IMHO: Kampfansage an das Patentsystem

Die Ankündigung des Elektroauto-Pioniers Tesla Motors, seine Patente künftig freizugeben, ist nicht nur eine intelligente unternehmerische Entscheidung. Elon Musks Begründung ist eine Kampfansage an das Patentsystem als solches - man sollte sie genau lesen.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Tesla-Gründer Elon Musk bezweifelt den Sinn von Patenten.
Tesla-Gründer Elon Musk bezweifelt den Sinn von Patenten. (Bild: Heisenberg Media, Wikimedia Commons, CC by)

Vor wenigen Tagen hat Elon Musk, der CEO des Elektroautoherstellers Tesla Motors, angekündigt, dass alle Patente des Unternehmens künftig auch Konkurrenten zur Nutzung zur Verfügung stehen. Verbunden hat der Tesla-Chef die Ankündigung mit einer scharfen Kritik am Patentsystem - doch die hat offenbar kaum jemand gelesen. Zahlreiche Medienberichte drücken sich sichtlich darum, das Thema Patente grundsätzlich anzusprechen. Zu tief verwurzelt ist der Glaube an die innovationsfördernde Kraft des Patentsystems.

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Im Handelsblatt wird Musks Ankündigung als "techno-altruistisches Geschwurbel" bezeichnet. Die Welt bezeichnet Musk als den Steve Jobs der Automobilindustrie. Kaum eine Bezeichnung könnte Musk weniger gerecht werden, war es doch gerade Jobs, der die Patentkriege im Smartphonebereich durch zahlreiche Klagen gegen Hersteller von Android-Telefonen maßgeblich mit losgetreten hat.

Musk glaubte früher selbst an Patente

Elon Musk erklärt in seinem Blogbeitrag, dass er einst selbst an die innovationsfördernde Wirkung des Patentsystems geglaubt habe. Doch mit der Zeit sei ihm klargeworden, dass ein Patent keinesfalls gewährleiste, dass man seine Innovationen schützen kann. Es sei vielmehr vergleichbar mit einem Lotterieschein, denn ob man später einen Patentprozess auch gewinne, sei keineswegs klar. Schon früher hatte Musk bei dem von ihm konzipierten Transportsystem Hyperloop auf eine offene und patentfreie Entwicklung gesetzt.

Er habe bei Tesla nur widerwillig auf Patente gesetzt, aber geglaubt, dass dies im Bereich der Automobilindustrie nicht anders möglich sei, sagt er. Doch er habe festgestellt, dass sein größtes Problem nicht sei, dass seine Konkurrenten ebenfalls Elektroautos bauten. Vielmehr sei das größte Problem, dass die Mehrzahl weiterhin konventionelle Verbrennungsmotoren baue. An dieser Stelle wird auch klar, worauf Musk setzt: Eine höhere Verbreitung von Elektroautos insgesamt würde auch die für den Betrieb von Elektroautos nötige Infrastruktur stärken und könnte für Tesla selbst wieder zum Gewinn werden.

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Insbesondere einige Firmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche sollten sich diese Argumentation von Musk einmal genauer zu Gemüte führen. Denn hier könnte man es ganz ähnlich sehen. Das Problem der Solarindustrie ist nicht in erster Linie, dass andere Firmen ebenfalls Solarzellen herstellen. Das viel größere Problem ist, dass ein Großteil der Staaten weltweit weiterhin auf konventionelle Kraftwerke zur Stromerzeugung setzt. Doch gerade Firmen der Solarindustrie argumentieren heute häufig mit der Bedrohung durch die chinesische Konkurrenz, die so gerne den westlichen Firmen ihre Ideen klaut. Das ist oft garniert mit kaum zu überhörenden rassistischen Untertönen.

Rechtsstreitigkeiten behindern Innovation

Viele Firmen, die heute technologische Produkte herstellen, befinden sich in Dauerprozessen über Patentfragen. Das frisst Ressourcen, die für innovative Entwicklungen fehlen. Besonders im Fokus steht dabei immer wieder das Agieren sogenannter Patenttrolle: Firmen, die selbst überhaupt keine Produkte herstellen und Patente nur horten, um andere Firmen zu verklagen. Doch die Politik tut sich schwer damit, auf die Patenttrolle zu reagieren. In den USA wurde kürzlich eine geplante Patentreform, die derartige Geschäftsmodelle erschweren sollte, leider gestoppt.

Die Idee, dass Patente Innovationen schützen, wird viel zu selten hinterfragt. Dass ein unbestritten sehr innovatives Unternehmen wie Tesla hier einen anderen Weg geht, sollte Grund genug sein, sehr grundsätzlich über die Vor- und Nachteile des Patentsystems zu diskutieren.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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TeslaBegeistert 25. Jun 2014

Ich finde die Idee gut, dass Patente frei gegeben werden. Allerdings hat Tesla nur sehr...

Ach 20. Jun 2014

Ich denke seine altruistische Gesinnung ist nicht gespielt. Zum einen wegen dieses...

Crass Spektakel 20. Jun 2014

Sorry aber wenn Musks seine Patente einfach nicht einfordert dann schwächt er nur sich...

Crass Spektakel 20. Jun 2014

Was den meisten nicht bekannt ist, Brasilien ist sehr stark vom internationalem...



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