Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Importzölle auf Elektroautos: Tesla kündigt Preiserhöhung für Model 3 an

Wie wirken sich die geplanten Importzölle auf Elektroautos aus China auf die einzelnen Hersteller und Modelle aus? Wir haben bei den Herstellern nachgefragt.
/ Friedhelm Greis
54 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Tesla erwartet eine Preiserhöhung für das Model 3. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Tesla erwartet eine Preiserhöhung für das Model 3. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Die geplanten Importzölle auf Elektroautos aus chinesischer Produktion dürften sich je nach Anbieter unterschiedlich auswirken. Während der US-Hersteller Tesla ankündigte, dass sich der Preis für das in China produzierte Model 3 voraussichtlich erhöhen wird, verwiesen Hersteller wie Volvo und Polestar auf Anfrage von Golem.de auf neue Produktionsstätten für E-Autos in Europa, den USA und Korea. Deutsche Hersteller wie BMW verkaufen hierzulande noch mehr Elektroautos aus chinesischer Produktion als Anbieter wie BYD oder Nio.

Die EU-Kommission kündigte am 12. Juni 2024 an , je nach Anbieter die Einfuhrzölle auf chinesische Elektroautos auf bis zu 38,1 Prozent erhöhen zu wollen. Das betrifft jedoch nicht nur chinesische Hersteller wie BYD, Nio, Great Wall Motor, Geely oder SAIC, sondern auch europäische oder US-amerikanische Autokonzerne wie VW, BMW und Tesla, die in China produzierte Autos nach Europa importieren.

China will vor der WTO klagen

Den Plänen zufolge sollen die Zölle je nach Hersteller sehr unterschiedlich ausfallen. Auf Autos des Herstellers BYD soll ein Zoll von 17,4 Prozent erhoben werden, auf Autos von Geely 20 Prozent und auf die von SAIC 38,1 Prozent. Für weitere Hersteller, die bei einer Untersuchung der Kommission kooperieren, ist ein gewichteter Durchschnitt von 21 Prozent vorgesehen, darunter auch BMW und Tesla. Produkte von Unternehmen, die nicht kooperieren, sollen mit einem Zoll in Höhe von 38,1 Prozent belegt werden. Dazu hat die Kommission inzwischen eine vorläufige Liste veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) .

Ob die Zölle tatsächlich in dieser Form erhoben werden, steht jedoch noch nicht fest. Die EU-Kommission verwies darauf, dass mit China noch eine andere Lösung gefunden werden könnte. Das erscheint derzeit eher unwahrscheinlich. Denn das Land drohte am Tag nach der Ankündigung mit einer Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO). China werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen chinesischer Unternehmen entschieden zu verteidigen" , sagte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums.

Tesla rechnet mit Preiserhöhung

Die Reaktionen der Hersteller fielen unterschiedlich aus. Tesla veröffentlichte bereits einen Hinweis auf der Internetseite zum Model 3(öffnet im neuen Fenster) , in dem es hieß: "Wir gehen davon aus, dass wir die Preise für das Model 3 ab dem 1. Juli 2024 erhöhen müssen. Grund dafür sind zusätzliche Einfuhrzölle, die wahrscheinlich auf alle in China hergestellten und in der EU verkauften Elektrofahrzeuge erhoben werden."

Tesla konnte auf Nachfrage keine Angaben dazu machen, wie hoch der Zusatzzoll auf das Model 3 ausfallen wird. Die EU-Kommission teilte dazu mit, dass Tesla einen begründeten Antrag gestellt habe, auf dessen Basis "im Rahmen der endgültigen Sachaufklärung ein unternehmensspezifischer Zollsatz festgesetzt werden könnte" . Das bedeutet, dass für Tesla möglicherweise nicht der gewichtete Durchschnitt von 21 Prozent angewendet wird.

Der Hersteller Nio teilte auf Anfrage mit: "Wir wenden uns entschieden gegen den Einsatz erhöhter Zölle als Strategie, um den normalen globalen Handel mit Elektrofahrzeugen zu behindern. Dieser Ansatz behindert den globalen Umweltschutz, die Emissionsreduzierung und die nachhaltige Entwicklung eher, als dass er sie fördert." Dennoch halte Nio an seinem Engagement auf dem europäischen Markt "unerschütterlich" fest. "Wir werden die Situation genau beobachten und Entscheidungen treffen, die im besten Interesse unseres Unternehmens liegen" , hieß es weiter.

Weniger Probleme sieht hingegen Volvo; das Unternehmen gehört zum chinesischen Konzern Geely.

Volvo EX30 wird in Belgien produziert

Ein Sprecher verwies auf Anfrage von Golem.de darauf, dass der Kompaktwagen EX30 ab dem Jahr 2025 in Belgien produziert werde. Das große Elektro-SUV EX90 laufe hingegen in den USA vom Band. Daher könnte der Hersteller vermutlich nur in diesem Jahr von den neuen Zöllen betroffen sein, da der EX30 derzeit noch aus China importiert werde.

Ähnlich äußerte sich Polestar auf Anfrage von Golem.de. "Wir haben bereits angekündigt, dass der Polestar 3 ebenfalls in den USA produziert wird, die Produktion startet hier diesen Sommer" , sagte eine Sprecherin und fügte hinzu: "Zukünftig wird der Polestar 4 auch in Südkorea, in dem Renault-Werk, produziert werden."

