Abo
  • Services:
Anzeige

IMHO: Aus Jux und Trollerei

IMHO: Aus Jux und Trollerei
(Bild: Eleanor Ryan/Flickr)

Trollen ist witzig, Pöbeln eine Kunst: Über solche Thesen wird an diesem Wochenende auf der Trollcon diskutiert. Andy Prahl haben 15 Jahre als Community Manager ganz anderes gelehrt.

Nichts ist beruhigender, als wenn die eigene Plage einen anderen noch schlimmer heimsucht. Das ist sicherlich ein Grund dafür, dass Vorträge über Trolle auf Netzkonferenzen immer überlaufen sind, dass sich Blogeinträge damit auseinandersetzen und Trolle es sogar in die Tagespresse geschafft haben. Jeder muss sich mit Trollen und ihrem immer gleichen Worthülsen-Trommelfeuer herumschlagen, seit er seine ersten Schritte durch Foren oder soziale Netzwerke machte.

Anzeige

In letzter Zeit werden immer mehr Stimmen laut, die Trollen eine neue Bedeutung zuschreiben. Ihre Form der Kommunikation sei der einzige Weg, Diskussionen in richtige Richtungen zu lenken. Sie böten kontroverse Blickwinkel und seien als Einzige in der Lage, anderen clever den Spiegel vorzuhalten. Drollig sollen Trolle sein. Wer sie nicht lustig findet, dem fehlt demnach leider die Fähigkeit, Ironie und Sarkasmus zu erkennen. Einige sehen in Trollerei sogar eine Kunstform, die Trolle als wissenschaftlich zu erforschende Spezies und als Meister ihres Fachs, die das Internet wirklich verstanden haben. Nur, wer in der Lage ist, die Botschaft hinter ihren Postings zu erfassen, soll angekommen sein in der digitalen Gesellschaft - kein DAU und Internetausdrucker.

Folgerichtig gibt es jetzt auch die erste eigene Konferenz der Trolle. An zwei Tagen treffen sie sich in Mannheim auf der Trollcon, um die obigen Thesen und unter anderem folgende Fragen zu erörtern: "Dürfen Trolle alles? Wo endet Trollerei und fängt destruktives Verhalten an? Gibt es so etwas wie eine Trollethik?"

Der Troll als Spaßkanone, die Trollerei als modisches Phänomen der Netzwelt? Nach 15 Jahren Erfahrung als Community Manager muss ich widersprechen: Trolle sind weder neu noch lustig noch niedlich - und sie bringen zwar gekonnt Menschen auf die Palme, aber von Kunst kann nicht die Rede sein. Wir haben es hier mit mehreren grundlegenden Missverständnissen zu tun.

"Trolle sind ein Phänomen des Internets"

Je größer die Internetgemeinde wird, umso mehr steigt naturgemäß auch die Zahl der Kommentatoren, mit denen eine konstruktive Diskussion unmöglich ist, die einfach pöbeln: "Typisch Hater. Keine Argumente, aber gleich mal so einen Mist hier absondern!" Allerdings ist das Phänomen des Trollens sicherlich keine Erfindung des Internets. In jedem von uns schlummert ein Troll. Wir kennen das Bedürfnis, in einer Auseinandersetzung recht zu behalten und dem Gegenüber mal so richtig die Meinung zu geigen und sich an seiner Machtlosigkeit zu freuen. Nicht vernünftig zu sein, sondern penetrant. Trollen ist irgendwie menschlich.

Aber wir sind zu Höflichkeit und Respekt erzogen worden und haben gelernt, dass beides auch nützlich ist, wenn wir Wert auf unsere Ehe, Freundschaft oder unseren Arbeitsplatz legen. Wie würde es wohl ausgehen, wenn wir unserem Chef nahelegten, dass er "doch mal die Fresse halten" solle, wenn er "keine Ahnung" habe, um ihm anschließend zu erklären, das sei "keine Beleidigung", sondern "einfach nur die Wahrheit"? Den Wunsch hat sicherlich schon mancher verspürt, nur ahnt jeder, dass er diese Argumentation anschließend einem Mitarbeiter der Arbeitsagentur vortragen müsste, was wiederum nicht zu einem neuen Job führen würde. Wie würde ein iPhone-Nutzer auf der Straße reagieren, wenn man ihn als "religiösen, hirnlosen Jünger, der überteuerten Dreck kauft", bezeichnete und auf seine wütende Entgegnung noch hinterherschöbe: "Hast du mir gerade wirklich mit Gewalt gedroht? *lachschlapp*, was für ein Würstchen bist du denn?"

Online, wo wir uns nicht persönlich gegenüberstehen, ist der Spielraum für Reaktionen aber viel geringer. Wir können Trollen die Genugtuung geben, auf sie zu reagieren. Oder sie bestenfalls ignorieren - und ihnen damit die Genugtuung geben, dass ihre Behauptungen unwidersprochen stehenbleiben. Und deshalb trollt es sich im Internet eben unbeschwerter als im echten Leben.

