Neue Gerichtsurteile nützen wenig in der Praxis

Das größte Problem der Rechteinhaber aber ist: Die Nutzer der illegalen Streams können sich immer noch relativ sicher fühlen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem April 2017 hatte gegen einen niederländischen Anbieter entschieden, der aufgerüstete Smart-TV-Boxen verkauft hatte. Verbunden war das mit dem Hinweis, dass auch den Nutzern solcher Angebote klar sein muss, dass ein aktueller Kinofilm oder ein hochkarätiges Fußballspiel ein "nicht zugelassenes Angebot" sei.

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Deutsche Gerichte hatten zuvor eher zu der Ansicht geneigt, dass einfaches Streamen - trotz des Zwischenspeicherns von Dateifragmenten auf dem Computer - keine Urheberrechtsverletzung vonseiten der Nutzerinnen darstelle. Das ist ein Unterschied zu Bittorrent, wo jeder Nutzer die Dateien aktiv an andere teilt und sich somit der Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material strafbar macht.

"Rein rechtlich hat sich das Urteil des EuGH ausgewirkt", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jean Paul P. Bohne, "aber praktisch fast gar nicht". Die Kanzlei ITMR, in der Bohne arbeitet, hat sich unter anderem darauf spezialisiert, abgemahnte Nutzer zu vertreten. Doch eine Welle von scharfen Schreiben an Streamingnutzerinnen sei seit dem Urteil ausgeblieben, sagt Bohne.

Das hat nach der Einschätzung des Rechtsanwalts mehrere Gründe: Zentral ist etwa, dass in den allermeisten Fällen weder Rechteinhaber noch Ermittlungsbehörden herausbekommen, welcher Nutzer über welche IP-Adresse illegal Fußball schaute. Die Server der illegalen Anbieter stehen meistens fernab der deutschen Gerichtsbarkeit und haben kein gesteigertes Interesse, die Adressen länger als nötig zu speichern. Dazu kommt, dass sich nach Ansicht von Bohne eine Abmahnung beim Streaming kaum lohnen würde - als Schadensersatz könnte man hier nur den tatsächlichen Gegenwert eines Fußballabos oder einer Kinokarte einfordern.

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Legaler wird das Streamen auf dubiosen Seiten dadurch auf keinen Fall. Riskant bleibt es sowieso: Viele Anbieter spielen neben dem geklauten Signal noch Viren oder Spionagesoftware auf den Computer. Manche Kriminelle locken ahnungslose Streamingkunden in ein teures Abo, ohne irgendwelche Inhalte bereitzustellen, warnte die Verbraucherzentrale Brandenburg im vergangenen Herbst.

Teure Abmahnungen sind möglich

Eine weitere rechtliche Falle, aus der sich Nutzer von illegalen Streams schwer rausreden können: Immer wieder tarnen sich dort Anbieter als Streamingseiten - nach dem Klick auf "Play" startet jedoch ein Filesharing-Programm. Dabei lädt der Rechner des Nutzers den Film in kleinen Paketen runter - und stellt ihn, wie im Fall des Bittorrent-Protokolls, gleichzeitig anderen zur Verfügung. Diese digitalen Spuren lassen sich leichter verfolgen und führen schnell zu teuren Abmahnungen wegen Filesharings. Vergangenen Oktober hatte der EuGH hier entschieden, dass sich dabei Familienmitglieder nicht einfach darauf berufen können, dass auch Kinder, Eltern und Onkel den Internetanschluss nutzen konnten. "Es gibt viele Möglichkeiten, sich gegen Filesharing-Abmahnungen zu wehren", sagt Bohne, "nur die Ausrede, man habe nicht gewusst, dass man Filesharing betreibe, ist unerheblich".

Für die Rechteinhaber sind solche Abmahnungen jedoch nur Beifang. Im Visier stehen die Betreiber der Access-Server und der Seiten selbst, die über Werbung und teils sogar Abogebühren kräftig kassieren. "Das sind keine charmanten Teenies im Keller, sondern echte Profis", sagt Vaunet-Vertreter Frank Giersberg. Versucht wird daher eher, auch die Netzanbieter mit in die Verantwortung zu nehmen - und diese den Zugang zu Seiten oder Server blocken zu lassen. "Ansonsten pumpt der Server unentwegt die Inhalte ins Netz", so Giersberg. Seit Frühjahr des Jahres muss etwa Vodafone die populäre Streamingseite kinox.to für die eigenen Kunden blocken - entzündet hatte sich der Rechtsstreit mit Constantin Film an illegal zugänglichen Versionen von Fack ju Göhte 3.

In den USA bereitet sich der Pay-TV-Sender HBO unterdessen auf die letzte Staffel von Game of Thrones vor. Auch die Abwehr von illegalem Streaming dürfte da auf der Agenda stehen. Wie genau, ist unklar. Man äußere sich nicht öffentlich darüber, wie man Piraterie eingrenzen wolle, heißt es aus New York: "Wir glauben, das ist kontraproduktiv."

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 Illegales Streaming: Am Gesetz vorbeigeguckt
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FreiGeistler 01. Mär 2019

Oder weil das veraltete Lizenzmodell aus Zeiten vor Star Trek nicht so ganz zum Internet...

Crass Spektakel 26. Feb 2019

Ich hatte zwei Jahre ein Abo bei einem Streaming-Anbieter. Für vier Euro im Monat war das...

McWiesel 25. Feb 2019

Ist doch das selbe im Roaming. Muss man da so Mondpreise verlangen? Nö, man kann es...

Elamigo 25. Feb 2019

klassischer Fall von nette Idee aber schlecht umgesetzt. Ich besitze inzwischen Amazon...



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