IG-Metall-Vize: Bei Bandarbeit stehen Roboter den Menschen im Weg
IG-Metall-Vize Jörg Hofmann sieht durch Vernetzung von Maschinen mit Industrie 4.0 die Gefahr, dass Beschäftigte stärker überwacht werden. "Das Problem der informationellen Selbstbestimmung ist in der 4.0-Debatte noch unterbelichtet" , sagte Hofmann, der im Aufsichtsrat von Bosch und Daimler sitzt, den VDI Nachrichten(öffnet im neuen Fenster) . "Der Servicetechniker kann mit hoher Selbstständigkeit und Eigenverantwortung vor Ort tätig sein. Arbeitet er aber per Internet, läuft er Gefahr, in erheblich stärkerem Maße überwacht zu werden."
Industrie 4.0 soll Informationstechnologie und Internet nahtlos in die klassische Industrie bringen. Technologische Grundlage für eine starke Individualisierung der Produkte sind das Internet der Dinge und Konzepte aus Software, Sensor-, Prozessor- und Kommunikationstechnik.
Hofmann: "Ich sehe die Gefahr, dass Industrie 4.0 sich darauf reduzieren könnte, die Beschäftigten zum Arbeiten kommen zu lassen, wenn nachts die Strompreise billig sind. Oder: Wenn ein Roboter in der Montage eingesetzt werden soll, wird die Mannschaft häufig gar nicht gefragt, das wird von oben einfach verfügt." Das sei nicht immer produktivitätssteigernd. "Es ist dann nicht mehr möglich, am Band zwei Meter vorzuarbeiten, weil dort ja jetzt ein Roboter steht. Und wieder muss sich der Mensch der Maschine anpassen."
Auch die IT-Sicherheit sei bei Industrie 4.0 noch nicht geklärt. "Wer garantiert, dass auf dem Weg vom Servicecomputer zur Anlage nicht Infos verloren gehen, Wissen durch Spionage abgegriffen wird?" , fragt Hofmann. "Das ist umso problematischer, weil innerhalb des Internet der Dinge die technischen Systeme selbst agieren und direkt Schaden verursachen können."
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