IAA: "Die Greenwashing-Party der deutschen Autoindustrie crashen"

Auf der IAA präsentiert die Automobilindustrie neue Autos, als gebe es keinen Klimawandel. Aktivisten wollen die "Klimakillerparty" blockieren - und haben die Argumente auf ihrer Seite.

Ein IMHO von und veröffentlicht am
Das Bündnis Sand im Getriebe will die IAA blockieren und fordert eine radikale Verkehrswende.
Das Bündnis Sand im Getriebe will die IAA blockieren und fordert eine radikale Verkehrswende. (Bild: Sand im Getriebe)

Es ist noch nicht einmal zwei Monate her, da gab es auch in Deutschland einen Vorgeschmack auf die kommenden Wetterextreme, die mit der Klimakrise immer öfter und heftiger zuschlagen. Die betroffenen Regionen sind immer noch weit entfernt von Normalität, während die Autofirmen mit viel Glanz und Gloria neue Autos auf der IAA präsentieren. Den "Klimakillern" - wie die Klimaaktivisten sie völlig zu Recht nennen - muss endlich etwas entgegengesetzt werden. Die besseren Argumente und Konzepte dafür gibt es seit langem.

Inhalt:
  1. IAA: "Die Greenwashing-Party der deutschen Autoindustrie crashen"
  2. Autoindustrie sorgt für verheerende soziale und ökologische Schäden weltweit

Weder Politik noch Autokonzerne, die maßgeblich an der Klimakrise beteiligt sind, unternehmen ernsthaft etwas gegen den unvermindert hohen CO2-Ausstoß - und ohne Druck schon gar nicht. Um den Druck zu erhöhen und der Forderung Nachdruck zu verleihen, den blauen Planeten für kommende Generationen nicht komplett zu verbrennen, rufen etliche Aktivisten und Bündnisse zu Aktionen nach München auf. Sie versuchen mit Demonstrationen und Blockaden für ein besseres Klima zu kämpfen und Aufmerksamkeit dafür zu schaffen - bevor es endgültig zu spät ist. Denn viel Zeit bleibt nicht mehr.

Bündnis Sand im Getriebe will die IAA blockieren

Eine angemessene Reaktion auf die Dringlichkeit der Klimakrise gebe es innerhalb der parlamentarischen Politik nicht, schreibt das Bündnis Sand im Getriebe. Daher müsse man Klimaschutz selbst in die Hand nehmen und die Verkehrswende mit zivilem Ungehorsam durchsetzen. Deshalb versucht das Bündnis aus verschiedenen klima-, verkehrspolitisch- und globalisierungskritischen Gruppen die IAA 2021 zu blockieren.

Mit einem gemeinsamen verbindlichen Aktionskonsens wollen die Aktivisten Polizei und etwaigen Wachschutz umfließen, um zu den Messehallen der IAA zu gelangen und diese mit ihren Körpern zu blockieren. Auf diese Weise wollen sie die "Greenwashing-Party der deutschen Autoindustrie crashen". Damit waren sie bereits bei der IAA 2019 in Frankfurt erfolgreich.

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Dabei setzt sich das Bündnis für eine radikale Verkehrswende ein: "Unser Ziel sind autofreie Städte, viel mehr Platz für Fuß- und Radverkehr sowie ein massiv ausgebauter und kostenloser Nahverkehr. Der Bau von Autobahnen, Schnell- und Bundesstraßen muss sofort gestoppt, die freiwerdenden Mittel für den Ausbau klimafreundlicher Mobilitäts-Infrastruktur genutzt werden", fordert Sand im Getriebe und verweist auf das Sofortprogramm aus der Klimagerechtigkeitsbewegung, das die unbedingt notwendigen Schritte ausarbeitet, um die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dabei wird etwa eine Reduktion des fossilen Individualverkehrs gefordert. Eine der Sofortmaßnahmen ist der Stopp der Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Derzeit passiere allerdings genau das Gegenteil. "Wir steuern ungebremst auf eine Klimakatastrophe zu - trotzdem drückt Deutschland weiter aufs Gaspedal: Immer größere und dickere Autos verstopfen unsere Straßen, nehmen uns die Luft zum Atmen und heizen das Klima an", sagt Lou Winters, Pressesprecherin des Bündnisses.

