IMHO: Nur die Harten kommen in den Garten

Im Action-Rollenspiel Dark Souls 2 wird gestorben wie am Fließband. Doch sind solche frustrierenden Spiele überhaupt notwendig? Ja, schreibt Robert Bannert. Darks Souls 2 wecke Emotionen und sei dadurch vermutlich das menschlichste Spiel der letzten Jahre.

Artikel von Robert Bannert veröffentlicht am
Screenshot aus Dark Souls 2
Screenshot aus Dark Souls 2 (Bild: From Software)

Wie haben Sie Ihr Brot am liebsten? Weich und labberig oder so hart, dass Ihnen beim Hineinbeißen die Vorderzähne ausfallen? Sind Sie mehr der Schlabber-Toast- oder der Vollkorn-Knäcke-Typ? Hören Sie auf der Autobahn lieber Kuschelrock oder Death Metal à la Bolt Thrower? Der sich so richtig schön zäh in die Gehörgänge sägt und dann das Gehirn verflüssigt? Und wo wir schon mal dabei sind: Wie halten Sie es mit dem Liebesspiel? Schmusen und behutsames Fummeln bei Kerzenschein oder doch eher Folter- und Fesselspiele Marke Shades of Grey?

Wer sein Kreuzchen bei Vollkorn-Knäcke, Bolt Thrower und Fesselspielen macht, der spielt vermutlich auch Dark Souls 2: Der Nachfolger des beinharten Schlachtfests von Japano-Entwickler From Software befeuert dieser Tage einmal mehr die uralte Debatte um den idealen Schwierigkeitsgrad - um den Drahtseilakt zwischen Herausforderung und Motivation, zwischen Frustration und Entertainment. Wie kompliziert soll, darf und vor allem muss ein Spiel sein, um entweder möglichst viele Kunden zu erreichen oder zumindest eine ganz bestimmte Zielgruppe?

Obwohl diese Frage noch immer polarisiert, gibt es offenkundig eine überraschend große Lobby für den japanischen Exitus-Marathon: Immerhin 2,8 Millionen Mal hat sich das Schlachtfest verkauft. Das ist mehr als fünfmal so viel wie From von seiner gesamten King's-Field-Reihe absetzen konnte - und die galt neben Armored Core früher als die Cash-Cow des Studios. Eines Studios, das damals nicht wegen seiner hohen Produktqualität überlebt hat, denn die ist eher durchwachsen, sondern weil es mit schöner Konsequenz auf die Frühchen-Taktik gesetzt hat. Will heißen: Man veröffentlicht vor allem dann, wenn eine Hardware neu am Markt ist und die Spieler so sehr auf Nachschub versessen sind, dass sie den Frühankömmlingen die erstaunlichsten Verfehlungen nachsehen und selbst die offensichtlichsten Bugs als Features schönreden.

Seit wann ist eigentlich härter besser?

Obwohl die Veröffentlichung von Dark Souls (2011) nicht auf den Anfang eines Generationszyklus fiel, ist seine Erfolgsgeschichte annähernd vergleichbar. Denn auch hier setzte man geschickt auf Nische und bediente eine Sparte, in der ein Mangel herrschte: an retrospektiv gepolter Profi-Kost. Auf einmal erscheint das chronische Fehlen von Komfort, durch den sich Froms Serie vermeintlich bewusst auszeichnet, attraktiv. Dark Souls ist plump, archaisch und will Babyschrittchen für Babyschrittchen erkundet werden. Wer hier überleben möchte, der bewegt sich nur mit vorgehaltenem Schild durch die finsteren Gänge und lugt angstvoll um jede Ecke.

Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen? Wie kann es sein, dass sich ein Spiel allein über seinen Schwierigkeitsgrad definiert? Dass aus "Härter, als die Spiele-Polizei erlaubt" ein USP, ein "Unique Selling Point" wird? Üblich ist, dass sich Spiele heute entweder darum bemühen, für möglichst viele potentielle Käufer zugänglich zu sein oder dass sie zumindest mehrere Schwierigkeitsgrade anbieten. Für jeden Geschmack einen. Luschen fahren bei Easy gemütlich spazieren, während die Hartwürste bei abenteuerlichen Einstufungen wie Ultra Hard oder Nightmare das Pedal durchtreten und sich so fest anschnallen, dass jeder Tropfen Blut aus dem Gehirn weicht. Wäre hier ja sowieso nur hinderlich: Nicht auf den Verstand, sondern den puren, unverfälschten Instinkt kommt es an! Und überhaupt: Wenn es darum geht, vor anderen Zockern zu protzen, dann will niemand zugeben, dass er auf "Warmduscher" spielt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Spieltrophäen für den digitalen Selbstwert 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


profi-knalltüte 08. Apr 2014

jo hat viel von zelda finde ich auch. also dieses erforschen einer fremden welt, nur das...

profi-knalltüte 08. Apr 2014

man kann es in den optionen so einstellen wie im vorgänger, also weiß nicht was das auf...

diabolo511 07. Apr 2014

mit nem jailbreak hat man die möglichkeit dafür. wollte aber über den terminal meines...

Big L 07. Apr 2014

Ich für meinen Teil sehe gerade in dieser Herausforderung den Reiz. Jeder Gegner...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Starship Troopers
Paul Verhoevens missverstandene Satire

Als Starship Troopers in die Kinos kam, wurde ihm faschistoides Gedankengut unterstellt. Dabei ist der Film des Niederländers Paul Verhoeven eine beißende Satire.
Von Peter Osteried

25 Jahre Starship Troopers: Paul Verhoevens missverstandene Satire
Artikel
  1. Azure DevOps: Die Entwicklerplattform, die es richtig macht
    Azure DevOps
    Die Entwicklerplattform, die es richtig macht

    Azure DevOps ist eine mächtige und ständig wachsende Plattform. Ich bin Fan - und zwar aus guten Gründen.
    Ein IMHO von Rene Koch

  2. Lügenvorwürfe: Beschwerden über Telekom-Drückerkolonnen auch in Karlsruhe
    Lügenvorwürfe
    Beschwerden über Telekom-Drückerkolonnen auch in Karlsruhe

    Wie in Köln arbeiten Telekom-Werber offenbar auch in Karlsruhe mit fragwürdigen Methoden. Verbraucherschützer fordern ein Verbot solcher Besuche ohne Einwilligung.

  3. Energiekrise: Brauchen wir Atomkraftwerke noch?
    Energiekrise
    Brauchen wir Atomkraftwerke noch?

    Wegen des Kriegs in der Ukraine laufen die letzten drei deutschen Atomkraftwerke bis Mitte April. Ein Weiterbetrieb wird gefordert. Wie realistisch oder sinnvoll ist das?
    Eine Analyse von Werner Pluta

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Kingston NV2 2TB 104,90€ • Patriot Viper VPN100 2TB 123,89€ • Alternate: Weekend Sale • WSV bei MediaMarkt • XIAOMI Watch S1 149€ • Alphacool Eiswolf 2 AiO 360 Radeon RX 6800/XT 227,89€ • MindStar: be quiet! Dark Power 13 1000W 259€ • The Legend of Zelda: Link's Awakening 39,99€ [Werbung]
    •  /