IMHO: Sechs Jahre, ein Smartphone

Sechs Jahre habe ich mein Smartphone nun. Anscheinend bin ich damit ein Exot. Das muss sich ändern!

Artikel von Mathias Hahn veröffentlicht am
Okay, derart kaputte Handys kann man nicht mehr benutzen. Viele andere, die vermeintlich ausgedient haben, aber schon.
Okay, derart kaputte Handys kann man nicht mehr benutzen. Viele andere, die vermeintlich ausgedient haben, aber schon. (Bild: Stephane de Sakutin/Getty Images)

Langsam, etwas ramponiert, nicht alles funktioniert einwandfrei. Klingt nach dem, was uns alle wohl im Alter erwartet, gemeint ist aber mein Smartphone. Fast sechs Jahre ist es alt. Das ist im Prinzip keine lange Zeit, in Smartphone-Jahren aber schon. Die meisten Menschen ersetzen ihr Gerät nach spätestens drei Jahren - auch wenn es gar nicht kaputt ist. Sie wollen ständig Neues: Fingerabdrucksensor, bessere Kamera, mehr Speicher, eine höhere Auflösung oder schlichtweg ein schickeres Gerät. Was sie aber tatsächlich brauchen, ist eine neue Einstellung.

Inhalt:
  1. IMHO: Sechs Jahre, ein Smartphone
  2. Und es fühlt sich auch einfach besser an

Täglich werden Millionen Smartphones ersetzt, die meist noch funktionieren. Bei einer Umfrage von Stiftung Warentest im Jahr 2013 gaben 68 Prozent der Befragten an, dass ihr altes Gerät noch funktioniere, das neue aber "besser" sei (40 Prozent) oder gratis von ihrem Mobilfunkanbieter gestellt werde (28 Prozent). Ein neues Gerät zu kaufen, obwohl das alte noch geht, heißt "psychologische Obsoleszenz".

Anders als bei der technischen Obsoleszenz, wo der Nutzer durch einen Defekt oder Verschleiß eingeschränkt wird, steht bei der psychologischen der Faktor der Unansehnlichkeit im Mittelpunkt. Demnach wird ein Smartphone also ausgetauscht, weil ein neues Gerät interessanter und neuwertiger ist - und weniger wegen einer eingeschränkten Nutzbarkeit. Wenn man dann noch bei einem Mobilfunkanbieter unter Vertrag ist, der einem regelmäßig neue Smartphones zur Verfügung stellt: Wieso hier Nein sagen?

Für die Umwelt

Ganz einfach: für die Umwelt. Allein im Jahr 2017 wurden 1,47 Milliarden Smartphones weltweit verkauft. Um sie herzustellen, braucht man sehr viele Rohstoffe, unter anderem seltene Erden oder Platin. Sie werden teilweise nicht nur unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut und verarbeitet, sondern auch unter hohen Umweltbelastungen. Allein der Abbau und die Verarbeitung von einer Tonne Platin verbraucht Energie in Höhe von 69.000 Kilowattstunden (kWh).

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Zum Vergleich: Bei einem durchschnittlichen Fünf-Personen-Haushalt in Deutschland sind es gerade einmal 5.000 kWh pro Jahr. Bezieht man nun noch die Tatsache mit ein, dass ein Großteil dieses Energiebedarfs noch immer von fossilen Energieträgern, also Kohle oder Öl, gedeckt wird, nimmt der Abbau solch seltener Materialien einen hohen Stellenwert bei der Umweltverschmutzung ein. Hinzu kommt der Wasserbedarf bei der Verarbeitung des Materials. Es werden also in hohem Maße wertvolle Ressourcen verwendet, und die CO2-Emissionen schaden nachweislich unserem Klima.

So ein hoher Energieverbrauch, so viele Emissionen bei der Herstellung eines Smartphones - und dann wird es im Schnitt gerade einmal zweieinhalb Jahre benutzt. Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn jeder von uns sein Smartphone nur ein Jahr länger als gewöhnlich nutzt. Ein positiver Umwelteffekt wäre nicht abzustreiten und der Geldbeutel würde ebenfalls profitieren.

Ein Gedankenspiel: Für die Produktion eines Smartphones werden rund 48 Kilogramm CO2 emittiert (PDF). Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 2,5 Jahren wären das über zehn Jahre gesehen vier Smartphones, also 192 Kilogramm CO2 pro Kopf. Bei einer Nutzungsdauer von 3,5 Jahren würde man mindestens eines dieser vier Smartphones nicht kaufen und dadurch 48 Kilogramm CO2 einsparen. Bei 1,47 Milliarden weltweit verkauften Smartphones ist das Einsparungspotenzial also enorm.

Wer sein Smartphone unbedingt alle zweieinhalb Jahre austauschen muss, sollte sein altes Gerät wenigstens zum Recyclinghof bringen, damit die darin enthaltenen, wertvollen Ressourcen so etwas wie eine zweite Chance bekommen. Laut Thomas Fischer von der deutschen Umwelthilfe können nämlich allein durch ein professionell aufbereitetes Smartphone ebenfalls rund 48 Kilogramm CO2 eingespart werden. Ein funktionstüchtiges Gerät sollte man verkaufen oder gar verschenken.

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