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Brake-by-Wire serienmäßig

Das Testauto verfügte in der Ausstattungsversion Plus für 89.590 Euro über elektrisch einstellbare Fahrer- und Beifahrersitze inklusive Lendenwirbelstütze und Sitzheizung. Eine Belüftung oder Massagefunktion ist nur in den Versionen Plus Executive Edition ab 100.000 Euro und Ultra ab 101.790 Euro verfügbar. Auf der langen Strecke wirkte die straffe Polsterung recht hart. Die werte Beifahrerin wollte ständig die Sitzheizung ausschalten, dabei war sie gar nicht aktiviert.

Das Fahrwerk war ebenfalls recht hart eingestellt. Eine adaptive Luftfederung gibt es nur in der Ultra-Version. Serienmäßig verfügt der EX90 über ein Aluminium-Fahrwerk mit Doppelquerlenkern vorne und eine Integralachse hinten. Ebenfalls serienmäßig ist eine sogenannte Brake-by-Wire-Bremse integriert.

"Die Betriebsbremse wird elektronisch gesteuert. Da die Bremskraft nicht mechanisch, sondern elektronisch übertragen wird, laufen keine natürlichen Reaktionskräfte von den Bremsen zurück zum Pedal", heißt es in der Bedienungsanleitung. Ein Unterschied zu einer normalen hydraulischen Bremse ist mir während des Tests nicht aufgefallen. Erst im Nachhinein stieß ich in den Unterlagen auf diese Funktion.

Ladeleistung von bis zu 320 kW

Bei einem ersten Ladestopp an einem Schnelllader hinterließ der EX90 einen guten Eindruck. In 31 Minuten lud der Akku 75 kWh nach, bei einer maximalen Ladeleistung von 299 kW (siehe Ladekurve). Der Verbrauch ließ sich bei Maximalgeschwindigkeiten von 115 bis 120 km/h unter 20 kWh/100 km drücken. In Kombination mit der hohen Ladeleistung war das durchaus langstreckentauglich.

Allerdings hängt die tatsächliche Ladegeschwindigkeit weniger vom Auto, sondern stärker von der Ladesäule und der aktuellen Belegung der gesamten Ladestation ab. Das kann zu großen Schwankungen während es Ladevorgangs führen. So sah der Ladeverlauf an einer Ionity-Station aus wie von einem Sägezahngenerator erzeugt (siehe Ladekurve). An einer anderen Ionity-Säule lud der EX90 von 10 auf 50 Prozent fast konstant mit 250 kW und kam auf eine durchschnittliche Ladeleistung von 241 kW. Das ist ein sehr guter Wert. Eine maximale Ladeleistung von 320 kW wurde in einem Fall für Sekundenbruchteile sogar erreicht.

Alpenüberquerung reduziert den Verbrauch

Nach einem Zwischenstopp in Bregenz am Bodensee ging es mit vollem Akku über den San-Bernardino-Pass, der bis zu einer Höhe von etwa 1.600 m hinaufführt. Obwohl das Testauto mit 245 kW (333 PS) nicht übermotorisiert ist, reichte das für die vielen Fahrten durch bergiges Gelände während des Urlaubs völlig aus. Die Lenkung reagierte präzise und das Fahrwerk hielt exakt die Spur. Der Lenkassistent war mit den Kurven der Passstraße nicht überfordert.

Noch mehr Spaß bereiten mit einem Elektroauto natürlich die Bergabfahrten. Denn der Motor rekuperiert dann kräftig und lädt den Akku wieder auf. Das führte dazu, dass auf den ersten 60 km nach dem San-Bernardino-Pass kein Strom verbraucht wurde. Man darf sich daher nicht irritieren lassen, wenn der nächste Ladestopp in 300 km Entfernung angegeben wird, obwohl die Reichweite nur noch bei 250 km liegt.

In Verbindung mit den eher niedrigen Geschwindigkeiten auf der Passstraße senkte die Rekuperation den Verbrauch deutlich. Daher war der erste Ladestopp auf italienischer Seite erst nach 417 km und einem Verbrauch von 18,2 kWh/100 km fällig. Die Preisfrage lautete nun: Funktionieren die Apps der italienischen Ladenetzbetreiber?


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