IMHO: Kickt die Alten aus Kickstarter!

Eigentlich ist es eine tolle Idee: Wenn die Publisher sich nicht trauen, mutige und innovative Projekte zu finanzieren, macht es eben die Spieleszene selbst - etwa mit Kickstarter. Allerdings könnte die Crowdfunding-Plattform zum Opfer ihres eigenen Erfolgs werden.

Artikel veröffentlicht am ,
Logo Kickstarter
Logo Kickstarter (Bild: Kickstarter)

Vielleicht war Tim Schafer mit Double Fine einfach zu erfolgreich: 400.000 US-Dollar hätten dem Branchenveteran für sein Adventure eigentlich gereicht, über 3,34 Millionen US-Dollar haben ihm fast 90.000 Unterstützer per Kickstarter bereitgestellt. Nun melden sich echte und vermeintliche Entwicklerlegenden - offenbar von dem unerwarteten Geldsegen aus dem Tiefschlaf geweckt - mit Geldbitten zu Wort. Der Verdacht, dass einige nur die Hoffnung auf das große Geld zu Kickstarter lockt, gefährdet das Vertrauen der Nutzer in die Crowdfunding-Plattform.

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Die Community bekommt beispielsweise plötzlich Einblick in die Pläne von Altstars, von denen sie möglicherweise zu Recht schon lange nichts mehr gehört hat. Uns ist jedenfalls nicht aufgefallen, dass sich Larry-Erfinder Al Lowe, Shadowrun-Macher Jordan Weisman oder Raumschifffan Garry Gaber in den letzten Jahren irgendwie auffällig um die Spielebranche gekümmert hätten. Weder haben die Herrschaften durch interessante Veröffentlichungen geglänzt, noch sind sie uns auf Tagungen, Konferenzen oder Messen mit bahnbrechenden Reden aufgefallen. Die Rolle des von den bösen Publishern verschmähten Künstlers mag auf die Altstars nicht so recht passen.

Unklar ist auch, warum ausgerechnet bekannte Designer mit mehrjähriger Branchenerfahrung und mutmaßlich besten Kontakten nicht anderweitig an Investorenkapital oder eine Publisherfinanzierung kommen. Bei Schafer ist das übrigens anders: Er hat sich immer wieder aus inhaltlichen Gründen wegen seiner Games mit Publishern wie Activision angelegt. Und er genießt zu Recht den Ruf, sich an frische und mutige Projekte zu trauen - mit ein bisschen gutem Willen kann man sich vorstellen, dass einer wie er das viele Geld sinnvoll einsetzt.

Zu überprüfen ist das allerdings kaum, denn das Geschäftsmodell von Kickstarter hat aus Sicht der Spielentwickler durchaus Ähnlichkeit mit einer Gelddruckmaschine: Der Kunde kauft ein Produkt, das noch lange nicht fertig ist. Er hat meist so gut wie keine Kontrollfunktionen und schon gar kein Rückgaberecht, etwa bei eklatanten Qualitätsmängeln. Ob ein Entwickler das Geld für aufwendige Grafik oder einen aufwendigen Lebensstil verbrät, lässt sich bestenfalls hinterher feststellen. Einige der Entwickler beteuern zwar, dass sie jeden Dollar in ihr Projekt stecken, aber wirkliche Transparenz gibt es natürlich nicht, und kann es wohl auch nicht geben.

Vertrauen ist gut

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Die Nutzer müssen im Wesentlichen darauf vertrauen, dass ihr Geld in dem Projekt gut angelegt ist. Und es ist grundsätzlich zu begrüßen, wenn die Community interessanten Projekten oder Persönlichkeiten ihr Vertrauen schenkt und hilft, Projekte jenseits des Mainstreams - die es natürlich ebenfalls gibt - zu finanzieren. Aber Vertrauen ist ein kostbares Gut, das schnell aufgebraucht sein kann, und genau das könnte der Spielebranche bei Kickstarter widerfahren, wenn zu viel Geld für bekannte Namen statt für überzeugende Konzepte fließt. Derzeit hat es den Anschein, dass dort fast jedes Projekt, für das ein prominenter Designer in einem gut gemachten Video um Geld wirbt, mehr als ausreichend Unterstützung findet.

Eine kleine vertrauensbildende Maßnahme versuchen Wasteland 2 und eine Reihe weiterer Projekte, die fünf Prozent der Einnahmen aus dem fertigen Produkt für neue Spiele auf Kickstarter bereitstellen wollen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, noch besser wäre es, fünf Prozent der Summe über dem Minimum-Geldziel an andere Projekte weiterzureichen. Auch diese Systeme schaffen allerdings keinen Anreiz für die um Geld bittenden Projekte, unter allen Umständen Topqualität abzuliefern.

Wirklich vertrauen werden die Nutzer der Plattform auf Dauer nur, wenn tatsächlich eine ausreichend große Anzahl wirklich guter Games erscheint und Tim Schafers Adventure, Wasteland 2 oder Shadowrun Returns die hohen Erwartungen erfüllen. Lediglich zur Finanzierung von Designern, die wohlige Erinnerungen an die Jugend wecken, ist das tolle Konzept von Kickstarter zu schade.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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dreamtide11 16. Apr 2012

Mist, leider erst viel zu spät gesehen den thread. Naja, ich geb meinen Senf trotzdem...

Sharra 12. Apr 2012

Ja man sollte meinen die alten Spielegiganten würden über Kontakte und Beziehungen...

irata 11. Apr 2012

Was hat Hand und Fuß? Der Golem-Artikel? "Wenn es regnet, ist es nass. " Das entspricht...

tangonuevo 11. Apr 2012

In dieser Generalität ist die Aussage offensichtlich wahr. Das interessante ist eher...

tangonuevo 11. Apr 2012

Wie bitte? Schafers DFA und andere haben genau das gleiche gemacht, special editions...



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