anschluss verwenden. Aktuell stehen über ein Dutzend Spiele von Castle Doombad Classic und Beach Bugy Racing bis Vampire Survivors und Fallout Shelter zur Auswahl.

Das Rennen im Strandbuggy ist im Auto sehr beliebt. Ein derartiges Rennspiel findet man auch im App-Store von Audi. Auch die Ingolstädter machen einen Bogen um die App-Stores von Apple und Google. Cariad hat als Konzern-Software-Tochter einen App-Store programmiert. Allerdings liegt die Auswahl der Apps bei der jeweiligen Marke - hier hat Audi das letzte Wort.

Neben diesen Spielen, die man auf dem mittleren Bildschirm im Fahrzeug spielt, bietet Audi bei seinen E-Autos der PPE-Plattform (Q6 und A6 e-Tron) eine weitere Spielalternative. Auf dem Fahrersitz kann man mit der Projektion des Head-up-Displays spielen. Zur Auswahl stehen 3D-Squash und Spaceshuttle.

Bei Letzterem lenkt man ein Raumschiff mithilfe der Schaltwippen am Lenkrad durch das Weltall. Ein neues Bedienkonzept, das zunächst begeistert. Doch ist das Spiel so einfach gehalten, dass man es vermutlich nur zwei-, dreimal spielen wird.

Die Autohersteller setzen im ersten Schritt vor allem auf Casual Games, die man nicht länger als zehn Minuten spielt. "Im zweiten Schritt werden wir sicherlich auch komplexere Spiele hinzufügen," sagt Besterveld von BMW.

VW: Hätten Sie es gewusst?

Volkswagen hat sich bei seinen ID-Modellen wie BMW für Air Console entschieden. Ab Softwareversion 5.0 sind die Spiele Teil des Infotainmentsystems im ID 3 bis 7. Aber auch die neuen Golf-, Tiguan- und Passat-Modelle bekommen das Spieleangebot im Laufe des Jahres im Infotainmentsystem.

Neben den Casual Games wie Beach Bugy setzt man bei Volkswagen mit Trivia Crack auf ein beliebtes Quiz-Format. Seit 2013 bietet Etermax das Wissensspiel an. Inzwischen ist es in 180 Ländern als Brettspiel sowie auf sämtlichen Plattformen verfügbar. Im Auto können bis zu fünf Spieler ihr Wissen gegeneinander testen.

Mercedes-Benz kooperiert mit Boosteroid

Mercedes-Benz setzt beim Spielen im Auto auf ein Online-Cloudangebot. Im Laufe des Jahres 2025 kommt die Boosteroid-App in Fahrzeuge mit der dritten Generation des MBUX Infotainment Systems. Dann können Halter über das kostenpflichtige Angebot Entertainment Package Plus Spiele freischalten.

Der große Vorteil der Cloudlösung ist, dass Spiele nicht nur auf bestimmten Endgeräten oder Plattformen gespielt werden können. Das Unternehmen Boosteroid aus Austin in Texas bietet über 1.000 Spieletitel in seiner Cloud, darunter auch Titel wie Fortnite und Sea of Thieves. Mercedes-Benz plant, dass Gamer ihre Smartphones als auch Konsolen-Controller zur Spielsteuerung nutzen können.

Porsche noch zurückhaltend

Porsche nutzt wie Audi für den elektrischen Macan den App-Store von Cariad. Allerdings ist die Spieleauswahl bislang auf Beach Bugy Racing begrenzt. "Wir sehen hier viel Potenzial und schauen uns die Erweiterung des Spieleangebots genau an," sagt ein Porsche-Sprecher.

Dabei blickt die Sportwagenmarke über den deutschen Tellerrand. Insbesondere in Asien sei die Nachfrage hoch und die Verkehrssituation oft so, dass ein Fahrzeug steht und die Insassen spielen könnten. Die Gamer-Generation hat Porsche außerhalb des Autos bereits fest im Blick.

Bei dem Ego-Shooter Overwatch 2 gibt es für die Heldin D.Va einen von Porsche inspirierten Skin. D.Va begleitet ein roboterartiger Mech, der Designelemente vom Macan aufgreift wie beispielsweise seine flache obere Lichteinheit oder das Vier-Punkte-Tagfahrlicht. Allerdings lässt sich Overwatch in keinem Fahrzeug spielen, dazu benötigt man einen PC, Xbox, Playstation oder eine Nintendo Switch.

BMW umgarnt die Gamer-Community oder besser die Mitglieder des Bored Ape Yacht Clubs mit einem eigenen Apecar. Wem es der Affe als digitales Kunstwerk oder als Spielheld aus Dookey Dash angetan hat, kann ein BMW M2 Coupé mit Spezial-Folierung bekommen. Die gesamte Außenseite besteht aus stilisierten Affen.

Offenlegung: Die Kosten für die Reise nach Lissabon hat BMW übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.


Relevante Themen