Gefahr falscher Prioritätensetzung

Die Lage stellt sich derzeit so dar, dass sich ein Großteil der an dem Berlin-Boom beteiligten Internetfirmen mit der Entwicklung von Anwendungen beschäftigt, die sich bisher als wenig lukrativ erwiesen haben. Nun kann niemand ausschließen, dass sich dies nicht eines Tages doch noch als clevere Vorgehensweise herausstellen wird. Momentan aber steuert die Hauptstadt langsam auf ein Akzeptanzproblem zu: Immer neue Social-Apps werden entwickelt, ohne jedoch wirklich das zu erreichen, was man als durchschlagenden Erfolg bezeichnen würde - zumindest nicht innerhalb der Zeitspanne, die man aus der Erfahrung mit ähnlichen Diensten aus den USA instinktiv als Maßstab anlegen würde.

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Vielleicht entgeht mir die Genialität der Strategie, haufenweise soziale Special-Interest-Apps zu entwickeln, und womöglich kommt der Tag, an dem sich dieser Beitrag als großer Irrtum erweist. Aus heutiger Sicht glaube ich, dass Berlin auf die Anerkennung und Aufmerksamkeit der Webwirtschaft auf der anderen Seite des Atlantiks angewiesen ist - schon weil dort das meiste Risikokapital zu holen ist. Doch wenn Interessierte bei den einschlägigen US-Techmedien den Eindruck bekommen, die deutsche Hauptstadt spezialisiere sich in einer Disziplin, die das Silicon Valley schon längst perfektioniert hat, dann ist dies nicht unbedingt gute Werbung.

Berlin benötigt mehr echte Tech-Innovation

Mit mehr disruptiven, technologielastigen und echte Probleme lösenden Startups wäre die Stadt derzeit deutlich besser bedient und könnte sich als neuer Topstandort für die Internet- und IT-Welt profilieren. Und einige gibt es ja: Upcload mit seiner webcambasierten Körpervermessung, der Smartphone-Solarstromerzeuger Changers oder das iPad-Kassensystem Orderbird sind Beispiele für reizvolle, innovationsgetriebene Ideen, die zwar mehr Risiko beinhalten, aber der Hauptstadt auch ein deutlich spannenderes Profil als Tech-Hotspot verleihen.

Akzeptanz für Berlin als Startup-Metropole schaffen

Verfolgt man in Blogs und Blogkommentaren, bei Facebook und Twitter die Reaktionen hinsichtlich des nun seit einigen Jahren anhaltenden Berlin-Hypes, finden sich immer wieder auch teilweise sehr kritische Stimmen. Nicht selten handelt es sich dabei schlicht um Neider, notorische Nörgler oder eindimensional denkende Gründer, die nicht verstanden haben, dass eine Idee ohne das passende Netzwerk nichts wert ist. Dennoch würde es dem Standort Berlin nutzen, auch in anderen Landesteilen mehr moralische Unterstützung zu erhalten. Das beste Mittel: einzigartige Startup-Ideen mit Substanz und weltweitem Disruptionspotenzial verwirklichen. Klar, das ist nicht einfach und lässt sich nicht einfach "von oben" anordnen. Schlüsselpersonen wie etwa Christophe Maire oder die in Berlin niedergelassenen VC-Gesellschaften könnten aber Signale setzen. Ginge die Entwicklung in diese Richtung, würde sich Berlins Position und Nachhaltigkeit als Internet- und Technologie-Metropole immens verbessern - mit sämtlichen damit verbundenen positiven Folgen für alle Beteiligten.

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Martin Weigert ist seit April 2010 der verantwortliche Redakteur für Netzwertig.com, wo der Artikel zuerst erschien. Er hat Wirtschaftskommunikation studiert und beschäftigt sich seit 1999 intensiv mit dem Internet. Neben neuen, innovativen Web-Startups beobachtet er die generelle Entwicklung des Netzes und der Digitalisierung und analysiert große wie kleine Tendenzen, die mit der globalen Vernetzung einhergehen. Martin Weigert bloggt außerdem privat auf www.martinweigert.com und twittert unter @martinweigert.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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 IMHO: Die Berliner Startupszene hat ein Akzeptanzproblem
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pholem 04. Sep 2012

Das ist zu einfach und kurz gedacht. Menschen kaufen / nutzen ständig Dinge, die sie...

Anonymer Nutzer 04. Sep 2012

Likemind, Toast, Amen, EyeEm, Readmill, Gidsy, Wunderkit, Loopcam, Moped ... schaffen es...

Suckerpunch 03. Sep 2012

Journalismus, Denkanstöße, Stoff zum Diskutieren ? Wenn du von niemanden die Meinung...

berritorre 03. Sep 2012

Ach, Berlin bildet sich tatsächlich was auf seine Grösse ein? Wirklich? Wieviele...



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