"Trolle sind konstruktiv, weil sie andere Sichtweisen in Diskussionen bringen"

Wer das behauptet, hat kontroverse Meinung oder ironische Kommentare mit Trollpostings verwechselt. Trolle zeichnen sich genau dadurch aus, dass sie in Diskussionen destruktiv wirken. Sie provozieren. Und auf Provokationen reagieren Menschen immer gleich - ob wir sie ins Gesicht gesagt bekommen oder im Netz lesen. Gibt mir jemand einen wichtigen Hinweis, nennt mich aber gleichzeitig ein dummes Arschloch, fällt eine konstruktive Diskussion schwer.

Auf Einsicht ist bei Trollen dabei kaum zu hoffen, denn sie halten sich selbst nicht für unverschämt, sondern für offen: "Muhahaha dass ich kein Troll bin weiß ich genauso, wie ich weiß, dass du ein hirnverbrannter Kacknoob bist." Ist doch einfach nur die Wahrheit. Oder?

'Homofürst Hitler' persönlich 

eye home zur Startseite
OhgieWahn 23. Okt 2012

Naja, vieleicht nicht das Ende (ich wollte da nur was aufgreifen, die älteren werden sich...

Neuro-Chef 22. Okt 2012

Ein guter Satz mit wahrem Kern im allgemeinen, doch was soll ich damit?^^ Ich bin ein...

foobaer 22. Okt 2012

netter versuch, Troll. http://en.wikipedia.org/wiki/Troll_(Internet)

foobaer 22. Okt 2012

too long, did not read.

Guardian 22. Okt 2012

Du verstehst es wirklich nicht.



Anzeige

Stellenmarkt
  1. über Harvey Nash GmbH, Berlin
  2. Daimler AG, Sindelfingen
  3. Josefs-Gesellschaft gGmbH, Köln
  4. SQS Software Quality Systems AG, Frankfurt, deutschlandweit


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 59,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie
  2. 19,99€
  3. 14,99€ (ohne Prime bzw. unter 29€ Einkauf + 3€ Versand)

Folgen Sie uns
       


  1. Adobe

    Die Flash-Ära endet 2020

  2. Falscher Schulz-Tweet

    Junge Union macht Wahlkampf mit Fake-News

  3. BiCS3 X4

    WDs Flash-Speicher fasst 96 GByte pro Chip

  4. ARM Trustzone

    Google bescheinigt Android Vertrauensprobleme

  5. Überbauen

    Telekom setzt Vectoring gegen Glasfaser der Kommunen ein

  6. Armatix

    Smart Gun lässt sich mit Magneten hacken

  7. SR5012 und SR6012

    Marantz stellt zwei neue vernetzte AV-Receiver vor

  8. Datenrate

    Vodafone weitet 500 MBit/s im Kabelnetz aus

  9. IT-Outsourcing

    Schweden kaufte Clouddienste ohne Sicherheitsprüfung

  10. Quantengatter

    Die Bauteile des Quantencomputers



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Shipito: Mit wenigen Mausklicks zur US-Postadresse
Shipito
Mit wenigen Mausklicks zur US-Postadresse
  1. Kartellamt Mundt kritisiert individuelle Preise im Onlinehandel
  2. Automatisierte Lagerhäuser Ein riesiger Nerd-Traum
  3. Onlineshopping Ebay bringt bedingte Tiefpreisgarantie nach Deutschland

Creoqode 2048 im Test: Wir programmieren die größte portable Spielkonsole der Welt
Creoqode 2048 im Test
Wir programmieren die größte portable Spielkonsole der Welt
  1. Arduino 101 Intel stellt auch das letzte Bastler-Board ein
  2. 1Sheeld für Arduino angetestet Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten
  3. Calliope Mini im Test Neuland lernt programmieren

Ikea Trådfri im Test: Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
Ikea Trådfri im Test
Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
  1. Die Woche im Video Kündigungen, Kernaussagen und KI-Fahrer
  2. Augmented Reality Ikea will mit iOS 11 Wohnungen virtuell einrichten
  3. Space10 Ikea-Forschungslab untersucht Umgang mit KI

  1. Panikmache

    Youssarian | 02:44

  2. Re: Ohne Worte

    Proctrap | 02:29

  3. Re: Ich hoffe noch immer auf den Durchbruch von...

    Proctrap | 02:19

  4. Re: Das aufgebauschte Problem...

    Dino13 | 01:49

  5. Re: Eintritt

    Topf | 01:38


  1. 21:02

  2. 18:42

  3. 15:46

  4. 15:02

  5. 14:09

  6. 13:37

  7. 13:26

  8. 12:26


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel