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Icarus: Forscher beobachten Tiere via ISS

Dass Vögel wandern, ist seit langem bekannt. Wir haben auch eine Idee, wohin sie ziehen. Aber ganz genau wissen wir es nicht. Das wird sich ändern: Im Rahmen des Projekts Icarus wollen Forscher viele Tiere mit kleinen Sendern ausstatten und so ihre Wanderrouten verfolgen. Die Daten kommen über die ISS zur Erde.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Icarus-Initiator Martin Wikelski mit besendertem Storch: Alle Tiere, die wandern, werden beobachtet.
Icarus-Initiator Martin Wikelski mit besendertem Storch: Alle Tiere, die wandern, werden beobachtet. (Bild: Max-Planck-Institut für Ornithologie/MaxCine)

Es ist Herbst und die meisten Zugvögel sind schon weg. Doch nicht alle Vögel einer Art verbringen den Winter in wärmeren Gefilden. Aber wohin fliegen sie sonst? Einige Arten zeigen nicht einmal ein einheitliches Verhalten: So ziehen einige Amseln weit nach Süden, andere nur in etwas wärmere Gegenden während wieder andere sogar bleiben.

Inhalt:
  1. Icarus: Forscher beobachten Tiere via ISS
  2. Tiere weisen auf Katastrophen hin
  3. Daten sollen Open Source werden

Dass viele Vögel regelmäßig den kalten Norden im Winter verlassen, ist bekannt. Aber noch immer rätseln Forscher, wie die Tiere zielsicher ihren Weg nach Süden und im folgenden Frühjahr wieder zurück finden. Es gibt viele Versuche, den Zugvögeln zu Lande oder in der Luft zu folgen - doch verlieren die Forscher meist schnell ihre Spur. Funksender auf den Tieren ermöglichen eine Ortung per Peilsender, was aber nicht wirklich ausreicht, um die Wanderbewegungen zu verfolgen. Andere Sender übertragen ihre Daten über Mobilfunk - aber auch nur dort, wo es Empfang gibt. Neue Technik soll es möglich machen, die unterschiedlichsten Tiere über weite Strecken zu verfolgen - mit Hilfe eines Satelliten aus dem All.

"Wir beobachten im Grunde genommen alle Tiere, die wandern", sagt Uschi Müller im Gespräch mit Golem.de. Sie arbeitet am Max Planck Institut für Ornithologie (MPIO) in Radolfzell am Bodensee und ist Koordinatorin für International Cooperation for Animal Research Using Space, kurz: Icarus, ein Projekt, in dem Wissenschaftler wandernde Tiere auf der ganzen Welt beobachten wollen.

Die Tiere werden mit einem kleinen Sender, dem sogenannten Tag, einem etwa zwei Kubikzentimeter großen, fünf Gramm schweren Kästchen ausgestattet. Das ist klein und leicht genug, um es auch einem Singvogel wie einer Amsel anzulegen. "Alle Tiere, die 90 bis 100 Gramm auf die Waage bringen, können mit diesen Tags besendert werden", sagt Müller. Den Amseln wird der Sender mit einer Art kleinem Rucksack angelegt. Aber natürlich werden auch größere Säugetiere damit ausgestattet. Sie bekommen den Sender ans Ohr geklippt.

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In dem Kästchen befindet sich eine Reihe von Sensoren: GPS für die Positionsbestimmung, ein Beschleunigungsmesser, um das Verhalten eines Tieres zu beobachten, Magnetometer, um die Ausrichtung relativ zum Magnetfeld der Erde zu erfassen, Sensoren, die den Luftdruck, die Feuchtigkeit und die Temperatur messen. Eine Solarzelle und ein Akku liefern den Strom dafür. "Das ist wie eine kleine Wetterstation, die zusätzlich noch Positionen und Beschleunigungswerte aufzeichnen kann", erklärt Walter Naumann im Gespräch mit Golem.de. Er ist Chef des Unternehmens I-GOS aus Immenstaad, das die Tags entwickelt hat und baut.

Die Daten kommen über die ISS zur Erde

Schließlich hat der Tiersender noch eine Kommunikationseinheit, um die Daten vom Tier zu den Wissenschaftlern zu übertragen - über einen Umweg über die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS): Die Tiersender funken die Daten, die sie gesammelt zur ISS, die dafür mit einer eigens dafür gedachten Antenne ausgestattet wurde. Über den normalen Kommunikationskanal der Station kommen zu den Bodenstationen in Russland und dann via Kontrollzentrum in Moskau zum Projekt.

  • Übersicht über das Projekt Icarus (Bild: Max-Planck-Institut für Ornithologie)
  • Mit solchen Sendern... (Bild: Max-Planck-Institut für Ornithologie/MaxCine)
  • ...werden kleinere Vögel ausgestattet. (Bild: Bourry/DLR)
  • Ein Storch bekommt einen größeren Sender. (Bild: Max-Planck-Institut für Ornithologie/MaxCine)
  • Die Icarus-Antenne, die an der ISS angebracht ist (Bild: Max-Planck-Institut für Ornithologie/MaxCine)
  • Die Kosmonauten Sergei Prokopjew (im Bild) und Oleg Artemjew haben sie im August 2018 an der ISS angebracht. (Bild: Nasa/Johnson)
Übersicht über das Projekt Icarus (Bild: Max-Planck-Institut für Ornithologie)

Das ermöglicht es erstmals, Tiere weltweit auf ihren Wanderungen zu beobachten - und zwar nicht nur lokal, sondern weltweit und mit vielen Arten. In erster Linie geht es den Forschern darum, neue Erkenntnis über das Verhalten zu gewinnen: Welche Tiere wandern? Welche Routen nehmen sie? Wo machen sie Rast? Wo suchen sie nach Nahrung? Wie orientieren sie sich? Wo und warum sterben sie? "Aber", sagt Müller, "wir sind nicht nur am Verhalten der ziehenden Vögel interessiert, wir haben verschiedenste wissenschaftliche Fragestellungen."

Tiere weisen auf Katastrophen hin 
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LinuxMcBook 18. Nov 2018

Solange der Pilot solche Systeme jedoch manuell ausschalten kann, kann es trotzdem noch...

der-don 16. Nov 2018

Ein sehr spannendes Projekt auf allen Ebenen finde ich, sowohl technisch (kleine Sender...

ZuWortMelder 16. Nov 2018

Zwei Gedanken, die mir sofort durch den Kopf peitschen. "Die Position gefährdeter...

ElMario 16. Nov 2018

denn erst wenn wir alles wissen, wird alles gut ! Freie Sender für alle Tiere !!!11


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