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IMHO: Microsofts murksiges Marketing

Der Surface Laptop 3 mit 15 Zoll und das Surface Pro X sind tolle neue Geräte der Surface-Familie: Dennoch bewirbt sie Microsoft mit übertriebenen Aussagen zu den AMD- und Qualcomm-Chips und teils gar falschen Informationen zu Windows 10 on ARM . Das hat Redmond nicht nötig.
/ Marc Sauter
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Microsoft SQ1 auf einem Surface Pro X (Bild: Amelia Holowaty Krales für The Verge)
Microsoft SQ1 auf einem Surface Pro X Bild: Amelia Holowaty Krales für The Verge

Bei der Vorstellung des Surface Laptop 3 mit 15 Zoll und des Surface Pro X habe ich mich ziemlich über die Aussagen zu den verbauten Prozessoren geärgert: So wie Panos Panay es in seinem Marketing-Sprech dargestellt hat, klang das so, als hätte Microsoft einzigartige Chips selbst entwickelt. Das ist aber Unfug, den Redmond bei den exzellenten Surface-Geräten auch gar nicht nötig hat.

Als Chief Product Officer bei Microsoft weiß Panay ganz genau, welche Hardware verwendet wird, wie diese entsteht und wie er sie bewerben will. Dabei ist es durchaus aufsehenerregend, dass es mit dem Surface Laptop 3 erstmals ein Gerät mit AMD-Chip gibt und dass das Surface Pro X ein Qualcomm-SoC sowie Windows 10 on ARM nutzt. Die Beschreibung dieser Prozessoren durch Panay geht jedoch schlicht zu weit, denn anders als die Designs in der Xbox One (X) oder der Hololens (2) sind es nur leicht angepasste Partnerversionen.

Der Ryzen 7 3780U(öffnet im neuen Fenster) etwa sei in der 15-Watt-Klasse der "most powerful mobile processor AMD has ever created" (leistungstärkster Mobile-Prozesssor, den AMD jemals kreiert hat), zudem habe man "unique cores on the GPU" (einzigartige Kerne auf der Grafikeinheit) kreiert. Die Wahrheit ist: Microsoft hat sich von AMD volle 704 statt 640 Shader freischalten lassen und somit einen "exclusively build processor" (exklusiv entworfenenen Prozessor) – eine neue SKU(öffnet im neuen Fenster) also – erhalten.

Microsoft zeigt den Surface Laptop 3
Microsoft zeigt den Surface Laptop 3 (01:23)

Das eigentliche Picasso -Design aber steckt in Form diverser regulär verfügbarer SKUs in einer Vielzahl anderer Notebooks auch. Wie bei AMD nachzulesen(öffnet im neuen Fenster) , ist es ein "specifically customized" (speziell angepasster) Chip mit "significant software and system optimizations" (signifikanten Software- und Systemoptimierungen) seitens Microsoft – die primäre und ebenfalls sehr wichtige Leistung aus Redmond.

Pikant ist an der Sache höchstens, dass Microsoft sich das (gute) Recht eingekauft hat, bei Picasso die 704-Shader-Chips exklusiv zu erhalten. Alle anderen Picasso-Ableger haben nur 640 Rechenkerne, wohingegen es bei den direkten Raven-Ridge -Vorgängern mit dem gleichen Design volle 704 ALUs auch für alle anderen Notebook-Partner gab.

Beim SQ1-Prozessor des Surface Pro X spricht Microsoft von einem "custom chipset" (Maß-Chip) und dass man zusammen mit Qualcomm die Grafikeinheit "redesigned" (umgestaltet) habe. Praktisch handelt es sich um einen Snapdragon 8cx , in dem eine Adreno 685 statt Adreno 680 steckt. Höchstwahrscheinlich taktet diese ein bisschen höher, es handelt sich also erneut schlicht um eine eigene SKU.

Dergleichen allerdings großspurig als Custom zu bezeichnen, ist dann doch übertrieben, weil das eigentliche Design ja auch hier unangetastet bleibt. Panos übertreibt allerdings nicht, wenn er sagt, "you will not find this anywhere else out there" (ihr findet das [den Chip] nirgendwo sonst) – denn in Geräten wie dem Galaxy Book S steckt ein regulärer Snapdragon 8cx.

Microsoft zeigt das Surface Pro X
Microsoft zeigt das Surface Pro X (01:31)

In diesem Kontext ist es dafür vermessen, vom "first Windows PC ever to have an integrated AI engine" (ersten Windows-PC mit einer integrierten Einheit für künstliche Intelligenz) zu sprechen, denn schon der ältere Snapdragon 850 etwa in Lenovos Yoga C630 hat einen DSP für diese Aufgabe und in Windows 10 on ARM gibt es dafür Support via Windows ML. Apropos Betriebssystem: Wenn Panay sagt, das Surface Pro X würde die "full power of Windows" (volle Leistung von Windows) und die "apps you love" (Anwendungen, die ihr liebt) haben, dann hat er Unrecht. Denn Windows 10 on ARM unterstützt x86-64-Bit-Anwendungen weder nativ noch per Emulation, sondern nur Win32-Apps, und das ist dem Chief Product Officer selbstverständlich bewusst.

Statt also die Wahrheit über die verbauten Chips möglichst weit zu dehnen, sollte Microsoft lieber (noch) mehr darüber sprechen, was die Surface-Geräte abseits davon positiv von anderen Notebooks abhebt. Alternativ wäre es schön gewesen, AMD und Qualcomm bei der Präsentation selbst zu Wort kommen zu lassen – und zu hoffen, dass hier klarere Worte gefunden worden wären.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).


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