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Deutsche Behörden interessieren sich für Predictive Policing

Polizist Schürmann hat dies ebenfalls festgestellt - und geht noch einen Schritt weiter, "vor die Lage", wie es im Polizeijargon heißt. Ihm geht es auch um Predictive Policing. Nordrhein-Westfalen schaut sich derzeit weltweit Projekte aus diesem Bereich an und führt in zwei Polizeibezirken - Köln und Duisburg - entsprechende eigene Forschungsprojekte durch. Die Projekte sollten ausdrücklich "explorativ" sein und "externe Datenquellen" erschließen, so Schürmann.

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In den USA ist das Einbeziehen sozialer Netzwerke in die Lagebeurteilung seit Jahren in vielen Städten polizeiliche Realität. Aus deutscher Datenschutzperspektive denkbare Berührungsängste gibt es dort nicht. Vor dem Täter vor Ort sein - mit Hilfe zahlreicher offener und verdeckter Datenquellen - ist für amerikanische Polizisten gleichermaßen verlockend wie bequem. Und für deutsche Polizisten inzwischen ebenfalls. Das zeigt, dass die wirklich interessanten Diskussionen hinter den Kulissen längst nicht mehr über die Vorratsdatenspeicherung geführt werden, sondern über die Nutzung von Daten aus dem gesamten digitalen Spektrum.

Kein Mangel an Daten, sondern an Ideen

Sowohl die technischen Entwicklungen als auch die polizeilichen Diskurse zeigen, dass es schon heute mit Sicherheit nicht an Daten fehlt, sondern an intelligenten Konzepten. Dies gibt auch die Polizei in NRW zu: Es mangele vor allem an entsprechenden Verfahren und empirischen Tauglichkeitsnachweisen, nicht jedoch an den rechtlichen Möglichkeiten, so die Einschätzung. Wie weit man hier gehen will, ist die Frage, die gesamtgesellschaftlich geklärt werden muss.

Da es perfekte Sicherheit nicht gibt - auch nicht bei keineswegs wünschenswerter Vollüberwachung und noch so guter Technik - sind letztlich Grenzen und Unsicherheiten hinzunehmen. Deshalb gilt auch im Falle von VDS, digitaler Forensik und Predictive Policing: Von vermeintlich einfachen Heilsversprechen sollte man sich nie blenden lassen. Lange Zeit glaubte man an eine Art magische Unfehlbarkeit des Bildes - bis jemand auf die Idee kam, von einer Fotografie einfach etwas wegzuschneiden und somit die repräsentierte "Wahrheit" zu manipulieren.

Die VDS ist kein Wundermittel

Die klassische Vorratsdatenspeicherung mag für viele Praktiker heute auf den ersten Blick genauso plausibel erscheinen wie einst das vermeintliche Wundermittel Videoüberwachung oder eben auch die Fotografie, doch sind zahlreiche Nachteile und Probleme dieser Werkzeuge inzwischen wohlbekannt und nicht mehr wegzudiskutieren - der EuGH hat in seinem Urteil eine ganze Menge davon ausformuliert.

Digitale Daten sind keinesfalls per se valider als analoge Erkenntnisse. Sie sehen aufgrund ihrer unzweideutigen Aussage, ihres klar bestimmbaren Werts, ihrer fehlenden Unschärfe und ihrer automatisierten Verarbeitung oftmals nur so aus. Man muss sie aber nicht nur kontextuell - so wie alle Spuren - bewerten, sondern auch im Rahmen ihrer Eigengesetzlichkeiten. Und dazu braucht man mehr als nur ein gesetzlich verordnetes Werkzeug und einen Schnellkurs im Bedienen der dazugehörigen Software. Die VDS wäre ohnehin nur ein immer kleiner werdender Baustein von vielen gewesen und eben nicht eine Art Allzweckwaffe zur Bekämpfung von Internetkriminalität.

Die klassische VDS ist hinfällig

Ganz gleich, wie viele Argumente aus welcher Richtung gegen oder für die alte VDS-Idee sprechen: die Digitalisierung ist längst einen Schritt weiter, weshalb es aus Sicht vieler Kriminalisten Zeit sein dürfte für einen neuen Weg. Dieser wäre mehr Konzept als Einzelwerkzeug, berücksichtigt das Phänomen Digitalisierung und seine Wirkung auf Mensch und Gesellschaft in Gänze und konzentriert sich nicht mehr auf Telefon- oder IP-Metadaten, sondern auf sämtliche computerforensischen Möglichkeiten, auf klassisches Data Mining ebenso wie auf innovative Möglichkeiten und Grenzen des Predictive Policing.

Digitalisierung bietet weit mehr Möglichkeiten, aber eben auch Herausforderungen als "klassische" Telekommunikation, die Daten haben aus technischer Sicht aber immer einen gemeinsamen (digitalen) Nenner, und damit erschafft das Verständnis für das große Ganze auch im Kleinen vielerlei Lösungsansätze. Spätestens mit der (in NRW gerade begonnenen) behördlichen Institutionalisierung dieser Erkenntnisse scheitert die Speziallösung Vorratsdatenspeicherung bereits an der veränderten Erforderlichkeit.

Sie ist in der Folge als singuläres Werkzeug schlicht überflüssig, zugunsten eines ganzheitlich gestalteten sowie effektiveren, akzeptableren und vor allem zukunftssicheren Konzepts einer intelligenten digitalen Analyse, welche zur dringend notwendigen gesamtgesellschaftlichen Gestaltung von Digitalisierung beiträgt. Ob dies alles "feiner als das Bauchgefühl" eines Kriminalisten sein kann und "effizienter als ein Kriminologe", so die angeblichen Erkenntnisse aus entsprechenden Projekten des Los Angeles Police Departments, bleibt abzuwarten. Harmloser als anlasslose Pauschalüberwachung dürfte es auf jeden Fall sein.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

 Datenquellen gibt es überall
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irrelevant 13. Aug 2014

Bei der Formulierung "Wer sein Smartphone zum Tatort mitnimmt, darf sich nicht...

Nerd_vom_Dienst 12. Aug 2014

Dann erklär mal wie man an einen Emailaccount kommt, dessen Existenz und Nutzung...

saddy 12. Aug 2014

Sagt mal habt ihr alle was verpennt oder ich? Ich dachte die Bestandsdatenauskunft wäre...

Zwangsangemeldet 12. Aug 2014

Wenn Predictive Policing grundrechtskonform umgesetzt werden soll, heißt das ja, sich...

__destruct() 11. Aug 2014

Da fehlt ein Komma in der Schrift im Bild.


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