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Eine winzige Marsmission mit nuklearem Riesenantrieb

Die Hoffnungen und Investitionen Japans und Europas in den Lunar-Gateway, der Mond-Raumstation, wurden gerade von der Nasa mit Streichung dieses Programms zunichtegemacht. Was aus diesen Beiträgen wird, bleibt unklar. Für das amerikanische PPE-Antriebsmodul des Lunar-Gateways gibt es hingegen konkrete Pläne, die letztlich auf die Verschwendung des Moduls für eine sehr einfache Mars-Mission namens Skyfall und die Demonstration eines Kernreaktors hinauslaufen.

Das solarbetriebene Antriebsmodul soll dabei zusätzlich mit einem Kernreaktor namens SR-1 Freedom (Space-Reactor-1) ausgestattet werden, der mithilfe von Brayton-Gas-Turbinen 20 kW Strom erzeugen soll. Die Mission dient fast ausschließlich der Demonstration des Reaktors, der erst nach Erreichen der Fluchtgeschwindigkeit in Betrieb gehen soll. Davor ist das Material des Reaktors deutlich weniger radioaktiv als herkömmliche Radioisotopenbatterien mit mehreren Kilogramm Plutonium-238.

Solche Reaktoren befinden sich bereits seit langer Zeit in Entwicklung und grundsätzlich ist die Durchführung einer möglichst einfachen Demonstrationsmission mit einem solchen Reaktor auch gut begründet. Denn tatsächlich scheiterte deren Einsatz bislang hauptsächlich daran, dass sie immer für sogenannte Flagship-Missionen vorgesehen waren, also besonders aufwändige und teure Missionen für mehrere Milliarden US-Dollar, die dann wegen der unerprobten Technik umso teurer und letztlich nicht umgesetzt wurden.

Skyfall ist die Verschwendung eines Antriebsmoduls

Aber ansonsten spricht fast jeder einzelne Punkt gegen die Mission SR-1 Freedom und die damit verbundene Marslandemission Skyfall. Dabei sollen, kein Witz, drei wenige Kilogramm schwere Mars-Helikopter ausgesetzt werden. Sie sind eine Weiterentwicklung des Helikopters Ingenuity, der mit dem Rover Perseverance ausgesetzt wurde.

Nur ist diesmal kein Rover oder anderer Lander für genauere Untersuchungen dabei. Das Gimmick von Skyfall ist, dass die Helikopter unter einem Fallschirm hängend noch vor Erreichen der Marsoberfläche ausgesetzt werden und stattdessen selbst landen.

Eine solche Mission, die vor Eintritt in die Marsatmosphäre höchstens einige 100 kg wiegt, braucht kein 5 t schweres Hochleistungsantriebssystem wie PPE, um den Mars zu erreichen. Dabei ist das PPE ohnehin schon ein vollständiges Antriebssystem mit 60-kW-Solarpanelen, die auch im Marsorbit noch wenigstens 20 kW liefern. Für die Mission ist nicht nur der Hochleistungsantrieb überflüssig, sondern auch der Kernreaktor als bestenfalls sekundäre Energiequelle.

Dabei soll noch nicht einmal die hohe Effizienz und Leistungsfähigkeit der Plasmatriebwerke ausgenutzt werden, um eine möglichst flexible Flugbahn zum Mars wählen zu können. Stattdessen wird betont, dass das Startfenster im Jahr 2028 keinesfalls verpasst werden dürfe – das letzte Jahr der Amtsperiode von Donald Trump. Damit ist die Mission noch nicht einmal reiner Selbstzweck zum Test eines Reaktors, sondern die aktive Verschwendung eines fertigen Antriebsmoduls.


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