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Rekordstrafe: Google droht der EU-Kommission - und sollte sich schämen

Die gerade verhängte Rekordstrafe der EU von 4,34 Milliarden Euro macht Google sauer. Die Argumente, die CEO Sundar Pichai nun dagegen anführt, werden aber weder die EU-Kommission noch die Öffentlichkeit überzeugen.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Google wollte einst nicht böse sein.
Google wollte einst nicht böse sein. (Bild: Tangi Bertin/CC-BY 2.0)

Den Blogeintrag, den Google im Namen seines CEO Sundar Pichai gerade veröffentlicht hat, ist konziliant formuliert, aber deutlich in der Sache: "Bisher hat das Geschäftsmodell von Android dazu geführt, dass wir Smartphone-Herstellern unsere Technologie kostenfrei anbieten konnten", heißt es darin, "wir befürchten aber, dass die heutige Entscheidung die empfindliche Balance, die wir mit Android gefunden haben, durcheinander bringen und ein Signal für proprietäre Systeme und gegen offene Plattformen senden wird."

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Diese Woche hatte EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager eine Rekordstrafe in Höhe von 4,34 Milliarden Euro gegen Google verhängt, unter anderem weil das Unternehmen Gerätehersteller vertraglich daran hindere, alternative Browser, Suchmaschinen oder Android-Forks auf ihren Smartphones auszuliefern.

Aussage gegen Aussage

In seiner Replik widerspricht Googles CEO nun zentralen Ergebnissen der EU-Untersuchung: Smartphone-Hersteller seien gar nicht gezwungen, Google-Dienste mitzuliefern, "es steht ihnen frei, auch Apps von Wettbewerbern parallel zu unseren vorzuinstallieren." Laut EU-Kommission hätten Hersteller dagegen ausgesagt, sie verlören die Lizenz für Googles Playstore, wenn sie andere Browser als Google Chrome oder alternative Suchmaschinen auf ihren Geräten auslieferten. Ohne den Playstore lässt sich ein Android-Smartphone heute kaum verkaufen.

Was davon nun stimmt, wird vermutlich erst ein mit großer Wahrscheinlichkeit folgendes Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof klären. Wer sich Pichais Argumente ansieht, dem müssen jedoch Zweifel an der Ehrlichkeit der Darstellung von Google kommen.

Freiheit, die keine ist

Pichai zufolge wird ein typisches Smartphone heute "mit 40 Apps von verschiedenen Entwicklern" ausgeliefert (was durchaus stimmen kann) und Nutzer können diese vorinstallierten Apps "einfach deaktivieren oder löschen und andere Apps auswählen", wenn sie dies wünschen. Das Deaktivieren dürfte funktionieren, aber löschen lassen sich die meistens als System-Apps markierten Google-Dienste nicht so leicht, zumindest so lange ein Gerät nicht gerootet ist. In der Praxis bedeutet das vor allem auf preisgünstigeren Telefonen, dass ein Großteil des knappen internen Speichers bereits mit Gmail, Google Maps und Co. belegt ist. Nachdem noch einige Gigabyte für die Chathistorie diverser Messenger draufgehen, bleibt für alternative Browser oder gar Karten-Apps oft kein Platz.

"Ein typischer Android-Nutzer installiert in Wirklichkeit rund 50 Apps selbst nach", argumentiert Pichai dagegen und verweist auf die über 100 Millionen Mal, die Firefox und Opera Mini aus dem Playstore heruntergeladen wurden. Das klingt, als wäre es viel, ist es aber nicht. Googles eigenen Zahlen zufolge gab es alleine im Jahr 2017 zwei Milliarden aktive Android-Geräte. Zählt man alle seit dem Marktstart des Systems im Jahr 2008 aktiven Geräte zusammen, dürfte der Anteil von Firefox oder Operas Browser auf ein Prozentanteil im Nachkommabereich zusammenschrumpfen.

Nichts funktioniert ohne Google Apps?

Aber die Kompatibilität! Android sei deswegen so erfolgreich, weil überall die gleichen Apps laufen, egal von welchem Hersteller das Gerät stammt, argumentiert Pichai. "Das ist nur dank ein paar einfacher Regeln möglich, welche die technische Kompatibilität sicherstellen." Die vorinstallierten Google Apps seien notwendig, damit Smartphones "einfach out-of-the-box funktionieren". Als ob Googles Suchleiste auf dem Startbildschirm oder die Gmail-App notwendig seien, damit ein Android-Gerät rund läuft. Das ist natürlich Unsinn!

Nun ja, die Hersteller müssten diese Regeln ja gar nicht befolgen, sagt Google, sie könnten Android ja nach Belieben anpassen, so wie es Amazon mit seinem FireOS getan habe. Seltsam nur, dass die EU-Kommission just Amazon als Beispiel für einen Hersteller anführt, der erfolglos versucht habe, seinen Android-Fork auch an andere Smartphone-Hersteller zu lizenzieren. Demnach hätten diese abgelehnt aus Angst, ihre Playstore-Lizenz zu verlieren, wenn sie FireOS-Geräte bauten.

Vollends abwegig wird Pichais Argumentation, wenn er schreibt: "Wenn Smartphone-Hersteller und Mobilfunkanbieter unsere Apps nicht mehr (...) vorinstallieren könnten, würde dies die empfindliche Balance des Android-Ökosystems durcheinander bringen". Dabei impliziert er, die EU-Kommission wolle Google Apps verbieten. In Wirklichkeit haben die Wettbewerbshüter überhaupt nicht angekündigt, Herstellern das Vorinstallieren von Google-Diensten untersagen zu wollen. Sie sollten bei den Apps lediglich die Wahlfreiheit haben, ohne wegen Googles Lizenzbedingungen von der Nutzung des Playstores ausgeschlossen zu werden.

Der überhebliche Monopolist

Tatsächlich braucht Google die vorinstallierten Apps als billige Cash-Maschine. Natürlich könnten viele Nutzer einfach einen anderen Browser oder eine alternative Suchmaschine nutzen. Tun sie aber nicht, und das hat nicht (nur) mit der Qualität der Suchergebnisse zu tun. Den Ergebnissen der EU-Kommission zufolge suchten 2016 über 95 Prozent aller Android-Nutzer via Google. Auf Mobilgeräten mit Windows dagegen nutzten über 75 Prozent aller User die durch Microsoft vorinstallierte Suchmaschine Bing.

Google weiß: Wer auf der Mehrheit der Geräte vorinstalliert ist, macht das Rennen. Auch deswegen überweist das Unternehmen nach einer dreijährigen Pause seit 2017 wieder Hunderte Millionen US-Dollar jährlich an Mozilla (die genaue Summe ist offenbar unklar), um in Firefox weiterhin die Standard-Suchmaschine zu sein. Nun so zu tun, als würde das Verbot dieses unfairen Wettbewerbsvorteils dazu führen, dass sich Google den kostenfrei erhältlichen Android-Code nicht mehr leisten könne, ist schimpflich für einen Konzern dieses Kalibers.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



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J_C 01. Sep 2018

Entwicklung kostet Geld. Entweder wird mit Werbung finanziert, oder muss dafür Geld...

Eisboer 25. Jul 2018

Zitat "Das Deaktivieren dürfte funktionieren, aber löschen lassen sich die meistens als...

koflor 25. Jul 2018

Android an sich ist zwar OpenSource, das was Google daraus macht, hat aber nichts mehr...

teenriot* 24. Jul 2018

Vielleicht liest du dir deinen Kommentar weiter oben noch ml durch. Könnte ja sein, das...

SupaIgel 24. Jul 2018

YouTube als service ist vermutlich mit der Marktmacht unumgänglich, schaue dort natürlich...


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