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IMHO: Porsche prescht beim Preis übers Ziel hinaus

Die technischen Werte der beiden elektrischen Porsche Taycan-Versionen sind beeindruckend. Viele werden sie als "Tesla-Killer" bezeichnen. Doch preislich peilt Porsche damit eine extrem kleine Zielgruppe an: Ein gut ausgestatteter Turbo S kostet 214.000 Euro.

Ein IMHO von Dirk Kunde veröffentlicht am
Porsche Taycan (bei der Vorstellung am 4.9.2019): Sicherheitsgurte in verschiedenen Farben
Porsche Taycan (bei der Vorstellung am 4.9.2019): Sicherheitsgurte in verschiedenen Farben (Bild: Porsche)

Hut ab! Die Inszenierung an drei Orten der nachhaltigen Energiegewinnung (Wasser, Wind, Sonne) ist gelungen. Die technischen Werte des Taycan sind beeindruckend. Während Audi mit dem E-Tron und Daimler mit dem EQC eher gezwungenermaßen als lustvoll SUVs elektrifizieren, nutzte Porsche die vier Jahre Entwicklungszeit, um die Gene der Sportwagenmarke auf das Elektrozeitalter zu übertragen.

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Wer sich das Video eines britischen Autotesters anschaut, wie er mit kindlicher Freude 26-mal hintereinander per Launch-Control von 0 auf 200 km/h beschleunigt, versteht die massive Ingenieursleistung. Bei jedem anderen sportlichen Elektroauto hätte die Batterie längst eine Temperaturwarnung aufleuchten lassen oder den Dienst eingestellt.

Hier "brennt" jemand in der Entwicklungsabteilung für den elektrischen Antrieb. Diese Begeisterung ist leider nicht bis in die Marketing-Abteilung geschwappt. Wie kann man einem Elektroauto den Zusatz "Turbo" und "Turbo S" verpassen? Alte Zöpfe, die abgeschnitten gehören.

Turbo S für 214.860 Euro

Wirklich abartig wird es beim Blick auf die Preise. Der Porsche Taycan Turbo S startet bei 185.456 Euro. Da ist aber längst nicht alles drin, was man in einem modernen Elektroauto erwarten würde. Mir stehen bei der Konfiguration 20 Unterrubriken mit kostenpflichtigen Extras zur Auswahl. Als ich fertig bin lautet der Endpreis: 214.860,90 Euro. Wow! Dabei habe ich längst nicht alles genommen, was möglich wäre.

  • Teure Angelegenheit: Unser Wunsch-Porsche kostet knapp 215.000 Euro. (Bild: Porsche/Screenshot: Golem.de)
  • Der On-Board-Gleichstromlader ist nicht im Basispreis inbegriffen. (Bild: Porsche/Screenshot: Golem.de)
  • Das gilt auch für die Assistenzsysteme. (Bild: Porsche/Screenshot: Golem.de)
  • Die Sicherheitsgurte gibt es in verschiedenen Farben - für einen saftigen Aufpreis. (Bild: Porsche/Screenshot: Golem.de)
  • Selbst die Werksabholung lässt Porsche sich bezahlen. (Bild: Porsche/Screenshot: Golem.de)
Teure Angelegenheit: Unser Wunsch-Porsche kostet knapp 215.000 Euro. (Bild: Porsche/Screenshot: Golem.de)

Der Spleen, mich zwischen fünf Farben bei den Sicherheitsgurten (487,90 Euro extra) entscheiden zu können, gehört ja irgendwie zum Luxussegment. Aber 476 Euro Aufschlag für ein digitales Radio wirken wie aus der Zeit gefallen. Sämtliche Assistenten, die das Fahrerleben angenehmer machen, sind nicht Teil der Serienausstattung- egal ob Spurwechsel- oder Parkassistent, Abstandstempomat oder funkbasiertes Entriegeln der Türen.

