Das Sitcom-Syndrom in Videospielen

Grundsätzlich gilt: Männliche Konterfeis sehen selbst dann gut aus, wenn man uns anhand von Narbenmustern und schlechter Rasur vermitteln möchte, dass der Kerl eigentlich furchtbar hässlich ist. Nennen wir es doch einfach mal das Sitcom-Syndrom: Wenn Al Bundy tatsächlich so aussehen würde, wie es die Schilderungen seiner Familie regelmäßig nahelegen (mit tentakelartig aus den Nasenlöchern greifenden Haaren), dann wäre die Serie nicht mehr witzig - sondern einfach nur eklig.

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Bei weiblichen Figuren ist das ähnlich: Die vielfach zelebrierten hässlichen Entlein sind in Wahrheit granatenscharfe Feger, sobald sie Brille und Mauerblümchen-Kostüm fallen lassen.

Kurzum: Es gehört einfach zum Job eines Helden gut auszusehen. Und im selben Maße wie sich das Schönheitsbild im Laufe der Zeit geändert hat beziehungsweise immer mehr Damen das Hobby für sich entdeckt haben, sind ihre ästhetischen Merkmale differenzierter geworden. Akzentuierter. Zeitgemäßer. Aus dem plumpen Muskelprotz wurden interaktive Unterwäschemodels, androgyne Schönlinge und der ideale Schwiegersohn.

Ob das gut oder schlecht ist, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Und schließlich ist jedes noch so aufpolierte Heldenbild besser als die gnadenlose Realität: Die wird in Spielen wie WiiFit porträtiert - als Blob-artige Symbiose aus Nintendo-Avatar und Wii-Balance-Board-Messung. Aber will jemand diesen tropfenförmigen Antihelden allen Ernstes in ein Abenteuer begleiten und ihn das schöne Reich der Fantasie mit seinen überschüssigen Pfunden zertrampeln lassen?

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Dass sich Männer mit den in Videospielen gepflegten Klischee-Fressen am Ende besser abfinden als Frauen mit ihren weiblichen VR-Gegenstücken, hat einen ganz einfachen Hintergrund: Die digitale Spielewelt ist in erster Linie ein Männerprodukt. Sie wurde von Kerlen erfunden und zur nerdigen Testosteron-Domäne erhoben, in der kleine Pickelgesichter davon träumen, große und attraktive Helden zu sein, die auch mal eine Frau abkriegen.

Kaum verwunderlich also, dass sich Damen hier früher nur selten wohl gefühlt haben. Und die aus dieser Ära geborenen Berührungsängste bis heute anhalten. Aber in der Regel wird die holde Weiblichkeit hier nicht mehr diskriminiert als sich der Mann selbst demontiert. Doch auch hier ist die Evolution unaufhaltsam: Der Spiele-Held von heute ist eher Hollywood-Figur als klassischer Gaming-Muskelprotz - er ist noch immer ein Supermann. Aber zumindest einer, dem man die Wohnungsschüssel anvertrauen würde. Der nette Übermensch von nebenan.

Robert Bannert ist freier Autor und gibt das E-Magazin Elektrospieler heraus.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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 Helden sollen gar nicht vielschichtig sein
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cluz0r 17. Jul 2014

Da muss ich zustimmen. Finde es übrigens auch toll dass man in Mass Effect die...

femalegamer 16. Jul 2014

Ich weiß echt nicht, ob dieser Artikel ironisch sein soll, immerhin ists nur ein "IMHO...

loox 15. Jul 2014

Es ist tatsächlich schade, dass die Hauptfiguren heute keine große Rolle mehr spielen...

Ork 14. Jul 2014

Das macht aber auch noch keinen Mitläufer, vielleich gefällts demjenigen ja... Mir...

RienSte 10. Jul 2014

Ja, klar, sowas klingt extrem gut! Eben weil es auch 'realistisch' ist! Die Psyche eines...



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