Datenaufbereitung ist größtenteils Handarbeit

Das geschieht oft auf ganz konventionelle Weise: per Post. Viele Ausgrabungsstätten befinden sich in Regionen, wo die digitale Kommunikation mindestens schwierig ist. Die Archäologen bauen zwar vor Ort ein eigenes Grabungsnetz auf, um die erfassten Daten zu sichten, etwa eine Vorschau eines 3D-Modells zu erstellen und zu speichern. Der Transfer in die Zentrale erfolgt dann auf einer mobilen Festplatte, die per Post oder mit der Diplomatenpost - das DAI gehört zum Auswärtigen Amt - nach Berlin-Dahlem geschickt wird.

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Als Nächstes müssen die Daten aufbereitet werden. Dazu gehört, beispielsweise Fotos zu strukturieren und mit Fachdaten anzureichern. Das erfordere viel Aufwand und vor allem Expertise. "Das Fachwissen spielt nach wie vor eine sehr große Rolle", sagt Ducke. "Automatisierung geht bis zu einem gewissen Punkt. Aber für wirklich qualitätvolle Forschungsdaten braucht man nach wie vor das menschliche Fachwissen. Für das Maschinenlernen muss man den Algorithmus erst einmal anlernen - und ein Schüler kann nur so gut sein wie seine Lehrer."

Ducke und seine Kollegen haben es jedoch nicht nur mit neu hereinkommenden Daten zu tun. In den Archiven des DAI schlummert ein immenser Datenschatz auf Papier - schließlich ist das Institut in diesem Jahr 190 Jahre alt geworden: Grabungsdaten, Landkarten, Zeichnungen und Fotos aus knapp zwei Jahrhunderten.

Sie müssen alle digitalisiert und dann aufbereitet werden, und bieten oft wertvolle Informationen. So basiert die Erfassung der historischen Stätten in Aleppo, von denen einige im Bürgerkrieg zerstört wurden, auf Katasterkarten, die die französischen Besatzer Anfang des 20. Jahrhunderts erstellten. Im Datensatz von Palmyra zeigt uns Ducke ein rund 100 Jahre altes Luftbild des jetzt gesprengten Bel-Tempels. Das erzählt noch eine andere Geschichte der Stätte: Zu jener Zeit befand sich im Inneren der sogenannten Cella ein kleines Dorf. Deren Bewohner wurden von französischen Wissenschaftlern vertrieben, um den Tempel teilweise wieder zu rekonstruieren.

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Nicht immer sind die Karten so gut wie die von Aleppo. Bei einer solchen Karte reicht es, sie in das Bezugssystem World Geodetic System 1984 (WGS 84) zu übertragen und einige wenige Kontrollpunkte, um die analoge auf die digitale Karte zu legen. Falls das nicht reicht, können die Archäologen - so die Möglichkeit dazu besteht - vor Ort mit Hilfe etwa eines GPS-Geräts Anknüpfungspunkte finden, um die Karte einzupflegen.

Manchmal hilft aber nur viel Arbeit und Kreativität, um eine historische Karte nutzen zu können, wie etwa eine von Palmyra aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Da müssen die Archäologen dann schon mal Dutzende oder gar Hunderte von Kontrollpunkten finden, um die Karte in das System integrieren zu können. Auf die moderne Satellitenkarte Palmyra gemappt, war die ursprünglich rechteckige historische Karte jedenfalls arg verzerrt. "Im Endeffekt haben wir es bis jetzt immer geschafft, alles zusammenzubringen", erzählt Ducke.

Seit den 1980er Jahren wird digitalisiert

Hinzu kommen die Altlasten: Daten, die in den vergangenen Jahrzehnten digital erfasst oder digitalisiert wurden, aber mit proprietären oder inzwischen nicht mehr gebräuchlichen Systemen. Die Wissenschaftler digitalisieren schließlich seit den 1980er Jahren. Dazu gehören auch CAD-Zeichnungen, die aber in den Augen der DAI-Informatiker nur ein halber Schritt sind, da das Ergebnis lediglich eine unstrukturierte Zeichnung sei.

"Die Frage der Migration von Altdaten ist ein Thema, das uns ganz stark beschäftigt", sagt Ducke. Sie wieder lesbar zu machen, kann zuweilen schwierig sein und einigen Aufwand erfordern. Unmöglich ist es jedoch nicht: "Ich habe noch nie Daten erlebt, die man irgendwie nicht noch mal hätte aufbereiten und nutzen können."

Das Problem der Daten sei aber nicht nur ihre Lesbarkeit, sondern auch die Tatsache, dass die Daten schon interpretiert seien. Das Problem dabei: Durchinterpretierte Daten lassen keine neue Betrachtung oder Bewertung zu.

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 Idai World: Wie archäologisches Welterbe digital zugänglich wirdViele Daten sind öffentlich zugänglich 
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