Bislang verkauft das Unternehmen, das ebenfalls zu Geely gehört, in Deutschland nur den Polestar 2, der in China produziert wird. Dazu sagte die Sprecherin: "Alles was wir derzeit sagen können, ist, dass wir die Ankündigungen der Europäischen Kommission derzeit natürlich beobachten, aber es verfrüht wäre, über das endgültige Ergebnis zu spekulieren. Insofern werden wir alle weiteren Maßnahmen erst zu gegebener Zeit kommunizieren."

MG mit höchsten Verkaufszahlen

Mit Blick auf die Verkaufszahlen und die Höhe der Strafzölle dürfte MG am meisten unter dem Vorgehen der EU leiden. Die Marke gehört zum Hersteller SAIC, der bei der Wettbewerbsuntersuchung offenbar nicht mit der EU-Kommission kooperierte. Da MG Roewe mit dem MG4 und MG5 eher günstigere Elektroautos anbietet, dürfte eine Preiserhöhung von 38,1 Prozent in diesem Segment viele Käufer abschrecken. Mit mehr als 6.000 neu zugelassenen Elektroautos in diesem Jahr ist MG der erfolgreichste chinesische Anbieter in Deutschland.

Allerdings ergab eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Rhodium im April 2024 , dass chinesische Hersteller ihre Elektroautos teilweise mit hohen Aufschlägen in Europa verkaufen.

Die Höhe der Strafzölle würde sich demnach unterschiedlich auf die Rentabilität von chinesischen Autoexporten nach Europa auswirken. So würde sich der Export des Tesla Model 3 und des BMW iX3 schon bei einem Aufschlag von 15 Prozent nicht mehr rentieren. Bei Strafzöllen von 30 Prozent wäre der Verkauf des Nio ET7, des Nio ET5 sowie des BYD Seal in Europa unrentabel.

Andere Modelle, wie der Ora 03 (früher Funky Cat), der MG4 und MG5 sowie die BYD-Modelle Seal U, Dolphin, Tang, Han und Atto 3 ließen sich aber weiterhin mit einer gewissen Gewinnspanne verkaufen. "Zölle in der Größenordnung von 40 bis 50 Prozent – für vertikal integrierte Hersteller wie BYD wahrscheinlich sogar noch höher – wären wahrscheinlich notwendig, um den europäischen Markt für chinesische Elektroautoexporteure unattraktiv zu machen" , heißt es in der Schlussfolgerung.

Das Beratungsunternehmen rechnete vor, dass der Seal U Comfort in China umgerechnet 21.769 Euro koste, während BYD dafür in Deutschland 41.990 Euro verlange. Das entspreche einem Zuwachs von 92,9 Prozent. Beim Atto 3 Comfort liege der deutsche Preis sogar um 112 Prozent über dem chinesischen.

BMW verkauft mehr chinesische E-Autos als BYD

BYD dürfte den zusätzlichen Zoll in Höhe von 17,4 Prozent daher wohl gut verkraften können. Das Unternehmen glänzt allerdings noch nicht mit hohen Verkaufszahlen in Deutschland und setzte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gerade einmal 776 Elektroautos ab.

BMW verkaufte hingegen von dem iX3 mit 822 Exemplaren mehr Elektroautos als BYD in Deutschland. Daher sind hierzulande mit Tesla, das im selben Zeitraum 1.790 Model 3 verkaufte, und BMW auch zwei nicht-chinesische Hersteller stark von den neuen Zöllen betroffen. Auch der neue elektrische Mini wird in China gebaut. Mercedes-Benz lässt den neuen elektrischen Smart zusammen mit Geely ebenfalls in China fertigen.

Scharfe Kritik vom VDA

Daher wundert es nicht, dass der Verband der Autoindustrie (VDA) die Pläne der EU-Kommission scharf kritisierte. "Durch diese Maßnahme wächst das Risiko eines globalen Handelskonfliktes weiter an. Fakt ist außerdem: Ausgleichszölle für aus China importierte E-Pkw sind nicht geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu stärken" , sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Zudem würden die angekündigten Maßnahmen die Herausforderungen für die europäische und deutsche Automobilindustrie nicht lösen. "Im Gegenteil: Der von der EU-Kommission beabsichtigte Zweck von Ausgleichszöllen könnte sich bei einem Handelskonflikt entsprechend schnell negativ auswirken. Der Fokus muss vielmehr nun endlich auch auf den europäischen Industriestandort gerichtet sein. Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit sind die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation und für eine führende Position im internationalen Wettbewerb" , sagte Müller.

Nachtrag vom 13. Juni 2024, 17:25 Uhr

Auf Anfrage teilte BMW mit, dass aktuell noch keine Konsequenzen aus der Ankündigung gezogen worden seien.

Nachtrag vom 15. Juni 2024, 13:49 Uhr

Eine Sprecherin von MG Motor Deutschland sagte auf Anfrage von Golem.de, dass sämtliche in Europa verkauften Elektroautos von MG in China produziert werden. Über mögliche Preiserhöhungen wolle das Unternehmen zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch nicht spekulieren, denn noch sei der Abstimmungsprozess in Brüssel nicht abgeschlossen. Auch hätten die betroffenen Hersteller und die chinesische Regierung noch Gelegenheit, auf den Vorschlag der Kommission zu reagieren.

"Ziel wird es bleiben, unsere Produkte in Europa weiterhin zu fairen Preisen anzubieten und damit einen Beitrag zu leisten, die Elektromobilität für all diejenigen zugänglich zu machen, die einen nachhaltigeren Lebensstil führen wollen" , sagte die Sprecherin.


Relevante Themen