I am Jesus Christ angespielt: Der Jesus-Simulator lässt uns vom Glauben abfallen
Kein Scherz, keine geplante Gotteslästerung: In I am Jesus Christ treten wir als Heiland an. Golem.de hat den kostenlosen Prolog ausprobiert.
Wie muss man sich das wohl vorstellen, wenn der Sohn Gottes an einem ganz normalen Tag aufwacht? Zumindest im Prolog des Computerspiels I am Jesus Christ klingelt morgens nicht einfach der Wecker.
Stattdessen spricht der Heilige Geist als schwebende Leuchtkugel über uns. Noch ein paar Augenblicke länger schlafen ist nicht drin, denn es wartet eine Aufgabe: Jesus soll Johannes den Täufer finden.
Genauer gesagt sollen wir Johannes den Täufer finden - denn in dem Programm des Entwicklerstudios Simulam steuern wir den Heiland aus der Ich-Perspektive. Das kann man als gläubiger Christ anstößig oder blasphemisch finden, es ist aber nicht so gemeint.
I am Jesus Christ wurde vor rund zwei Jahren angekündigt, schon damals sorgte es für Diskussionen. Eigentlich sollte die Veröffentlichung recht zügig erfolgen, es gab offensichtlich die üblichen Verzögerungen.
Nun steht der Prolog als kostenlose, ausdrücklich noch nicht fertige Demo auf Steam zum Download bereit. Das komplette Spiel soll im zweiten Quartal 2023 auf den Markt kommen.
Im Prolog steuern wir den 30 Jahre alten Jesus durch das Städtchen Nazareth und dessen Umgebung. Erster Ansprechpartner ist unsere Mutter Maria, die auch gleich gute Ratschläge hat, wie wir Johannes finden könnten. Weiter geht es zum Markt, wo wir einen Anhänger des Täufers finden.
Das jeweils nächste Ziel wird - wenn die Funktion korrekt arbeitet, was sie nicht immer tut - am stets sichtbaren Kompass und in der Grafik markiert. Wichtig: Jesus muss essen, damit seine Lebensbalken nicht auf Null fallen. Die Entwickler haben dieses Detail nach Kritik damit verteidigt, dass die Hauptfigur ja zumindest anfangs ein sterblicher Mensch gewesen sei.
Video: I Am Jesus Christ - Gameplay [7:59]
Nach dem Treffen mit Johannes steht dann tatsächlich so etwas wie ein Kampf an: In der Wüste müssen wir uns mit Gebeten und übersinnlichen Kräften gegen Angriffe des Teufels wehren, um weiterzukommen. Das ist vermutlich ziemlich einfach - wir waren trotzdem zu doof dafür und haben den Kampf und damit den Prolog nach knapp einer Stunde abgebrochen.
Ersteindruck
Klar: Wenn wir Jesus spielen, kann es ja eigentlich nicht ums Spaßhaben gehen. Der Heiland sollte schließlich die Menschheit retten - oder jedenfalls höhere Ziele haben als ein paar unterhaltsame Stunden.
Wir hatten mit dem Simulator keinen Spaß. Und dabei hätten wir durchaus gerne wie in einem Assassin's Creed in die damalige Zeit geschnuppert. Leider machen das die gruselige Grafik und die allgemein schwache Technik nicht möglich. Dazu kommt die unsympathisch-ölige Aufmachung mit donnernden Hintergrundstimmen in der Art von Bibel-TV, das Fehlen von christlichen Elementen wie Nächstenliebe und sehr vieles mehr.
Zur Historie, etwa zur Stadt Nazareth und den politischen Verhältnissen, erfahren wir zu wenig. Natürlich kann sich bis zur Vollversion in einigen Monaten noch viel tun - uns fehlt aber der Glaube, dass es bei I am Jesus Christ noch zu echten Verbesserungen kommt.