Immortality im Test: Schnipseljagd im Autorenkino

Bei Netflix kommt es ins Spieleabo, viele Kritiker sind begeistert: Immortality ist ein interaktiver Film der ungewöhnlichen Art.

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Szene aus Immortality
Szene aus Immortality (Bild: Half Mermaid Productions)

Wer erinnert sich nicht gerne an die wunderbare Schauspielerin Marissa Marcel! Schade nur, dass die drei Filme, in denen sie die Hauptrolle hatte, nie ins Kino gekommen und spurlos verschwunden sind. Was zur Folge hat, dass Marissa Marcel heutzutage fast vergessen ist. Ach, übrigens: Marissa Marcel hat nie existiert.

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Um die Sache aufzuklären: Marissa Marcel ist die fiktionale (wirklich!) Hauptfigur im Computerspiel Immortality. Das hat der legendäre Gamedesigner Sam Barlow produziert.

Barlow steckt unter anderem hinter Her Story, außerdem war er in leitenden Funktionen an Horrorspielen wie Silent Hill und sogar an dem Actionspektakel Serious Sam Next Encounter beteiligt.

Immortality hat mit derartigen Titeln recht wenig zu tun, es ist kein klassischer Daddelkram. Dennoch hat es in der Fachpresse reihenweise Höchstwertungen bekommen (unter anderem von PC Gamer sowie eine 10/10 von Edge).

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Zum Einstieg in Immortality sehen wir einen kurzen Auftritt von Marissa Marcel in einer Talkshow, irgendwann in den 70er Jahren - wie gesagt, alles fiktiv und auf alt getrimmt. Diesen Auftritt können wir auf Tastendruck anhalten und dann mit dem Cursor auf das Gesicht von Marissa oder des Moderators klicken.

Darauf sucht das Programm in seiner Datenbank nach einem anderen Schnipsel, in dem dieses oder ein sehr ähnliches Gesicht in einer vergleichbaren Pose zu finden ist.

Diesen Ausschnitt können wir dann anschauen, ebenfalls anhalten und wieder auf ein Gesicht oder einen anderen hervorgehobenen Gegenstand klicken - etwa auf eine Lampe, eine Katze oder auf Blumen.

So schalten wir nach und nach immer mehr Schnipsel frei, die in einer Übersicht automatisch in der korrekten Reihenfolge angeordnet werden. Wenn wir alle Ausschnitte gefunden haben, können wir drei gut einstündige Thriller anschauen, dazu gibt es privat anmutende Filmchen, Szenen von Proben und einige weitere, teils skurrile Sequenzen.

  • In dieser Übersicht werden die Filmschnipsel automatisch angeordnet. (Bild: Half Mermaid/Screenshot: Golem.de)
  • Die Talkshow ist Ausgangspunkt für alles Weitere in Immortality. (Bild: Half Mermaid/Screenshot: Golem.de)
  • Nach und nach sammeln wir die Einzelteile von drei Thrillern. (Bild: Half Mermaid/Screenshot: Golem.de)
  • Das Filmrad links oben sehen wir, wenn wir langsam vor- oder zurückspulen. (Bild: Half Mermaid/Screenshot: Golem.de)
In dieser Übersicht werden die Filmschnipsel automatisch angeordnet. (Bild: Half Mermaid/Screenshot: Golem.de)

Deutlich spürbare Einflüsse sind das Werk von Filmemachern wie David Lynch und Alfred Hitchcock, wir finden zudem Spuren der Schriftsteller Paul Auster und Georges Perec.

Die meisten Schnipsel in Immortality sind gekonnt auf den Look der 70er Jahre getrimmt, fast nichts erinnert an die Optik klassischer Computerspiele oder an Hollywoodspektakel.

Der (hier sehr verkürzte) Grundgedanke des Ganzen ist es, nach und nach hinter die Figur und das Verschwinden von Marissa Marcel zu kommen und sich dabei mit dem Konzept der Identität zu beschäftigen.

Immortality ist für Windows-PC (Gog.com, Steam) und Xbox Series X/S verfügbar, der Preis liegt bei rund 16 Euro. Der Titel ist auch im Spieleabo Xbox Game Pass enthalten. Eine Version für MacOS soll folgen.

Außerdem sollen Abonnenten von Netflix das Spiel ohne Zuzahlung auf mobilen Endgeräten mit Android und iOS verwenden können. Einen Termin gibt es nicht, laut den Entwicklern soll es schon "demnächst" so weit sein.

Eine deutsche Tonspur liegt nicht vor, aber es gibt sehr gut lokalisierte und ausreichend große Untertitel. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahre erteilt.

Fazit

Es gibt viele Elemente in Immortality, die höchstes Lob verdienen. Das Spiel hat ein überzeugendes künstlerisches Konzept und beschäftigt sich auf grandiose Art mit komplexen Themen wie Identität.

Dazu kommen eine erstaunlich gute filmische Umsetzung, herausragende schauspielerische Leistungen und drei durchaus sehenswerte Thriller - wenn die Schnipseljagd erfolgreich beendet ist.

All dem steht aber eine allzu anspruchslose Spielmechanik gegenüber, die aus sich heraus wenig Spaß macht. Natürlich wäre es Unfug gewesen, noch Actionsequenzen oder Knobelelemente einzubauen - also müssen wir halt mit dem Absuchen von Bildern leben.

Unterm Strich ist Immortality dennoch ein spannendes und unterhaltsames Experiment, das sich Cineasten und Philosophen anschauen sollten.

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