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Im Kriegsfall: ASML kann TSMCs EUV-Belichter remote abschalten

China schielt auf Taiwan - auch wegen der Halbleiterindustrie . Die begehrten EUV-Belichter will Hersteller ASML aber im Kriegsfall unbrauchbar machen.
/ Johannes Hiltscher
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So sieht ASMLs Abschaltmechanismus vermutlich nicht aus. (Bild: superidoljp, Flickr)
So sieht ASMLs Abschaltmechanismus vermutlich nicht aus. Bild: superidoljp, Flickr / CC-BY-SA 2.0

Unternehmen aus der Volksrepublik China fehlt der Zugriff auf die modernen EUV-Belichtungsmaschinen. Dabei stehen viele davon quasi vor der eigenen Haustür, beim Auftragsfertiger TSMC in Taiwan. Dessen Werke gelten bei einer hypothetischen Invasion als eines der wichtigsten Ziele, zumal sie sich großenteils an der leicht erreichbaren Westküste befinden . Das wollen Politiker aus den USA verhindern - 2023 machte gar der Vorschlag die Runde, die Werke notfalls zu bombardieren .

Wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet(öffnet im neuen Fenster) , diskutiert die US-Regierung dieses Szenario weiter mit Ministerien in Taiwan und den Niederlanden. Aus diesen Kreisen erfuhr Bloomberg, dass Hersteller ASML für den Fall einer Invasion vorgesorgt hat: Die Maschinen sollen sich dann aus der Ferne abschalten lassen.

Eine offizielle Bestätigung von ASML, TSMC, niederländischer oder US-Ministerien erhielt Bloomberg nicht. Auch Details zum Abschaltmechanismus fehlen, entsprechend lässt sich nicht einschätzen, ob dieser umgangen werden oder die Maschinen reaktiviert werden könnten. Ohne Ersatzteile und geschultes Personal würden sie allerdings auch ohne äußeres Eingreifen schnell unbrauchbar. Unabhängig davon hätte ein eskalierender Konflikt zwischen der Volksrepublik China sowie Taiwan und den USA weltweit ohnehin bereits verheerende Auswirkungen .

Spannungen nehmen zu

Der Zeitpunkt der Äußerungen ist sicher kein Zufall: Die Staatsführung in Peking äußerte im Zuge von dessen Vereidigung harsche Kritik(öffnet im neuen Fenster) am im Januar neu gewählten(öffnet im neuen Fenster) Präsidenten Lai Ching-te. Lai und die demokratische Fortschrittspartei (Democratic Progress Party, DPP), der er angehört, stehen für ein unabhängiges Taiwan - offiziell die Republik China. In Peking hingegen sieht man die Wiedervereinigung von Taiwan mit der Volksrepublik als unvermeidlich, regelmäßig wird hierfür auch die militärische Option ins Spiel gebracht.

In Peking reagierte man insbesondere verstimmt auf Aussagen in Lais Antrittsrede(öffnet im neuen Fenster) , in der er die Volksrepublik zur Einstellung der "politischen und militärischen Einschüchterung" aufforderte und die Bevölkerung Taiwans aufrief, "zusammenzukommen und unsere Nation zu schützen" . Dort hätte man einen Sieg der Kuomintang lieber gesehen, die, wie auch die Führung in Peking, eine Wiedervereinigung der beiden Chinas anstrebt.


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