IMHO: Wie sich der NDR bei Snowden selbst im Weg steht

Das erste TV-Interview mit Edward Snowden seit seiner Flucht aus den USA wäre eine einmalige journalistische Chance gewesen - doch der NDR und die ARD haben sie in einem wichtigen Punkt vertan. Es fehlte zu Beginn der Originalton.

Artikel veröffentlicht am ,
Autor Hubert Seipel beim Schnitt des Snowden-Interviews
Autor Hubert Seipel beim Schnitt des Snowden-Interviews (Bild: Ulla Brauer/NDR)

Nein, mehr als die genau 32 Minuten des Gesprächs mit Edward Snowden gebe es nicht, sagt der NDR in einer FAQ zum Interview. Und nein, im englischen Wortlaut könne man den Whistleblower auch nicht hören, steht an gleicher Stelle. Nur per Twitter kommt dann auf Nachfragen die Antwort, warum Letzteres so ist: Es gibt irgendwelche rechtlichen Probleme.

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Wie die genau aussehen, erfährt der Zuschauer auch nicht, es könnte mit einem Geflecht an ARD-Tochterunternehmen zusammenhängen, wie das Medienmagazin DWDL berichtet. Und in einem Vorbericht zur Sendung deutet der NDR als ausführende Sendeanstalt an, dass das Interview als Teil einer Dokumentation geführt wurde, die sonst noch nicht weiter angekündigt wurde. Offenbar will man aus dem Gespräch noch mehr Sendezeit herausschlagen. Oder Kapital, wenn der Beitrag an internationale Medien verkauft wird.

Die Salamitaktik begann schon mit der Ankündigung am Freitag. Sie wurde mit kleinen Gesprächsfetzen am Samstag fortgesetzt und gipfelte dann in einer wenig erkenntnisreichen Talkrunde bei Günther Jauch noch vor Ausstrahlung des diskutierten Interviews. Der Bedeutung des Interviews wird diese Taktik nicht gerecht. Und es ist ein bisschen beschämend für eine öffentlich-rechtliche Institution wie den NDR, dass die Chance auf sofortige, eindeutige und internationale Wirkung vertan wurde.

Nach dem, was aus der Übersetzung und dem Originalton zu hören ist, werden Snowdens Aussagen zwar korrekt wiedergegeben. Aber wer sich länger mit der Art beschäftigt, wie der Whistleblower sich äußert, muss erkennen: Edward Snowden drückt sich nicht nur stets sehr vorsichtig, sondern auch sehr gewählt aus. Zuletzt war das im Livechat zu beobachten, wo er mit historischen Hintergründen seine Thesen belegte.

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Weil er mit der Veröffentlichung der NSA-Unterlagen selbst nichts zu tun haben will, wie er auch im NDR-Interview mehrfach betonte, kommt es auf die Zwischentöne an, wenn man Edward Snowden wirklich zuhören will. Die Verbindung aus Text, Mimik und Körpersprache macht ein ehrliches Gespräch aus, gerade dann, wenn das Gegenüber sehr behutsam formuliert. Der NDR und die ARD haben diejenigen, die sich auch der Person Snowden nähern wollen, um diese Möglichkeit gebracht.

Nun reflexartig zu behaupten, da hätte mal wieder irgendwer "das Internet nicht verstanden", trifft den Kern der Sache nicht, denn da hat der NDR fast alles richtig gemacht: Das Gespräch stand schon kurz vor der Ausstrahlung in der synchronisierten Fassung als Video im Netz, und auch eine Abschrift davon gibt es. Anhand dieser Dateien versuchen nun einige Nutzer, den Originalton zumindest als Text zu rekonstruieren.

Wenn das gelingt und beispielsweise eine mit englischen Untertiteln versehene Version des Interviews auf Youtube landet, kann sich insbesondere die Öffentlichkeit in den USA wundern, was deutsche Medien da verbockt haben. Eine solche Entwertung hat weder die journalistische Leistung des NDR noch der Mensch Edward Snowden verdient.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

Nachtrag vom 27. Januar 2014, 14:30 Uhr

Der NDR hat das Interview nun doch vollständig im Originalton veröffentlicht. Die Laufzeit des Films ist um zwei Minuten geringer als bei der Fernsehsendung, weil die einleitende Erklärung zum Zustandekommen des Treffens mit Edward Snowden fehlt.

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Babo 29. Jan 2014

Das ist mir auch aufgefallen. Mir kam der zweite Teil des Interviews wie eine...

violator 28. Jan 2014

Du meinst Angela "die Kanzlerin hat noch nicht dazu Stellung genommen" Merkel?

violator 28. Jan 2014

So wie letztens als der Staat per Urheberrecht versucht hat, ne Veröffentlichung von...

rolitheone 28. Jan 2014

Hab das gestern mit den Herren und Damen vom NDR auch diskutiert. Die Ironie ein...



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