IMHO: Video-Netzwerke sind die Plattenfirmen des 21. Jahrhunderts

Die Aufregung um den Ausstieg von Simon "Ungespielt" Unge bei Mediakraft ist berechtigt. Solche Unternehmen, die sich Netzwerke nennen, handeln wie früher die Musiklabels: Junge Talente werden langfristig gebunden - das kann nur schiefgehen.

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Simon Unge im Video
Simon Unge im Video (Bild: Youtube)

Zwei Millionen Menschen kennen Simon Unge - so viele Abonnenten hatte der Videoproduzent auf Youtube, bevor er am vergangenen Wochenende mit einem dramatischen Film ein Ende seiner bisherigen Aktivitäten ankündigte. Und über zweieinhalb Millionen Menschen - so oft wurde der Clip inzwischen angeklickt - dürften seitdem auch das Unternehmen Mediakraft kennen, mit dem Unge im Streit liegt.

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Mediakraft ist eine dieser Firmen, die im Jargon der Youtuber nur "Netzwerk" genannt werden. Das klingt nach Partnerschaft, sozialem Engagement, sogar nach Community. Die Netzwerke sind aber vor allem knallharte Vermarktungsgesellschaften. Sie sorgen dafür, dass auf den Kanälen von erfolgreichen Youtubern mehr und teurere Werbung erscheint, handeln Sponsorendeals aus und verlangen dafür einen Anteil an den Einnahmen.

Langfristige Verträge für ein kurzlebiges Medium

Das ist das übliche Verfahren der Werbewirtschaft, denn es geht darum, Aufmerksamkeit in Geld umzusetzen. Der Haken ist nur: Wie früher die Plattenfirmen schließen Netzwerke nun in großer Masse Verträge mit jungen Talenten, aus denen diese nicht so schnell wieder herauskommen. Rund 2.500 sogenannte "Partner" hat Mediakraft nach eigener Darstellung. Unge will die Zusammenarbeit mit Mediakraft beenden, das Unternehmen entlässt ihn aber nicht aus dem Vertrag, und darum geht die Sache nun wohl vor Gericht.

Wie die Konditionen dieses Vertrages genau lauten und wie lange er läuft, sagt keine der beiden Seiten. Unge erklärt in seinem Video aber, dass er vor mehr als einem Jahr unterschrieben hat. Also ist er vermutlich mindestens noch ein weiteres Jahr an Mediakraft gebunden. Der Youtuber Commander Krieger schätzt in einem eigenen Video zum Unge-Vorfall, dass es eher zwei bis drei Jahre sind.

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Das ist für ein sich so schnell veränderndes Medium wie Youtube eine viel zu lange Zeit. Jede Minute kann auf der Videoplattform ein neuer Star geboren werden, der mit Hilfe eines Netzwerks viel Geld verdienen kann. Alleine ist das auf Dauer kaum zu schaffen, denn kreativ Begabte sind selten auch gute Geschäftsleute. Zudem wird bei zunehmender Professionalisierung in puncto Inhalt und Technik das Videoproduzieren schnell von einem Hobby zur Vollzeitbeschäftigung. Krieger schlägt vor, dass Verträge mit Netzwerken monatlich kündbar sein sollten. "Wer glücklich ist, der bleibt", sagt der Youtuber, der selbst durch ein Netzwerk Geld verdient.

Netzwerke wiederholen die Fehler der Musikbranche

Die Netzwerke sind also so wichtig wie Plattenfirmen. Letztere finanzieren bei jungen Bands oft Instrumente und Aufnahmen vor - das Geld wollen sie aber irgendwann wiedersehen. Die Investitionen für einen Youtuber halten sich in sehr engen Grenzen, und trotzdem wiederholen die Netzwerke die Fehler der Musikbranche: Der junge Künstler wird viele Jahre lang gebunden und soll dabei ständig erfolgreiche Inhalte liefern. Viele Talente sind an solchem Druck vor allem in den 1980er und 1990er Jahren zerbrochen, als jeder Trend von der Musikindustrie in Windeseile ausgeschlachtet wurde - auch Unge wirkt in seinem Video sehr berührt.

Vor allem sein Vorwurf, Mediakraft habe gedroht, ihn in die Privatinsolvenz zu treiben, wiegt schwer. In der wachsweichen Stellungnahme des Unternehmens findet sich kein Dementi dazu. Das ist nicht nur menschlich mehr als fragwürdig, sondern auch wirtschaftlich unklug: Wenn aus den vielen jungen Youtubern zugkräftige Stars werden sollen, an denen auch die Medienbranche dauerhaft verdient, müssen sie in den Netzwerken ein vertrauenswürdiges Gegenüber finden.

Partnerschaften brauchen Vertrauen

Reine Geldgier kann man insbesondere Mediakraft dabei nicht alleine vorwerfen. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftet die Firma bisher keine Profite. Vielmehr schießen noch Investoren Kapital zu, das Unternehmen ist also ein Startup. Und es finanziert in Form der Youtuber andere Startups. Auch dieses Konstrukt zeigt, dass die derzeitige Videovermarktung noch am Anfang steht. Bis zu einem wirklich professionellen und auf gegenseitigem Respekt basierenden Geschäftsmodell, das die Produzenten der Inhalte auf Augenhöhe behandelt, scheint es noch ein langer Weg zu sein.

Den zu gehen kann sich aber für alle Beteiligten lohnen, denn vor allem bei jungen Menschen haben Angebote wie Youtube längst die Funktion des Fernsehens übernommen. "Video killed the radio star" hieß 1981 das erste Video auf MTV, dessen frühere Bedeutung für Jugendliche heute Youtube und Spotify übernommen haben. Die derzeitige Videovermarktung steht vor der Gefahr, ihre eigenen Stars und damit gleich sich selbst abzuschaffen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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guzzty 29. Dez 2014

Das Kräfteverhältnis ist so unausgeglichen, auch was das juristische Know-How angeht...

raphaelo00 27. Dez 2014

throgh bekommst ein +1 abo von mir ;)

Adabi 25. Dez 2014

Ich habe keine Lust meine Zeit darauf zu verschwenden und mir diese angesagten Videos...

Anonymer Nutzer 25. Dez 2014

Wenn das Label Leistungen wie zb eine US Reise anbietet (und der Künstler das nutzt) dann...

TrudleR 25. Dez 2014

...Uber halt allerdings auch Goldman Sachs im Rücken und was das bedeuted, sollte sich...



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