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IMHO: Heute Journal mit ChatGPT und Avatar im Schafspelz

Im Heute Journal des ZDF wurde ChatGPT für ein Interview genutzt. Mit einem miesen Avatar wurde ein falscher Eindruck über die Möglichkeiten von KI erweckt.
/ Andreas Donath
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Christian Sievers interviewte im heute journal den Avatar Jenny. (Bild: ZDF/Mockuup Studio/Golem.de)
Christian Sievers interviewte im heute journal den Avatar Jenny. Bild: ZDF/Mockuup Studio/Golem.de

Christian Sievers, Chefmoderator beim Heute Journal, führte am 30. April 2023 ein Interview(öffnet im neuen Fenster) mit einem besonderen Gast: ChatGPT antwortete. Weil es sich um einen Chatbot handelt, wurde auch noch ein Avatar sowie eine Sprachsynthese verwendet, was einen leicht unaufmerksamen Zuschauer annehmen lassen konnte, dass der Bot ein Gesicht hat und spricht. Hierbei traten die eigentlich ganz guten Antworten in den Hintergrund.

Im Thema ging es um künstliche Intelligenz, die Auswirkungen auf die Menschen und das World Wide Web, das 30 Jahre alt geworden ist.

Die Stimme des Avatars Jenny wirkte so unnatürlich und künstlich, dass jeder Zuschauer merken konnte, dass sich die maschinengenerierte Version deutlich von einem echten Menschen unterscheiden lässt. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Aktuelle Sprachsynthese-Modelle verwenden ebenfalls KI und lassen sich mit echten Stimmen trainieren.

Wer einen kostenlosen Einblick in die Fähigkeiten dieser Technik erfahren will, dem sei Elevenlabs empfohlen. Hier gibt es vorgefertigte Stimmen(öffnet im neuen Fenster) und die Möglichkeit, eigene Sprachsamples zum Trainieren(öffnet im neuen Fenster) zu nutzen.

Da bei anschließenden Texten, die in Sprache umgesetzt werden, auch Emotionen angegeben werden können, klingt das Ergebnis echt. Mittlerweile ist auch das größte Hindernis beseitigt: Bis vor kurzem konnte Elevenlabs vornehmlich Englisch, nun ist auch eine Generierung in Deutsch, Polnisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch und Hindi möglich.

Der Jenny-Avatar im Heute Journal war auch durch eine unnatürliche Mimik gekennzeichnet, die aktuell so nicht mehr notwendig ist. Die gezeigte Qualität erreichte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zusammen mit dem Suchmaschinenbetreiber Sogou schon Ende 2018.

Ist KI wirklich so schlecht?

Beim unbedarften Zuschauer blieb der Eindruck, dass KI noch nicht so weit ist, die Qualität der Textgenerierung trat in den Hintergrund und letztlich wurde das Thema KI verharmlost. Die Gefahr durch Deepfakes, Bias, vorgefertigten Meinungen und Urheberrechtsverletzungen wurde nicht einmal ansatzweise touchiert. So sieht Beruhigungsfernsehen aus, Aufklärung und neutrale Information über die aktuellen Möglichkeiten, die durchaus demonstrierbar gewesen wären, blieben unter dem Tisch.


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