IMHO: Crowded!

Irgendwann 2014: Pünktlich um 7 Uhr beginnt mein Kopfkissen leicht zu vibrieren und nach ein paar Minuten kräftig zu rütteln. Da ich schlecht höre, ziehe ich einen Baboomi einem klassischen Wecker vor, denn er weckt nur mich und nicht auch noch meine Freundin. Nebenbei bemerkt: Selbst wenn das Pärchenarmband Taptap Erfolg gehabt hätte, ich zähle nicht zum Kundenkreis. Vibrationen per Knopfdruck ersetzen meiner Ansicht nach keinen echten Menschen. Außerdem trage ich schon eine CST-01 -Armbanduhr; ich finde Smartwatches wie Pebble zu klobig.
Die Brille liegt nicht auf dem Nachttisch, und auf Anhieb weiß ich auch nicht, wo ich sie abgesetzt habe. Ein Loccamini wollte ich nicht an meine Brille kleben, denn "mini" ist in diesem Fall noch viel zu groß. Hätte ich doch bloß gestern Abend einem Kapture -Armband erzählt, wo meine Brille ist, aber ich habe keines gekauft - ich trage schließlich schon eine Armbanduhr. Also greife ich nach meinem Smartphone, um per Smart Light Dimmer mein Licht einzuschalten; die Sonte -Folie an meinen Fensterscheiben bleibt im Schlafzimmer wie immer opak.

Smartphoneständer und Einbrecher
Da ich aber gestern nach ein, zwei Bier zu viel noch bis in die Puppen mit dem Keyprop - einer Kunststoffhalterung für den Schlüsselbund, die das Smartphone für die Videowiedergabe aufbockt - Filme geschaut habe, hielt der Akku nicht bis heute früh durch. Wenig tröstlich: Ich muss meine Schlüssel nicht suchen und spare mir den Kauf eines Wallet Trackr , den ich für 30 US-Dollar ohnehin viel zu teuer finde.
Außerdem habe ich in diesem Moment andere Sorgen, denn es kommt mir so vor, als würde jemand knarzenden Schrittes durch meine Wohnung marschieren. Ich bin erleichtert, als mir einfällt: Ich habe einen Canary und mehrere Wimotos gekauft, die mein Zuhause gegen Einbrecher schützen.

Ein Blick auf die Wimoto-Variante Climote zeigt mir, dass die Luftfeuchtigkeit sehr gering ist. Ein Thermodo würde wohl meine Vermutung bestätigen, dass es im Schlafzimmer furchtbar warm ist. Die Kopfhörerbuchse meines Smartphones ist jedoch schon durch ein Pressy belegt. Dieser Zusatzknopf soll Akkuleistung sparen und die Usability erhöhen, bringt aber nichts, wenn der Akku leer ist.
Leuchtende Pflanzen und sprechende Mützen
Kickstarter hin, Indiegogo her: Ich schwinge mich aus dem Bett, schalte das Licht ein und reiße das Fenster auf. Meine Ring Clock zeigt zehn nach sieben an. Mangels Induktionsherdplatte kann ich übrigens nicht ausprobieren, ob sich der Ring auch dort aufladen lässt oder nur auf der mitgelieferten Qi-Station. Da ich gestern das erste Mal meinen Brewbot ausprobiert habe, ist mir nach einem Frühschoppen. Der Bierbrau-Roboter unterstützt kein Android, deswegen musste ich auf das iPhone meiner Freundin ausweichen. Die war beim Kaufpreis von schlappen 1.700 US-Dollar selbstverständlich sofort bereit, ihr Whatsapp-Kaffeekränzchen für meine Brewbot-Gehversuche zu opfern. Okay, ich musste ihr versprechen, einen Memi -Armreif zu kaufen und wollte ihr gestatten, eine Topfpflanze auf die heiligen Lautsprecher zu stellen. Die als Kompromiss gedachte leuchtende Variante wurde aber nicht ausgeliefert.
Zurück zum Bier: Neben dem Brewbot liegt meine Brille, eine Ion Glasses mit Sehstärke. Die LED im Inneren des Bügels zeigt mir, dass ich in der Nacht neue Nachrichten erhalten habe. Vielleicht möchte jemand per Crowdfunding einen Spiegel finanzieren, der mir die neuen E-Mails anzeigt und sich mit der elektrischen Zahnbürste bedienen lässt? Mit geladenem Smartphone mache ich mich wenig später auf den Weg zur Arbeit, auf die Cynaps-Basecap verzichte ich meiner Frisur zuliebe und telefoniere lieber klassisch.
Ein Run-n-Read -Stirnband würde ich aufsetzen, damit ich per Dark Mail verschlüsselte Nachrichten lesen kann. Den Client gibt es aber derzeit noch nicht, das gilt auch für den abhörsicheren Messenger Hemlis .
Unterwegs mit Crowdfunding
Da das Wetter zu dieser Jahreszeit zu wünschen übrig lässt, bleibt mein Rennrad samt Atom-Ladegerät für das Smartphone daheim stehen - dabei hätte ich zu gerne gesehen, wie die Reaktionen auf das Beleuchtungssystem Monkey Light Pro ausfallen. Allerdings müsste ich dafür selbst strampeln, da das Flykly-Hinterrad mit der Kettenschaltung nicht kompatibel und mir der Fahrradantrieb Rubbee zu unhandlich ist.

