IMHO: Die dunkle Seite der Netzwirtschaft

Mehrere Startup-Gründer und Netzprominente haben sich in letzter Zeit das Leben genommen. Die Webwirtschaft sollte sich fragen, ob sie derartige Schicksale provoziert.

Artikel veröffentlicht am , Martin Weigert/netzwertig.com
Twitter-Profil von Startup-Gründer Jody Sherman, der sich das Leben genommen hat
Twitter-Profil von Startup-Gründer Jody Sherman, der sich das Leben genommen hat (Bild: Twitter/Screenshot: Golem.de)

"Müssen wir über Selbstmord reden?", fragte Webunternehmer Jason Calacanis kürzlich rhetorisch nach dem Tod des Startup-Gründers Jody Sherman. Ja, das müssen wir, denn der Mitbegründer des auf nachhaltige Produkte spezialiserten E-Commerce-Angebots Ecomom ist nicht der einzige bekannte Kopf aus der Webwelt, der sich in jüngster Zeit das Leben nahm. Erst zu Jahresbeginn schockierte der Freitod des Reddit-Gründers und Internetaktivisten Aaron Swartz die Netzgemeinde. Gut ein Jahr vorher beging mit Ilya Zhitomirskiy einer der Gründer des dezentralen Social Networks Diaspora Suizid.

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Vielleicht waren die Gründe der drei für ihren Suizid ganz verschieden. Doch ihre Gemeinsamkeit, nämlich dass alle drei bekannte Persönlichkeiten der digitalen Sphäre waren, sollte Anlass sein, darüber nachzudenken, was unser Bild von der Startup-Szene damit zu tun haben könnte. Und ob diese übertriebene Euphorie, die das mediale und öffentliche Bild der Startup- und Netzwirtschaft oft begleitet, dazu führt, dass viele Menschen der Illusion von schnellem Ruhm und Reichtum erliegen, ohne die Schattenseiten des Entrepreneur-Daseins und Online-Engagements zu bedenken.

Zig Millionen- und Milliardenexits, radikal gesunkene Kosten für das Launchen von Webfirmen und die zunehmende Sexiness des Titels "Startup-Gründer" motivieren eine Vielzahl von Menschen dazu, im digitalen Raum ihre Visionen zu verwirklichen, Firmen aufzubauen und ambitionierte Projekte zu realisieren. Natürlich ist das toll und essenziell, denn kreative, ideenreiche und in neuen Bahnen denkende Gründer spielen eine wichtige Rolle dabei, die mannigfaltigen Herausforderungen unserer Zukunft auf diesem Planeten zu lösen.

Doch Schattenseiten des Gründerdaseins gibt es viele, wie diese Präsentation zusammenfasst. Titel: "Werde kein Unternehmer, es sei denn, du bist verrückt". Tenor: Wer gründet, muss unglaublich viele Opfer bringen, während die Erfolgschancen statistisch gesehen äußerst gering sind. Nach dem Suizid von Jody Sherman wurden große finanzielle Löcher in der Bilanz seines Unternehmens entdeckt - zur Überraschung der Investoren und der 28 Angestellten. Pandodaily-Chefredakteurin Sarah Lacy, die laut eigenem Bekunden mit Sherman befreundet war und ihn als sehr ehrliche, hohen ethischen Werten folgende Persönlichkeit beschreibt, berichtete vor einigen Tagen von einer bevorstehenden Schließung von Ecomom in Folge der jetzt aufgeflogenen desaströsen finanziellen Lage.

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Was genau Sherman in den Selbstmord getrieben hat, ist bisher nicht klar. Ganz offensichtlich hatte das von ihm gegründete Unternehmen große Probleme, wobei den jetzt erscheinenden Berichten zufolge nur wenige Personen darüber Bescheid wussten. Selbst die Geldgeber wussten nichts. Welche anderen Sorgen den verheirateten 48-Jährigen auch belasteten - der Druck auf ihn wird sich durch die Situation bei Ecomom nicht gerade verringert haben. Vielleicht trug er zu der Hoffnungslosigkeit bei, die Sherman schließlich zur Waffe greifen ließ.

Wie unmittelbar die Schicksale von Sherman, Swartz und Zhitomirskiy mit ihrem beruflichen Treiben zu tun hatten, spielt für diese Betrachtung aber gar keine so große Rolle. Allein dass dieser Gedanke in Anbetracht der Arbeits- und Lebensumstände vieler Entrepreneure und Macher so plausibel wirkt, verdeutlicht, dass es sich lohnt, das Thema zu diskutieren. Auch, um eine Fortsetzung dieses traurigen Trends zu verhindern.

Bei all der "Awesomeness", bei allen wilden Partys, farbenfrohen, lebenslustigen Designs und täglichen Erfolgsmeldungen über Meilensteine, Finanzierungsrunden und Übernahmen darf man eben nicht vergessen: Auf jeden knallenden Sektkorken kommt mindestens ein von schlaflosen Nächten geplagter Jungunternehmer, der nicht weiß, wie sein Unterfangen noch zu retten ist. Und bei einer Startup-Feier werden viele Flaschen geöffnet.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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Th3Dan 21. Feb 2013

Ich setze nirgends etwas gleich, sondern vergleiche lediglich - Das ist ein kleiner aber...

bofhl 19. Feb 2013

Für stellt sich bei dem ganzen eher die Frage, ob nicht die Gründe, die diese Personen...

globalplayer 19. Feb 2013

Wohl eher: grenzwertig.com ;-O

PhilSt 18. Feb 2013

Was soll den so ein Quatsch? Manager jeder Art hatten schon immer einen hohen Platz in...

Trockenobst 18. Feb 2013

Dem man in der Regel mit dem häßlichen Downsizing begegnet. Warum eine Bude die...



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