IMHO: Die Telekom will Kontrolle über Inhalte im Internet

Nicht die Kosten für den Breitbandausbau, sondern die Kontrolle über die Inhalte sind die wahren Gründe für das Ende der Flatrate bei der Telekom. Das ist gefährlich, weil es das Prinzip der Netzneutralität zerstört - und das geht jeden an.

Artikel veröffentlicht am ,
Einen so zerbastelten Internetanschluss will niemand haben.
Einen so zerbastelten Internetanschluss will niemand haben. (Bild: Nico Ernst/Golem.de)

Netzneutralität ist ein sperriger Begriff - zugegeben. Aber es ist eines der grundlegenden Prinzipien, auf denen das Internet, wie wir es heute kennen, basiert: Jeder Provider leitet Daten von jedem anderen weiter, unabhängig vom Inhalt. Das Internet ist nicht nur eine mehr oder weniger gut funktionierende Anhäufung von Kabeln, Routern und Rechnern, sondern auch ein System, das auf die Netzneutralität angewiesen ist.

Die will die Telekom aber nicht mehr garantieren. Wenn bei den Drosseltarifen, die für Privatkunden ab dem 1. Mai 2013 mit neuen Verträgen gelten sollen, das Kontingent aufgebraucht ist, haben Telekom-Daten Vorrang vor anderen. Denn Spotify, Entertain und VoIP-Telefonie, Dienste, welche die Telekom selbst anbietet, werden von der Drossel nicht erfasst, alles andere aber schon, insbesondere das Streaming von Videos.

Darin liegt auch der Grund für die Bandbreitenbeschränkung auf 384 Kilobit pro Sekunde - damit sind heute auch pixelige Youtube-Videos nicht mehr vernünftig nutzbar. Das nervt, und am Ende zahlt der Kunde dann einen Aufpreis, nur um andere Dienste als die der Telekom ohne Einschränkung nutzen zu können.

Damit wird der Zugang zum Internet, den man auch als Menschenrecht betrachten kann, mit Inhalten verknüpft, die vom selben Anbieter stammen. Für Telekom-Kunden gibt es künftig ein schnelles Internet, in dem der Provider bestimmt, was läuft, und ein langsames, das dem entspricht, was die Kunden ungedrosselter Provider sehen. Auch wenn der Konzern das noch so sehr leugnen mag: Das bedeutet das Ende von Netzneutralität.

Bis die Drossel im Jahr 2016 umgesetzt wird, dürften alle Telekom-Kunden sie in ihren Verträgen stehen haben, denn bis dahin sind die üblichen zwei Jahre Vertragslaufzeit für alle Nutzer abgelaufen. Zudem will das Unternehmen analoge Festnetzanschlüsse abschaffen und nur noch VoIP-Telefonie anbieten. Dafür muss der Kunde ohnehin einem neuen Vertrag zustimmen.

Es ist bezeichnend, dass nach unbestätigten Angaben auch Vodafone als größter Konkurrent bei der Drosselung des Internets mitmachen wollte, das nun aber fix dementiert hat. Der Anschlag auf die Funktionsweise des Netzes ist so verheerend, dass die anderen das den rosa Riesen mal lieber alleine ausprobieren lassen. Wenn die Telekom damit durchkommt, werden alle Konkurrenten nachziehen.

Auf der politischen Agenda steht die Netzneutralität trotz ihrer häufigen Erwähnung in Sonntagsreden viel zu weit unten. Es liegt an den Nutzern, das bis zur Bundestagswahl in fünf Monaten zu ändern. Sich nur auf Twitter über die #Drosselkom lustig zu machen, reicht nicht. Von der gegenwärtigen Bundesregierung ist nicht mehr zu erwarten, dass sie sich des unbequemen Themas annimmt. Auch gerade deswegen, weil die Bundesrepublik mit 15 Prozent der zweitgrößte Anteilseigner des ehemaligen Staatsmonopolisten ist. Größter ist die staatliche KfW-Bankengruppe, zusammen halten KfW und Bundesrepublik 32 Prozent an der Telekom.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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Anonymer Nutzer 29. Apr 2013

Welche Dienste denn? Stell mir gerade das Gesicht des Admins vor der bei nem peak von...

pholem 26. Apr 2013

Und ich wünsche dir politische Bildung. Sagt dir der Name Jimmy Schulz etwas? Falls...

Himmerlarschund... 25. Apr 2013

Klassischen Denkfehler meinerseits :-)

redwolf 24. Apr 2013

Eben. Wenn die Leitungen nicht mehr hergeben, soll die Telekom nicht so große Bandbreiten...



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