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Identitätsklau möglich: Sicherheitsmängel bei Beantragung von eID-Karten aufgedeckt

Jeder EU -Bürger kann in Deutschland eine eID-Karte beantragen. Das soll auch mit gestohlenen Ausweisen möglich sein, weil viele Ämter nicht richtig prüfen.
/ Marc Stöckel
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Muster der eID-Karte (Bild: BMI)
Muster der eID-Karte Bild: BMI

Seit 2021 können EU-Bürger in Deutschland eine sogenannte eID-Karte beantragen, um sich beispielsweise bei Onlinediensten auszuweisen. Recherchen der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) zufolge gibt es bei der Beantragung dieser Karten aber erhebliche Sicherheitsprobleme, weil Ämter wohl oft nicht sauber prüfen können, wer eigentlich der Antragsteller ist. Mögliche Folgen sind Missbrauch für Geldwäsche und andere betrügerische Aktivitäten.

Die eID-Karte ist dem deutschen Personalausweis mit eID-Funktion im Internet laut Bericht nahezu gleichgestellt. Als Reisedokument dient sie zwar nicht, durchaus aber als Ausweisdokument zum Eröffnen eines Bankkontos. Nach Angaben des BMI(öffnet im neuen Fenster) kostet die Karte bei der Beantragung 37 Euro. Nach der Ausstellung bleibt sie für zehn Jahre gültig.

Beantragt wird die eID-Karte bei den jeweiligen Bürgerämtern. Denen fehlt es den Angaben zufolge aber häufig an der nötigen technischen Ausrüstung, um ausländische Ausweisdokumente auf Echtheit zu überprüfen. "Das bedeutet, dass auch Gangster mit gefälschten und gestohlenen Pässen aus dem gesamten EU-Ausland in Windeseile und für unter 40 Euro an eine deutsche eID-Karte kommen" , schreibt die Zeitung.

Beantragung mit gestohlenen Pässen

Die Berliner Polizei erklärte etwa, nicht alle Meldebehörden seien mit Dokumentenprüfgeräten ausgestattet. Auch ein Abgleich biometrischer Daten oder ein Abgleich mit europäischen Fahndungsdaten finde nicht statt. Dadurch soll es sogar zur Fahndung ausgeschriebenen Personen möglich sein, mit gestohlenen Ausweisdokumenten, von denen es laut BKA europaweit mindestens 75 Millionen Stück gibt, eine eID-Karte zu beantragen.

Laut Bericht gibt es zwar einige Ämter, die Ausweisprüfgeräte haben, jedoch weichen Täter dann wohl häufig einfach auf andere Meldebehörden aus. Ist ein Krimineller erst im Besitz einer eID-Karte, so kann er damit beispielsweise Bankkonten eröffnen und ganze Firmennetzwerke gründen, um so verschiedene Betrugsaktivitäten abzuwickeln und Gelder zu waschen.

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung wurden bisher seit Einführung rund 47.000 eID-Karten ausgestellt. Da die Karten gänzlich ohne Passfotos und andere biometrischen Daten auskommen, lassen sie sich auch einfach weitergeben, so dass mehrere Kriminelle die gleiche eID verwenden können.

Nicht das erste Sicherheitsproblem bei der eID

Die Online-Ausweisfunktion mittels eID-Verfahren wurde schon in der Vergangenheit kritisiert. Ein Sicherheitsforscher hatte Anfang 2024 eine kritische Schwachstelle aufgedeckt , die das Verfahren für Man-in-the-Middle-Angriffe anfällig machte. Dadurch war es dem Forscher ebenfalls möglich, im Namen fremder Personen digitale Behördengänge durchzuführen oder Bankkonten zu öffnen.


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