Was den Aufschlag von 4.661 Euro beim Sport-Design Paket Carbon rechtfertigt, entdecke ich erst auf den zweiten Blick. Man muss auf den Bildern im Konfigurator schon sehr genau hinschauen, um die Veränderung an Front und Heck zu erkennen.

Augen auf bei der Ladeleistung

Der Taycan fährt nicht nur schnell, er lädt auch schnell. Endlich kurze Ladestopps: 100 km Reichweite in fünfeinhalb Minuten bei einer Ladeleistung von 270 kW hören sich verlockend an. Doch dieser Wert wird nur unter Idealbindungen (20 Grad Außentemperatur) und an Ladesäulen mit 800 Volt Spannung erreicht. Derzeit liefern die meisten HPC-Säulen 400 Volt. In dem Fall lädt der Porsche Taycan serienmäßig mit maximal 50 kW. Eben genauso schnell wie der Renault-Zoe-Fahrer an der Säule nebenan. Möchte man schneller laden, kostet der On-Board-DC-Charger 416,50 Euro. Damit schafft man immerhin 150 kW Ladeleistung.

Preislich bewegt sich der Turbo S in der Liga des neuen Tesla Roadsters (215.000 Euro für die ersten 1.000 Stück). Doch eigentlich tritt der viertürige Sportwagen gegen das Model S an. Selbst wenn ich im Tesla-Konfigurator den Metallic-Lack, die teuren Felgen sowie den vollständigen Autopiloten wähle, komme ich beim Model S Performance nur auf 116.400 Euro.

Viele Kollegen werden den Taycan als "Tesla-Jäger" oder "Tesla-Killer" beschreiben, doch überholen - und das meine ich im wörtlichen Sinne - kann der Taycan nicht. Beide fahren in etwa gleich schnell: 261 vs. 260 km/h. Das Model S beschleunigt einen Hauch schneller: 2,6 vs. 2,8 Sekunden auf 100 km/h. Der Amerikaner kommt weiter: 590 vs. 412 km (WLTP). Der Energieverbrauch liegt beim Turbo S mit 26,9 kWh pro 100 km recht hoch. In der Liga fährt auch der kürzlich von mir getestete, 2.460 kg schwere SUV Nio ES 8.

Der Taycan Turbo S bringt 2.370 kg auf die Waage. Das Model S ist rund 100 kg leichter und liegt im Bereich von 20 kWh pro 100 km. Zudem fällt der Strömungswiderstandskoeffizent mit 0,23 beim US-Auto etwas besser aus als der cW-Wert von 0,25 beim deutschen Sportwagen.

Mein Highlight im Konfigurator bleiben jedoch die Abholpreise. Ja, richtig gelesen. Wenn ich mir die Mühe mache und den Wagen im Werk Zuffenhausen oder Leipzig abhole, einen Blick in die Fertigung werfe und ein Mitarbeiter eine Proberunde mit mir dreht, kostet mich das 1.011 bzw. 1.320 Euro.

Ich glaube, das mit dem Taycan lass ich sein. Ich nehme lieber einen klassischen 911 Carrera. Die 121.000 Euro wirken dagegen geradezu wie ein Schnäppchen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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Terence01 15. Sep 2019

Einem Porsche Käufer ist das wohl wurscht. Für einen Porsche Verbrenner fällt dagegen...

berritorre 13. Sep 2019

Naja, praktisch ist für mich was anderes. Aber das kommt halt immer darauf an, was man so...

DeepSpaceJourney 11. Sep 2019

Es ist doch erst Mittwoch, lass dem Elon doch die Zeit, vielleicht muss er den Tesla ja...

berritorre 10. Sep 2019

Sag ich ja nix dagegen. Ich habe nur gesagt, dass man sich an alles gewöhnt. Aber: Wenn...

DeepSpaceJourney 09. Sep 2019

Getriebe mit zwei Gängen sind auch unglaublich kompliziert... Und wie genau soll es mehr...


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