IMHO: Lasst Hackerspaces nicht zu Orten der neuen Eliten werden!

Was hält die Hacker davon ab, sich Interessierten zu öffnen? Eigentlich nichts, meinen die beiden Blogger Stephan Urbach und Severin Schols. Dennoch bauen sie Mauern um ihre Gemeinschaften.

Artikel veröffentlicht am , Stephan Urbach/stephanurbach.de/Severin Schols
Hacker beim Chaos Communication Congress (28C3) in Berlin
Hacker beim Chaos Communication Congress (28C3) in Berlin (Bild: Adam Berry/Getty Images)

Hackerspaces, Orte voller Wunder, Technologie, friedlicher Hacker und Hacksen, Gemeinschaften intergalaktischer Wesen und Orte zum Sein. Oder, um es mit den Worten von hackerspaces.org zu sagen: "Hackerspaces are community-operated physical places, where people can meet and work on their projects." Das klingt erst einmal sehr einladend - eine Community betreibt physische Orte, wo Menschen zusammenkommen, um an ihren Projekten zu arbeiten. Dabei gibt es Hackerspaces der verschiedensten Arten - in einem wird mehr gecoded, in anderen gelasert und in ganz anderen steht das Miteinander im Vordergrund.

Inhalt:
  1. IMHO: Lasst Hackerspaces nicht zu Orten der neuen Eliten werden!
  2. All hackers are created equal

Im Idealbild ist ein Hackerspace ein Ort der Bildung, der Lehre und des Austausches. Viele Member von Hackerspaces stehen für freies Wissen, freie Bildung, Open Source, Transparenz von Entscheidungen und einen guten Umgang miteinander (aka Flausch), doch es ist erschreckend, wenn man erst einmal in einigen Hackerspaces war.

"Viele dieser Gemeinschaften verschließen sich nach außen"

So sehr diese Member sich für diese Themen einsetzen, so stark vernachlässigen sie sie in ihren eigenen Communitys. Viele dieser Gemeinschaften verschließen sich nach außen, es gibt höchstens mal einen monatlichen Tag der offenen Tür, oder einen Alien-Dienstag, an dem Nicht-Member die Möglichkeit haben, einen Einblick in diese Communitys zu erlangen. Wikiseiten werden geschützt und nur Mitgliedern zugänglich gemacht. Wichtige Diskussionen werden auf internen Mailinglisten geführt, um sich von der Außenwelt abzuschotten. Und selbst wenn diese Prinzipien nicht bis ins letzte Detail so gelebt werden, so schrecken sie doch ab. Wer geht schon einfach so zu einem Hackerspace, wenn die Chance, auch nur durch die Vordertür hineinzukommen, augenscheinlich äußerst gering ist. Und so schwer es für Hackerspace-Erfahrene sein mag, schwieriger wird es für jemanden sein, der diese Gemeinschaften nicht kennt und zum ersten Mal einen Blick in die heiligen Hallen eines Hackerspaces wagen möchte.

"Die Mechanismen produzieren gläserne Wände"

In der Hackerethik, auf die sich momentan die meisten Member dieser Communitys berufen, steht: "Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein." Mit der Walled-Garden-Politik, die viele Hackerspaces fahren, wird dieses Prinzip mit Füßen getreten - die oben beschriebenen Mechanismen produzieren gläserne Wände, gegen die Menschen laufen. Das ist natürlich auch ein Selbstschutz der Spaces beziehungsweise ihrer Communitys, um die Mythen und Legenden, die sich um Spaces ranken, zu erhalten und zu fördern. Oft meint man, die Hohen Priester des neuen Zeitalters wollen ihr Wunderwirken nicht offenbaren und legen ein Verhalten an den Tag, wie es schon Erik Davis in "Techgnosis" beschrieb: Technologie wird seit der Antike mystifiziert, um dem gemeinen Volk nicht erst den Anschein zu geben, dass keine göttlichen Kräfte dahinterstehen, denn anders ist die Macht nicht zu erhalten. Das steht im krassen Gegensatz zu dem zitierten Satz der Hackerethik, und doch wird das so praktiziert.

"Sparen wir uns das Probetraining!"

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Dabei könnte es so einfach sein. Sogar die meisten Sportvereine machen es uns vor. Da kommt man einfach mal zu einem Training, trainiert zweimal mit, und schon ist man Teil des Teams. Wir als Gemeinschaft haben für uns den Anspruch, Dinge besser zu machen. Sparen wir uns das Probetraining. Wenn ein Fußballverein keinen Tag der offenen Tür braucht, und keinen Tennisspieler-Dienstag, warum dann ein Hackerspace? Was hält eine Gemeinschaft, die die Welt verbessern möchte und dafür jede helfende Hand gebrauchen könnte und jede Idee neue Ideen hervorbringt, davon ab, sich zu öffnen? Eigentlich nichts! Und doch werden unter Vorwänden wie Öffentlichkeitswirkung und Gruppendynamik Mauern um diese Gemeinschaften aufgebaut, die den eigentlichen Grundsätzen eben dieser Gemeinschaften widersprechen und ihnen so mehr Schaden zufügen, als ihnen zu helfen.

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All hackers are created equal 
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Trollversteher 01. Jun 2012

Die meisten "Geldeliten" sind irgendwann mal aus einer "Kompetenzelite" entstanden, und...

nobs 01. Jun 2012

Das ist halt die Frage: Was ist denn das Ziel einer solchen Gruppe? Ich glaube nicht dass...

kju 30. Mai 2012

Das Problem mit dem viele kleinere Hackerspaces zu kämpfen haben, ist dass die...

BrackCurly 30. Mai 2012

Dem kann ich auch nur zustimmen. Der Shack war zwar bisher der einzige Hackerspace den...



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