UN-Generalsekretär: Angriffe auf ukrainisches Atomkraftwerk "selbstmörderisch"

Der UN-Generalsekretär fordert Zugang zum ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja, um Schäden zu untersuchen und warnt vor einer Katastrophe.

Artikel veröffentlicht am , Michael Linden
Kernkraftwerk Saporischschja
Kernkraftwerk Saporischschja (Bild: DENAMAX/Wikipedia/CC-BY-SA 4.0)

António Guterres, UN-Generalsekretär, findet klare Worte anlässlich des Artilleriebeschusses des Atomkraftwerks Saporischschja. "Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk ist selbstmörderisch", sagte Guterres nach einem Bericht des britischen Guardian am Montag.

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Das AKW befindet sich auf russisch besetztem Gebiet und wurde am Samstag zweimal beschossen. Von wem der Beschuss ausging, ist nicht bekannt. Die russischen Besatzungstruppen beschuldigen die ukrainische Armee. Die Regierung in Kyjiw macht Russland dafür verantwortlich. Nach Angaben der Ukraine haben russische Truppen auf dem Gelände des Atomkraftwerks Waffen gelagert.

Das AKW Saporischschja befindet sich am Fluss Dnipro bei der Stadt Enerhodar im Südosten der Ukraine. Dort befinden sich sechs Druckwasser­reaktoren der sowjetischen Bauart WWER-1000/320 mit je 950 Megawatt Nettoleistung.

Guterres fordert, dass Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Zugang zum Atomkraftwerk Saporischschja erhalten, um die Schäden zu untersuchen. Die Ukraine teilte mit, dass durch den Beschuss drei Strahlungssensoren beschädigt und ein Arbeiter im Kraftwerk verletzt wurde.

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Wie der Guardian berichtet, beschuldigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland, "nuklearen Terror" auszuüben, was weitere Sanktionen rechtfertige. In seiner täglichen Fernsehansprache sagte Selenskyj dem Bericht nach, dass es keine Nation auf der Welt gebe, die sich sicher fühlen könne, wenn ein terroristischer Staat ein Atomkraftwerk beschießt.

Nach Angaben der New York Times nutzt Russland die Anlage seit Mitte Juli 2022 als Deckung, um von dort aus die ukrainischen Streitkräfte zu beschießen.

Der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) teilte am 3. August seine Einschätzung mit, weshalb russische Truppen das AKW nutzen: Damit solle mit den Ängsten des Westens vor einer nuklearen Katastrophe in der Ukraine gespielt werden, wahrscheinlich in dem Bemühen, die Bereitschaft des Westens zur militärischen Unterstützung einer ukrainischen Gegenoffensive zu schwächen.

Der Leiter der russischen Saporischschja-Besatzungsverwaltung, Evgeniy Balitskyi, antwortete auf Telegram, dass die IAEO in der Anlage willkommen sei: "Wir sind bereit zu zeigen, wie das russische Militär die Anlage heute bewacht und wie die Ukraine, die Waffen aus dem Westen erhält, diese Waffen, einschließlich Drohnen, einsetzt, um das Kernkraftwerk anzugreifen, und sich dabei wie ein Affe mit einer Handgranate verhält."

Auswirkungen eines GAUs in Saporischschja

Nuklearexperte Wolfgang Raskob erklärte der Zeitung Die Welt, dass in Saporischschja zwei Reaktoren noch in Betrieb seien. Würde die Stromversorgung extern einfach gekappt, könnte nur noch der Notstromdiesel eingesetzt werden, um die Reaktoren zu kühlen.

Im Falle einer Freisetzung radioaktiven Materials würde ein Landstrich von etwa 50 bis 100 km rund um das Kraftwerk so stark verseucht, dass dort niemand mehr leben könnte. In Deutschland würde aufgrund der Entfernung von über 1.000 km wenig zu spüren sein, zumal der Wind in weniger als 10 Prozent der Fälle in Richtung Westen wehe. Stark betroffen wäre zu dieser Jahreszeit hauptsächlich Russland.

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