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ICE-Überwachung: Abschieben per Algorithmus

Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat unter Donald Trump eine digitale Überwachungsmaschinerie gegen Migranten aufgebaut. Das kostet schon jetzt Milliarden.
/ Matthias Monroy
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ICE-Agent in Newark, New Jersey, im Juni 2026 (Bild: Adam Gray/Getty Images)
ICE-Agent in Newark, New Jersey, im Juni 2026 Bild: Adam Gray/Getty Images
Inhalt
  1. ICE-Überwachung: Abschieben per Algorithmus
  2. Plattformübergreifende Suche nach Personen
  3. Firmen sind Teil der Abschiebungsinfrastruktur

In seiner zweiten Amtszeit hat Donald Trump die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) zu einer der technologisch am besten ausgestatteten Strafverfolgungsbehörden des Landes entwickelt. Die für Migrationskontrolle im Inland zuständige Behörde setzt dabei Werkzeuge ein, die in anderen Ländern eher der Verfolgung von Terrorismus oder schwerer Kriminalität vorbehalten sind: Funkzellenabfragen, Echtzeitortung, die Auswertung sozialer Medien oder die biometrische Identifikation bei Kontrollen im öffentlichen Raum.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Softwarekonzern Palantir. Dessen Fallmanagementsystem Investigative Case Management (ICM) verknüpft Daten aus staatlichen und kommerziellen Quellen. Dazu gehören Einwanderungs- und Grenzdatenbanken, Passagierdaten von Fluggesellschaften, Fahndungsdaten des FBI sowie Daten zu internationalen Studentinnen und Studenten. Ergänzt werden diese Bestände durch kommerzielle Datensammlungen etwa von Thomson Reuters(öffnet im neuen Fenster), deren Plattform Clear öffentliche Register, Adressdaten, Telefonverbindungen und weitere personenbezogene Informationen zusammenführt.

Fahndung und Ortung mit "Ausländernummer"

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in das von Palantir entwickelte ImmigrationOS(öffnet im neuen Fenster), das ICE als eine Art Betriebssystem für Abschiebungen nutzt. Die Plattform soll Verfahren beschleunigen.

Für Einsätze der Einheit für die Fahndung nach flüchtigen Personen nutzt ICE zudem die Palantir-Anwendung ELITE(öffnet im neuen Fenster): Über ein kartenbasiertes Interface können Zielpersonen angezeigt, verfolgt und ihre wahrscheinlichen Aufenthaltsorte berechnet werden. Die Software erstellt Dossiers mit Foto, Adresse, Geburtsdatum und sogenannter Ausländernummer. Auch Massenabfragen und die Auswahl vorab definierter Zielgruppen sind möglich.

Im Außeneinsatz verwendet ICE außerdem die Smartphone-App Mobile Fortify des Konzerns NEC(öffnet im neuen Fenster). Mit einem Foto oder kontaktlos erfassten Fingerabdrücken können Personen identifiziert werden. Die Anwendung greift auf die Grenzschutz-Datenbank Traveler Verification Service zu, in der nach Angaben der Behörden rund 200 Millionen Bilder gespeichert sind. Ergänzt wird das durch Iris-Scanner von BI2 Technologies.

Personen, die auf ihre Abschiebung warten, können zur Nutzung der App Smartlink verpflichtet werden. Die Anwendung verlangt regelmäßige Self-Check-ins(öffnet im neuen Fenster) mit Gesichtsfoto sowie Standortdaten und ermöglicht ein GPS-Tracking in Echtzeit. Werden vorgegebene Auflagen nicht eingehalten oder definierte Sperrzonen betreten, erhält ICE automatisch eine Meldung.

Bereits ab 2014 nutzte die Behörde außerdem die Palantir-Software Falcon, die Informationen aus verschiedenen Datenbanken zusammenführte und auch Mobilfunkdaten auswerten konnte. Die Anwendung ermöglichte die Rekonstruktion von Bewegungsprofilen und die Darstellung von Aufenthaltsorten auf Karten. 2022 wurde sie durch das ICE-eigene System RAVEn ersetzt(öffnet im neuen Fenster).


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