IAA-Eröffnung: Scholz hält an Ziel von 15 Millionen Elektroautos fest

Bundeskanzler Olaf Scholz hält eine Korrektur der Ausbaupläne bei der Elektromobilität weiterhin nicht für erforderlich. Sein Ziel bleibe, im Jahr 2030 in Deutschland 15 Millionen E-Autos auf der Straße und "eine Million Ladesäulen" aufgebaut zu haben, sagte der SPD-Politiker bei der Eröffnung der IAA Mobility am 5. September 2023 in München. Branchenexperten gehen jedoch inzwischen davon aus, dass bis zum Ende des Jahrzehnts nur halb so viele vollelektrische Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein werden.
SPD, Grüne und FDP hatten die ambitionierten Ausbauziele in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten. Doch bereits zum Zeitpunkt der Verhandlungen im November 2021 war abzusehen , dass diese Ziele kaum erreicht werden könnten. Die zugrunde liegenden Empfehlungen der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) gingen damals davon aus, dass schon Mitte des Jahrzehnts fast zwei Millionen Elektroautos pro Jahr verkauft werden müssten.
Experten fordern "Realitäts-Check"
Nach Einschätzung des Branchenexperten Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach wird Deutschland die Ziele "bei weitem" verfehlen. Es sei ein "Realitäts-Check notwendig" , sagte Bratzel vor wenigen Tagen. Für den angestrebten schnellen Hochlauf wären in diesem Jahr 750.000 neue Elektroautos erforderlich. Realistisch seien aber nur 450.000 Neuzulassungen. Auf dem jetzigen Wachstumspfad sei bis 2030 mit einem Bestand von 7 bis 8 Millionen Stromern zu rechnen.
Zwar gab es im vergangenen August noch einmal eine Zulassungsspitze mit 86.649 Elektroautos. Doch diese dürfte damit begründet sein, dass die staatliche Förderung für Gewerbekunden zum 1. September 2023 ausgelaufen ist. Im September dürften die Zulassungszahlen daher deutlich niedriger sein. Ein ähnlicher Effekt war bereits im Dezember 2022 beobachtet worden .
VDA fordert bessere Investitionsbedingungen
Anlässlich der IAA-Eröffnung forderte der Verband der Automobilindustrie (VDA) jedoch keine neue Kaufprämie, sondern bessere Investitionsbedingungen. "Wir wollen hier investieren. Aber dafür müssen die Bedingungen stimmen" , sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Steuern, Abgaben und Energiepreise seien jedoch international nicht mehr wettbewerbsfähig, und ständig kämen neue Vorgaben aus Brüssel und Berlin dazu. Die Unternehmen erwirtschaften Gewinne vor allem im Ausland. Die USA und China dagegen unterstützten ihre Unternehmen und entfesselten die Innovationskräfte mit weniger Bürokratie und mehr Technologiefreiheit, sagte Müller.
Den deutschen Herstellern dürfte klar sein: Von einer üppigen Kaufprämie profitieren auch Anbieter aus China oder anderen Ländern. Diese sind in diesem Jahr sowohl auf dem Messegelände als auch in der Innenstadt präsent. Allerdings ist es nicht so, dass chinesische Hersteller schon die IAA dominierten. Während Great Wall Motor (GWD) vor zwei Jahren noch mit mehreren Marken vertreten war, fiel in diesem Jahr vor allem BYD mit einem großen Stand auf.
Scholz besucht auch den CATL-Stand
Scholz äußerte sich angesichts der neuen Anbieter gelassen. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Autoindustrie in Deutschland steht außer Frage" , sagte er und betonte: "Konkurrenz sollte uns anspornen, nicht erschrecken."
Nach der Eröffnungsfeier startete der Kanzler zu einem zweistündigen Rundgang durch die Messehallen, um sich die Projekte der deutschen Autohersteller und Zulieferer zeigen zu lassen. Die chinesischen Hersteller standen dabei nicht auf seinem Programm, aber der chinesische Batteriehersteller CATL, der ein Werk in Erfurt hat.
Auf dem Stand präsentiert CATL seine neue LFP-Batterie Shenxing , die mit einer kostengünstigen Zellchemie ein schnelles Aufladen ermöglichen soll. Es dürfte vor allem solche Innovationen brauchen, damit eine schnellere Elektrifizierung in den kommenden Jahren möglich sein wird. Doch selbst damit bleiben die 15 Millionen wohl unerreichbar.



