Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

IETF Netvc: Der nächste Videocodec soll 25 Prozent besser sein als H.265

Die Anforderungen an einen freien Standard-Videocodec für das Internet stehen so gut wie fest. Dieser soll vor allem wesentlich effizienter Kodieren als H.265, dabei aber sonst ähnliche Eigenschaften bieten. Codec-Tests werden ebenfalls standardisiert und ein möglicher Kandidat ist in Entwicklung.
/ Sebastian Grüner
30 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
An der Entwicklung des Codecs sind auch Streaminganbieter wie Netflix und Amazon beteiligt. (Bild: Netflix)
An der Entwicklung des Codecs sind auch Streaminganbieter wie Netflix und Amazon beteiligt. Bild: Netflix

Auf dem zurzeit stattfindenden 96. Meeting der Internet Engineering Task Force (IETF) hat die Arbeitsgruppe zu einem Internet Video Codec (Netvc(öffnet im neuen Fenster)) keine Einwände mehr zu dem aktuellen Entwurf des Anforderungskatalogs für den Codec vorgebracht. Der Vorsitzende Adam Roach will diesen deshalb möglichst schnell offiziell zum Standard erheben. Die Eigenschaften, die ein künftiger Standard-Codec erfüllen muss(öffnet im neuen Fenster), stehen damit so gut wie fest.

Am wichtigsten ist den Beteiligten demnach die Effizienz der Kodierung. So soll der künftige Codec mindestens 20 bis 25 Prozent besser sein als VP9 oder H.265, das auch als HEVC bekannt ist. Das heißt die Qualität der Videos mit dem neuen Videocodec soll im Vergleich zu H.265 und VP9 bei gleicher Bitrate deutlich besser ausfallen. Auch die Metriken die zu diesen Vergleichen herangezogen werden sollen, werden wohl offiziell standardisiert.

Testfunktionen werden ausgelagert

Für letzteres arbeiten die Beteiligten zusätzlich zu den bisher üblichen eher technischen Verfahren PSNR(öffnet im neuen Fenster) oder SSIM(öffnet im neuen Fenster) auch mit der Neuentwicklung VMAF, die ursprünglich von Netflix stammt. Die Video Multi-Method Assessment Fusion (VMAF) basiert zu großen Teilen auf menschlicher Wahrnehmung von Videos, um deren Qualität zu beurteilen.

All diese Testverfahren werden in einem separaten Dokument festgelegt(öffnet im neuen Fenster), das wohl aber noch einige Zeit mehr zur Standardisierung benötigen wird. Zum Testen selbst werden auch einige Dateien verwendet, die der Streaminganbieter Netflix bereitstellt. In ihrer Arbeit hin zu einem künftigen Gemeinschaftscodec wollen die Beteiligten eben diese Tests verwenden, um einzelne Funktionen gegeneinander abzuwägen, sagten die Entwickler auf dem Meeting.

Vergleichbare Eigenschaften zu H.265

Unabhängig von den Tests und der erwünschten besseren Kodierungseffizienz sind die gewünschten Eigenschaften des künftigen Standardcodecs sehr ähnlich zu H.265. So soll dieser typische Anwendungsszenarien erfüllen können, wie etwa 4K-Videostreams bei 25 Bildern pro Sekunde. Der künftige Standard zählt auch beispielhaft Codec-Level auf, die jeweils die Auflösung bei einer maximal erreichbaren Bildrate darstellen. Auch diese sind sehr ähnlich zu H.265.

Ebenso ähneln sich die Bild-Details des Codecs. Gefordert werden von der Netvc etwa mindestens 8- und 10-Bit-Farbtiefe sowie 12-Bit für ein High-Profile, was HDR ermöglicht. Optional sollte der Codec gar 16-Bit Farbtiefe unterstützen. Auch die Varianten der Farbunterabtastung(öffnet im neuen Fenster) für das YCbCr-Farbmodell(öffnet im neuen Fenster) (4:4:4, 4:2:2, 4:0:0 und das bisher übliche 4:2:0), finden sich größtenteils in der H.265-Spezifikation.

Fertiger Codec vielleicht schon kommendes Jahr

Wann letztlich ein Codec erscheint, der die gewünschten Eigenschaften erfüllt und damit ebenfalls standardisiert werden kann, ist zurzeit noch nicht klar absehbar. Den Plänen der Netvc zufolge soll dies jedoch bereits im Mai 2017 geschehen. Aussichtsreichster Kandidat dafür ist wohl der Videocodec AV1 der Alliance for Open Media (Aomedia), die im September 2015 gegründet worden ist.

AV1 ist aus Googles VP10 hervorgegangen und die Daala-Entwickler wollen viele ihrer Codec-Verbesserungen offiziell in AV1 einpflegen. Der Daala-Codec werde damit aber nicht aufgegeben, sagte der Daala-Entwickler Timothy Terriberry auf dem Meeting. Daala werde künftig einfach weiter als Testumgebung für neue Funktionen dienen. Dass die verschiedenen freien Next-Gen-Codecs bestenfalls in einem gemeinsamen Codec aufgehen werden, zeigte sich auf der Videolan-Jahrestagung VDD im vergangenen Jahr. Dort erklärten die Entwickler bereits wie stark diese miteinander kooperieren.


Relevante Themen