Auf der IAA werden Elektro-SUVs vorgestellt und gleichzeitig vor allem Verbrenner verkauft

Dass das Argument, die IAA sei nur Greenwashing, nicht weit hergeholt ist, zeigt sich zumindest zum Teil auch an den Neuvorstellungen auf der derzeit noch laufenden Messe. So präsentiert Audi eine völlig überdimensionierte Luxuslimousine, Daimler protzt mit einem Elektro-AMG mit 560 Kilowatt und einer G-Klasse, die schon als Verbrenner kaum sinnvoll nutzbar ist - und das auch elektrisch angetrieben wohl nicht sein wird. Porsche bleibt bei seinen Rennwagen.

Selbst Smart, ursprünglich eine Marke für kleine Stadtwagen, zeigt einen elektrischen SUV mit dickem Kühlergrill. Und Renault, das mit seinem Zoe inzwischen seit fast einem Jahrzehnt einen elektrischen Kleinwagen im Programm hat, setzt inzwischen auf einen größeren und schweren Mégane. Elektrische Kleinwagen, die eventuell sogar massentauglich sein könnten, kündigen etablierte Hersteller wie Volkswagen dagegen erst für 2025 an.

Was, wenn wir einfach die Welt retten?: Handeln in der Klimakrise

"Die deutsche Autoindustrie befeuert die Klimakrise immer weiter", kritisierte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. "Mit ihren rücksichtslosen Geschäften schränken VW, Mercedes-Benz und BMW die Freiheit junger Menschen ein. Damit sich das ändert, müssen die Konzerne viel schneller weg von klimaschädlichen Verbrennungsmotoren." Die Hersteller zeigten nahezu ausschließlich Elektromodelle, täuschten damit aber darüber hinweg, dass weiterhin über 90 Prozent ihrer verkauften Fahrzeuge Diesel oder Benzin verbrennen, erklärt Greenpeace.

Wirklich überraschend oder neu ist das allerdings nicht. Schon zur IAA 2019 haben wir in einer Analyse geschrieben, dass die großen Hersteller vor allem auf PS statt auf echte Visionen und Veränderungen setzen. Zwar wenden sich die meisten Hersteller elektrischen Antrieben zu, ein grundlegender Wandel hin zu anderen Formen der Mobilität scheint großen Teilen der Industrie noch nicht zu gelingen.

Dabei wird die Unterstützung für diesen Wandel in der Gesellschaft immer größer, was sich nicht nur an den Fridays-for-Future-Demonstrationen zeigt, sondern auch an anderen Gruppen, die nun gegen die IAA demonstrieren oder sich direkt mit den Aktionen von Sand im Getriebe solidarisieren.

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Autoindustrie sorgt für verheerende soziale und ökologische Schäden weltweit 
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BluePhoenix 17. Sep 2021 / Themenstart

Was glaubst Du wohl wieviele Kohlekraftwerke gebaut werden, nur damit wir unser Plastik...

plutoniumsulfat 17. Sep 2021 / Themenstart

Vielleicht erklärst du erst mal, wo die angebliche Doppelmoral sein soll. Dafür steht...

plutoniumsulfat 15. Sep 2021 / Themenstart

Man könnte auch leichter bauen, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen. Nur Autos...

plutoniumsulfat 15. Sep 2021 / Themenstart

Von der Bevölkerung über 18, also sind eben viele ausgenommen. Noch dazu ist Klima nicht...

Copper 15. Sep 2021 / Themenstart

Komisch, von "Gebäude stürmen" lese ich da im Zusammenhang von Pyro nichts. Sie wollen...

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