Schlössern wie dem Lock8 oder dem Bitlock stehe ich skeptisch gegenüber. Ein physikalischer Schlüssel ist mir lieber, ein Bike-Spike -GPS-Modul und eine Rideye -Blackbox habe ich dennoch als Sicherheit angebracht und schütze mich mit dem Fahrradhelm Lifebeam Smart , der zudem meinen Puls misst - im Berliner Verkehr ebenso wichtig wie eine Blink/Steady(öffnet im neuen Fenster) -Rückleuchte. Um die wenigen Meter Fußweg bis zur U-Bahn-Station sinnvoll zu nutzen, würde ich gerne die Solepower-Schuhsohle mit dem Genneo-Lineargenerator kombinieren, allerdings gibt es die Sohle noch nicht verfügbar und die Kampagne für Genneo ist gescheitert.
Die Qual der Wahl
Den größten Teil des Tages, die Arbeit, überspringe ich an dieser Stelle, denn ich habe 2013 tatsächlich kein Crowfunding-Projekt gefunden, das meinen Arbeitsalltag nennenswert bereichern würde. Allerdings sei erwähnt, dass ich überlege, mir einen Lernstift zuzulegen, da ich meine handschriftlichen Notizen zur Planung für die Unterhaltungselektronikmesse CES zwei Tage nach ihrer Anfertigung kaum noch entziffern kann.
Auf dem Heinweg überlege ich mir, mit welchem Spielesystem ich heute Abend welche Titel zocken soll. Als erstes kommt mir Star Citizen in den Sinn, mehr als das Hangar-Modul gibt es aber trotz mittlerweile rund 35 Millionen US-Dollar noch nicht. So richtig Spaß macht die virtuelle Garage nicht, da heize ich lieber durch die Sneak Peek des Next Car Game . Gute Spiele wie die Adventures Lilly Looking Through und Baphomets Fluch 5 sind bereits fertig, mir ist aber eher nach etwas mehr Action. Rollenspiele wie Deathfire mag ich, aber Episoden finde ich nicht so toll und zudem läuft das Kickstarter-Projekt noch.
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Steam als Distributionsplattform hingegen spricht mich an, denn viele interessante Spiele bekommen grünes Licht und werden anschließend verkauft. Manche davon, etwa Interstellar Marines(öffnet im neuen Fenster) , erhalten eine zweite Chance oder einen Early Access wie Peter Molyneux' Godus . Diese frühen Versionen sind jedoch längst nicht fertig, teilweise nur rudimentär nutzbar - mehr wackelige Alpha denn spielbare Beta. Alleine auf Steam gibt es zudem rund 100 Titel mit Early Access, hier etwas Passendes zu finden, kostet viel Zeit.
Einige Spiele und Projekte wie Wildman sind komplett gescheitert - immerhin hatte Gas Powered Games Glück und Wargaming kaufte das Studio . Während Konsolen wie Ouya oder Gamestick es auf den Markt schafften, floppte das Android-System Esfere .
Der Abend regt zum Nachdenken an
Schlussendlich entscheide ich mich angesichts dieser Plattform- und Alpha-Unübersichtlichkeit für ein traditionell entwickeltes, fertiges PC-Spiel: Anno 1404. Nach einer ruhigen Stunde Spielspaß gehe ich zu Bett und komme ins Grübeln: Das Problem vieler Projekte ist die fehlende Werbung, während gleichzeitig andere Projekte um die Gunst - und damit das Geld - der potenziellen Käufer buhlen. Das Ganze verteilt sich dann auch noch auf die Webseiten der einzelnen Hersteller und diverse Plattformen: Neben Steam, Kickstarter oder Indiegogo gibt es beispielsweise noch Humble Bundle, auf das Croteam für Serious Sam 4 setzt. Hier den Überblick zu behalten, ist schwierig.
Und wenn man sich einmal entschieden hat, vergessen viele, dass per Crowdfunding finanzierte Spiele den Unterstützern zuliebe bereits als Alphaversion zugänglich sind. Damit befinden sich einige Titel in einem Stadium, in dem die Spielestudios ihr Projekt noch nicht einmal einem Publisher zeigen würden, so unfertig ist es. Als Unterstützer muss man sich ergo mit Fehlern abfinden, da bewusst in eine Alphaversion investiert wurde. Andererseits sind auch Millionenproduktionen für 100 Euro Anschaffungspreis wie Battlefield 4 Premium nicht vor Bugs gefeit.

Lösung für relevante Probleme
Während ich an die Decke starre, stelle ich mir folgende Frage: Brauche ich eigentlich irgendein Crowdfunding-Produkt unbedingt und gibt es eines, das mein Leben nachhaltig verändert? Auf Spiele trifft dies - so gerne ich zocke - nicht zu und auch Ideen wie der Schallwellenüberträger Woojer , die Laufplattform Omni oder der Force-Feedback-Anzug Araig sind zwar interessant, in Kombination aber einfach zu teuer.
So bewundernswert die Kreativität ist, die vielen per Crowdfunding realisierten Projekten innewohnt, so selten sind wirkliche Lösungen. Eine, die meinen Alltag tatsächlich verbessert, ist Blink/Steady(öffnet im neuen Fenster) : Das Fahrradrücklicht nutzt normale AAA-Batterien und sparsame LEDs, schaltet sich bei Dunkelheit automatisch ein, wenn sich das Rad bewegt, und ist mit speziellen Schrauben gesichert - genau das, was ich brauche. Mit 150 US-Dollar inklusive Versand hat das Blink/Steady aber auch seinen Preis. Das heißt: Ja, es gibt Crowdfunding-Produkte, die einen reellen Nutzen bieten. Aber nein, es gibt keine, die ich unbedingt bräuchte.



